Samstag, 24. September 2016

Muddi, was soll der Stress?



Als ich vor fünf Jahren schwanger war, war es Trend, in so vielen Schwangerschafts- und Babykursen wie möglich angemeldet zu sein. Dort mitzumischen gehörte quasi zum guten Ton.
Wir lebten zu der Zeit in einem Dörfchen außerhalb und das Auto hat der Mann benutzt, also war mein Radius etwas eingeschränkt.  Ich ging zur Geburtsvorbereitung bei einer Hebamme und nach der Geburt zu einem Rückbildungskurs, aus der sich dann eine kleine Gruppe zur Krabbelgruppe zusammenschloss.
Babyschwimmen, Pekip und Co. habe ich nicht mitgemacht.
Jedenfalls scheint sich in den fünf Jahren einiges getan zu haben, Mütter profilieren sich im Netz damit, dass sie keine Kurse oder Gruppen besuchen wollen, da sie andere Mütter im Allgemeinen nicht leiden können.  Alle Mütter würden nur über volle Windeln, Babykotze und anderen unappetitlich klingenden Themen reden. Die profilierenden Mütter halten sich für die Aussenseiter, lachen über die Mütter, die sich in Cafés treffen und sich dort austauschen. Sie versuchen sich im Netz zu überbieten, wer mehr Außenseiter ist.
"Ich hatte nicht mal eine Hebamme." Eines der Sätze, die ich fand.
Natürlich ist es jedem selbst überlassen, wie er gebärt und sein Leben mit Kind gestaltet, aber nur um möglichst individuell zu sein auf eine Hebamme zu verzichten ist meiner Meinung nach eher ziemlich einfältig.  Ist eine Hebamme ein Trend? NEIN.
Eine Hebamme ist eine Bereicherung und nichts weshalb man sich schämen sollte. Vorallem für Mütter, die ihr erstes Kind erwarten oder bekommen haben und viele Fragen haben, ist eine Hebamme Gold wert. Genau wie Gruppen, in denen sie sich mit anderen Müttern austauschen können,  persönlich, statt anonym im Internet.
Ihnen diese Bereicherung madig zu machen finde ich unter aller sau.
Zwanghaft sich gegenseitig überbieten zu wollen, wer am wenigsten diese Dinge mitgemacht hat, ist genauso dämlich wie die Entwicklungsvergleiche, die sie den anderen Müttern unterstellen.
Im Prinzip das Gleiche.
Diese große Rivalität zwischen Müttern, das alle über einen Kamm scheren, das Vergleichen, konkurrieren und miesmachen ist einfach beschämend. Im Großen und Ganzen sind wir alle Mütter und was für eine Bereicherung es doch wäre,  wenn wir unseren Ego mal zurückstecken würden und tiefer schauen würden, als jetzt.
Wenn wir den Menschen hinter der Fassade sehen würden,  die Unsicherheiten, die Liebe zum Kind, Bedürfnis nach Austausch und der Hoffnung dies in diesem Café, bei dem Müttertreff zu finden. Was wenn dort ein Mensch sitzt, eine Mutter, die die perfekte Freundin wäre und diese Freundschaft nie entstehen wird, da man meint dass es besser ist solche Treffs zu meiden.
Man muss nicht zu jedem Treffen, Kurs oder Gruppe gehen, aber alle die dort hingehen in eine Schublade zu stecken ist auch falsch. Klar sind da auch Menschen, die einem super auf die Nerven gehen, vielleicht sogar viele, aber das weiß man erst wenn man mal mit jedem gesprochen hat.
Ich hoffe wirklich, dass das mal ein Ende hat und Mütter endlich anfangen Toleranz zu zeigen.
Mutterschaft ist kein Wettbewerb, auch wenn man das bei manchen Müttern denken könnte.
Neben dem oben schon beschriebenen Phänomen gibt es ja auch noch das andere Extrem und mindestens genauso extrem nervig.
 Diese Gruppierungen, in denen sich Mütter fast schon religiös identifizieren.
Ich schaue gerne auf sozialen Netzwerken verschiedene Profile an und wenn jemand in seiner Bio stehen hat, dass sie z.B. Stoffwindeln nutzt oder Bugaboofanatikerin oder andere Dinge, die nichts mit dem Charakter der Person zu tun haben, dann klicke ich schon weiter.Ich habe nichts gegen Stoffwindeln finde sie sogar klasse, auch hab ich nichts gegen Bugaboos, aber ich will Menschen sehen und nicht ein lebendes Sammelsurium an Klischees, nur um in einer bestimmten Gruppe anerkannt zu werden.
Manche Mütter sind eine wirklich merkwürdige Spezies. Die Frage ist, waren sie schon vor der Mutterschaft so oder haben Hormone die Schuld an diesem unsäglich nervigen Verhalten?
Es wird verglichen, ausgegrenzt, konkurriert, gelästert, angegeben und so weiter und so fort.
Aber warum?
Wozu dieser Konkurrenzkampf?
Ich stehe oft auf dem Beobachterposten und folge diesem Verhalten.  Alles ist so oberflächlich, nicht mehr der Mensch zählt, sondern nur was sie hat oder welchem "Erziehungsstil" sie verfolgt. Passt man nicht zu hundert Prozent in diese Klischees landet man schnell wiede außerhalb der Gruppe.
Ernsthaft, kann das denn wirklich erfüllend sein? Sich mit Menschen umgeben, deren Charakter vollkommen zweitrangig ist?
Ich finde ja, würde man all diese Gruppen durcheinandermischen, an einem großen Tisch und jede Mama würde mal zur Wort kommen, in einem respektvollen und offenen Gespräch,  alle könnten eine Menge voneinander lernen.
Aber dafür müsste man erstmal über den eigenen Schatten springen, eingestehen, dass die eigene Erziehung nicht die einzige Möglichkeit ist wunderbare Kinder heranzuziehen.

Am Ende ist es doch immer das Gleiche.  Mütter gehen gegeneinander vor, ob nun als Mutter, die einfach total anders sein will als alle anderen oder als Mama, die unbedingt und stur an bestimmten Dingen festhält, um zu einer gewünschten Gruppe zu gehören und schließen dabei andere aus.
Dabei wird vergessen, wie gut eine bunte Mischung sein kann.
Vergleichen wir es mal mit einem Salat, an einem puren Kopfsalatblatt zu knabbern ist nicht gerade die Erfüllung,  doch mit Tomaten, Zwiebeln, anderen Zutaten und einem tollen Dressing kann daraus was ganz gutes werden.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen