Sonntag, 8. Mai 2016

Mama-Maschine

Immer öfter höre und lese ich von Müttern, dass sie sich schlecht fühlen und glauben Rabenmütter zu sein, weil sie ihrem Kind gegenüber laut geworden sind.
Sie haben ein schlechtes Gewissen und glauben ihr Kind könnte bleibende Schäden davontragen.
Wenn man das so liest/hört könnte man meinen, sie haben ihrem Kind die schlimmsten Beschimpfungen an den Kopf geworfen. Dem ist nicht so, meist ist es ein "Hör bitte damit auf!" oder ähnliche Ausrufe, die bei den vorherigen Rufen, in normaler Lautstärke, nicht Gehör gefunden haben und dann irgendwann war es genug und die Mama ist lauter geworden.

Bei Freundinnen oder in Elternforen/Elterngruppen im Internet suchen sie dann Rat und Trost.
Mamas sind keine Maschinen, sie haben Gefühle, Grenzen und Nerven, die nicht unendlich strapazierbar sind. Überall liest man von sanfter liebevoller Erziehung, ohne laut zu werden und alles ruhig ausdiskutieren.  Das ist theoretisch ja ganz nett, aber praktisch?

Beispiel: Kleinkind flippt schon seit einiger Zeit herum, trotzt, zickt und will alles und nichts zusammen. Es springt von einem Sofaende zum Anderen und sämtliche Versuche dem Kind zu erklären, dass Sofahüpfen nicht erlaubt ist, werden mit Lachen und noch mehr Hüpfen und Geschrei quittiert. Eine Lampe fällt um und geht zu Bruch, überall Scherben. Und da soll eine Mutter ruhig weiter den Erklärbär spielen? Manchmal hilft es nicht ewig ruhig zu diskutieren.  Ich bin der Meinung Kinder sollten in bestimmten Situationen ruhig spüren,  dass Mama auch Grenzen hat. Dass Mama ein Mensch ist und keine Maschine.
Anhand eines lauten Ausrufs (und damit meine ich kein ins Gesicht schreien oder Beschimpfen) den Ernst der Lage, dem Kind begreiflicher zu machen ist nichts verwerfliches. Ich finde es ehrlicher als diese ewig lange, sanfte Diskussionstechnik.
Ich bin der Meinung, dass ein Kind ein konsequentes Nein mit knapper Erklärung viel besser aufnehmen kann als einen Aufsatz,den man so dahinsingt.
Kurze klare Aussagen funktionieren auch bei mir besser als wenn man mir ein Ohr abkaut.
Natürlich soll man nicht bei jedem Pups laut werden, aber es gibt Grenzen, die man einem Kind einfach aufzeigen muss. Wichtig ist nur, dass man danach mit dem Kind redet. Erklärt, warum man laut wurde und dass man es lieb hat und nochmal die Situation durchgehen.

Es gibt auch viele Erziehungstipps wie zum Beispiel  das Kind soll Dinge lernen, indem es sie erlebt, quasi Learning by burning.
Für mich persönlich ein absolutes No Go.
Warum soll mein Kind lernen, dass man keine Gegenstände in Steckdosen steckt, indem es was hineinsteckt? Warum soll es lernen,dass die Herdplatte einen verbrennen kann, indem es drauf fasst?
Soll ein Kind auch lernen, dass man sich Knochenbrüche zufügen kann wenn man vom Balkon fällt, indem man sie das machen lässt?
Kinder sollen sich ausprobieren dürfen, aber nicht um jeden Preis. Es gibt eine Grenze zwischen Kleinigkeiten und gefährlichen Dingen.

Kinder brauchen Liebe und Geborgenheit um selbstsichere und glückliche Erwachsene zu werden, sie brauchen Freiräume um sich entfalten zu können,  Grenzen um Sicherheit zu spüren und Ehrlichkeit, damit sie vertrauen können.

Ich möchte nochmal klarstellen, ich bin vollkommen gegen Gewalt in der Erziehung, psychisch oder physisch und da zähle ich Beschimpfungen und Anschreien dazu, aber keine Mutter sollte sich schlecht fühlen, wenn sie ihr Kind mal lauter zurechtweisen muss, da es anders nicht klappte. Und ein Kind, welches in einer geborgenen Umgebung aufwächst und weiß, dass es geliebt wird, bekommt, meiner Meinung nach, davon keine Folgeschäden.GGanz im Gegenteil, es lernt dass auch Eltern/Erwachsene ihre Gefühle rauslassen dürfen und diese nicht unterdrücken  oder verstecken. Es ist eine ehrlichere Art der Erziehung, ohne Maskeraden. Wir lachen und weinen zusammen, jeder darf das und jeder soll das.
Wir Mütter sind keine Maschinen, sondern Menschen.❤
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