Dienstag, 28. Februar 2017

Wieviel Mutter bin ich?


Es ist traurig, wenn man in den sozialen Netzwerken mitbekommt, wie das Muttersein immer mehr zum Wettbewerb wird, sich extreme Gruppierungen bilden, die sich gegenseitig verbal zerfleischen. Muttersein war noch nie so hart und noch nie wurde die Kindererziehung untereinander so schwer bewertet.

Bin ich überhaupt Mutter?

Ich habe noch nie ein Kind selbst auf die Welt gebracht. Ich habe sie auf die Welt bringen lassen.
Kaiserschnitt. Ein Wort, welches so viele Reaktionen hervorbringt unter Müttern.
Viele Mütter fühlen sich wie Versagerinnen, ihr Körper hat das Natürlichste auf der Welt nicht hinbekommen. Sie schämen sich.
Aber warum? Weil andere Frauen es ohne Probleme geschafft haben, die Geburt als schönstes Erlebnis beschreiben?
Ich habe selbst keines meiner drei Kinder natürlich auf die Welt gebracht, aber ich habe nicht versagt. Ich habe mein Bestes gegeben und wenn mein Bestes ein Kaiserschnitt ist, welches mein Kind und mich gesund entbindet, dann ist das gut so.
Und dieser kleine Moment sagt doch eigentlich gar nichts aus, weder über meine Fähigkeiten als Mutter, noch über meine Liebe zu den Kindern.
Wenn überhaupt sagt der Kaiserschnitt nur eines, dass ich alles dafür gebe, meine Kinder gesund auf die Welt zu bekommen.

Anderes Thema, selbe Reaktion ist beim Stillen gegeben. Ich sehe dieses Thema von beiden Seiten, ich habe ein Kind nicht gestillt, das Zweite acht Monate und das Dritte über zwei Jahre. Jedes Kind wird von mir gleich geliebt, nicht wirklich gleich, schließlich sind sie unterschiedliche Persönlichkeiten, aber alle gleichwertig.
Mag eine Mutter nicht stillen, finde ich das vollkommen okay, sie muss sich nicht dafür rechtfertigen, vorallem nicht bei mir oder anderen fremden Müttern. Irgendwie fühlen sich Mütter aber gezwungen einen Grund zu finden, der andere Mütter zufriedenstellt. Einfach nur nicht stillen zu wollen ist dabei keine Option, deshalb sagen sie, sie haben keine Milch oder dass Ärzte es ihnen angeraten haben.
Es ist kein Verbrechen nicht zu stillen, es ist aber ein Verbrechen andere deshalb zu verurteilen, wenn sie nicht stillen möchten. Es ist eine mutige Entscheidung gegen den Strom zu schwimmen und zur Flasche zu greifen, weil man sich damit besser fühlt, eine schwere Entscheidung, wenn man von allen Seiten gesagt bekommt, dass man seinem Kind das Beste verwehrt. Ich halte sehr viel von bedürfnis- und bindungsorientierter Erziehung und finde das dabei nicht nur die Bedürfnisse des Kindes für eine innige Bindung wichtig sind, sondern auch die der Mutter. Wenn eine Mutter sich unwohl fühlt beim Stillen und das Stillen als zwingende Notwendigkeit über sich ergehen lässt, wird das Kind dies spüren. Wenn sie sich aber mit Flasche viel besser auf das Baby konzentrieren kann, auf das Baby eingehen kann und selbst dabei entspannt ist und sich wohlfühlt, gibt dies dem Baby viel mehr als Muttermilch. Vorwürfe und Beleidigungen sind einfach deplatziert und dreist. Nichts von all diesen Dingen sagt etwas über das Muttersein aus, es sind kleinste Gegebenheiten in einem großen Ganzen und dieses Ganze wird mit so vielen wichtigeren Dingen ausgefüllt und am Ende zählt doch nur, dass alle glücklich sind.

Bedürfnisorientiert von allen Seiten

Mutter zu sein in dieser Gesellschaft ist ein undankbarer und harter Job. 
Es wird so oft erwartet, dass Mütter alles aufgeben, sich aufgeben, um den Kindern alles recht zu machen. Aber ist das wirklich der richtige weg? 
Muss ein Kind wirklich immer seinen Willen bekommen? Dabei rede ich nicht von Neugeborenen, sondern von Kindern. Muss eine Mutter immer zurückstecken, zugunsten des Kindes, weil die Gesellschaft das so von einem erwartet? Muss sie alles geben, bis wirklich nichts mehr von ihr übrig bleibt, nur damit das Kind niemals Frustration erlebt? Was ist mit der Frustration oder besser was ist mit den Bedürfnissen der Mutter?
Bedürfnisorientiere Erziehung heißt für mich die Bedurfnisse aller in der Familie, vom Kind oder Kindern, von Vater und Mutter. Es müssen alle Gefühle und Bedürfnisse geachtet werden, Kompromisse und Lösungen gefunden werden, womit alle glücklich sind, nur so kann eine Familie auf Dauer bestehen. 
Eine Mutter muss sich nicht schlecht fühlen, wenn sie ihrem Kind nicht erlaubt den limitierten Lieblingslippenstift in die Couch einzumassieren. Auch sollte sie kein schlechtes Gewissen haben, wenn ihr Kind dann frustriert ist und dieses zeigt. Man sollte es dem Kind auch erlauben Frustration zu erleben. Ebenso wie man ihnen alle positiven Empfindungen erleben lassen möchte, sollte man ihnen die nicht so schönen Gefühle verwehren. Kinder von allem was sie aufregt oder traurig machen könnte fernzuhalten, hält sie auch davon fern, den Umgang mit diesen Gefühlen zu erlernen. Man beraubt sie somit eines wichtigen Lernprozesses, der es ihnen später schwerer maxhen wird, damit umzugehen. 
Natürlich fällt einem das schwer, wenn die halbe Welt es besser weiß und meint, man müsse Kinder in Watte packen und sich komplett aufgeben, schließlich ist man Mutter und somit kein Mensch mehr sondern eine Maschine.
Aber um ehrlich zu sein scheiß drauf, denn ist die Mutter nicht glücklich kann es das Kind auch nicht sein.
Früher, als das Internet noch nicht so populär war, man sich noch nicht mit der ganzen Welt über Erziehung und Co austauschen konnte, musste man sich lediglich mit Verwandtschaft und dem näheren Umfeld herumschlagen, was Erziehungsratschläge betrifft.
Nun ist jeder ein Erziehungsexperte und Beziehungsberater und weiß wo die Fehler bei jeder einzelnen Mutter und ihrer Familie liegen und damit halten sie auch nicht hinterm Berg. Am schlimmsten sind aber die Mütter unter sich, Jede meint die beste Erziehungsmethode zu kennen und diese sei auf jedes Kind, jede Familie übertragbar. Man urteilt über andere Mütter, macht sie schlecht, lässt sie sich schlecht fühlen und es wird ganz vergessen, dass jedes dieser Mütter eigentlich das Gleiche will, nämlich glückliche und gesunde Kinder. Das geht im Tragetuch oder Kinderwagen, mit Babykursen oder ohne, mit Flasche oder Brust, Stoffwindeln oder Einwegwindeln, alleinerziehend oder mit Partner, berufstätig oder als Hausfrau.

Zurück zur Intuition und zur Toleranz finden

Wir suchen immer Gleichgesinnte, die den selben Weg gehen wie wir, wir sehen nur diesen Weg nur dieser ist der richtige Weg, andere Wege, die andere Menschen gehen sind falsch und werden nicht in Erwägung gezogen und verlieren dabei oft das Ziel aus den Augen, das Ziel auf die alle zusteuern, nur über verschiedene Wege. Unser Ziel ist es, aus diesen kleinen und wunderbaren Kindern wunderbare Erwachsene zu machen, ihnen zeigen, dass sie toll sind, so wie sie sind, mit all ihren Facetten und dass sie alles erreichen können, wenn sie ihr Bestes geben. Dieses Ziel zu erreichen ist über mehrere Wege machbar und jedes dieser Wege kann richtig sein, wenn alle dabei glücklich sind. Das ich von gewaltfreier Erziehung dabei spreche muss ich nicht erwähnen oder? Davon gehe ich in diesem Fall aus.
Anstatt aufeinander herumzuhacken und anderen Müttern das Muttersein absprechen zu wollen, sollte man lernen andere Sichtweisen zu tolerieren. Man sollte einen Moment in sich gehen und überlegen ob der andere Weg wirklich so schlecht ist, wie man meint, bevor man vorschnell urteilt und verurteilt. Es von der anderen Seite betrachten, offen und ohne Wertung. Vielleicht kann man von anderen Sichtweisen sogar noch was für sich selbst lernen und über sich hinauswachsen. 
Wir sind alle Mütter, Frauen, Menschen und haben alle Bedürfnisse, Gefühle und ein Herz für unsere Kinder. Nun sollten wir ein kleines Plätzchen im Herzen freimachen für Akzeptanz und Toleranz gegenüber Müttern, die anders erziehen.






Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen