Mittwoch, 27. Januar 2016

Ein Abschied ohne Hallo.

"Ich werde Mama."
Die wohl bedeutsamsten Worte im Leben einer Frau, denn wer sich für ein Kind entscheidet geht eine lebenslange Verbindung mit vielen Hochs und Tiefs ein. Und mit dem Blick auf den positiven Test und einem zaghaften Streichen über den noch flachen Bauch, keimen sie auf, die noch zarten Bande der Liebe, die mit jedem Tag stärker werden und letztendlich die wohl intensivste und ehrlichste Liebe sind, nämlich die zwischen Kindern und ihren Eltern.
Was für den werdenden Papa noch schwer begreiflich ist, da das Baby nicht in ihm heranwächst, spürt die werdende Mama umso deutlicher, jede Veränderung des Körpers macht deutlich, was sich dort im Inneren, direkt unter dem Herzen entwickelt.
Diese Vorfreude, dieses Menschlein kennenzulernen und zu wissen, dass noch einige Monate bis dahin vergehen müssen ist eine bittersüße Erfahrung, voller Ungeduld, Liebe und guter Hoffnung, endlich dieses Bündelchen Glück nicht nur zu spüren, sondern auch anzuschauen, riechen, in den Armen zu halten.
Es wird schon unendlich geliebt, noch bevor man es gesehen hat, das wohl schönste Blind Date das es gibt.

Nicht immer endet eine Schwangerschaft damit, dass ein freudestrahlendes Paar ihr zartes rosa Baby in den Armen hält.
Manchmal muss man Abschied nehmen, noch bevor man Hallo sagen durfte.
Leider ist dieses Thema nicht sehr beliebt, viele fühlen sich unwohl, wissen nicht, wie man mit solch einem Thema umgehen soll und so werden Kinder still geboren, die niemals in den Armen der Eltern gehalten werden können und die Eltern leiden stumm und leben ihr Leben nach aussen weiter, als wäre nie etwas gewesen. Meist gibt es nicht einmal ein Bild, ein Beweis, dass dieses schon geliebte Kind je existiert hat.
Wenn die Schwangerschaft schon öffentlich verkündet worden war und solch ein Unglück geschieht, werden die trauernden Eltern oft von ihren Angehörigen aufgefangen.
Was aber, wenn die Schwangerschaft noch vor dem Verkünden ein Ende findet? Wie sagt man das, dass man gerade trauert, um sein ungeborenes Baby, welches nun nicht mehr lebt?
Der Schmerz ist groß, die Trauer tief, selbst vor der 12. Woche. Gut gemeinte Worte, wie es wird schon seine Gründe gehabt haben, dass die Natur so entschieden hat oder dass man ja ein neues Baby bekommen kann, sind wie ein Schlag in die Magengrube, keineswegs tröstlich. Man will kein neues Baby, man will dieses Baby, es ist nicht zu ersetzen, es ist einzigartig. Egal wie früh die Schwangerschaft geendet hat, es war ein Menschlein und wenn es geliebt wurde, dann ist der Verlust schmerzvoll und sollte ernstgenommen werden.
Um mit dieser Trauer und dem Verlust umgehen zu können muss man darüber reden, das Thema muss enttabuisiert werden. Früher wurde darüber geschwiegen, das gehörte sich so, heute ist die Welt ein wenig offener. In weiten Teilen Deutschlands gibt es Fotografen, die sich bereit erklären in die Klinik zu kommen und die gemeinsamen Momente von Eltern und dem still geborenen Baby zu fotografieren, wenn dies denn möglich und gewünscht ist. Einige Kliniken halten für solche Situationen kleine Decken und Körbchen bereit, damit das Baby darin eingehüllt werden kann. Diese Bilder und Klinikbeigaben sind meist ein kleiner Rettungsanker im Alltag, wenn man mit dieser Trauer umgehen muss, denn sie sind meist alles, was geblieben ist, von einem viel zu kurzen Leben. Dieser Tabubruch ist ein riesen Fortschritt und eine sehr wichtige Teil in der Trauerarbeit von Eltern, deren Babys still geboren wurden.
Aber was ist mit den Müttern, die kein Bild von ihrem Sternenkind haben, wenn es so früh und so plötzlich passierte, dass sowas nicht möglich war? Ihnen bleibt nichts, ausser dieses große Loch im Herzen. Doch ihnen bleibt das Reden, aber dafür müsste dieses Thema kein Tabuthema mehr sein.
Mütter redet drüber,wenn euch danach ist. Sucht euch Redepartner oder vielleicht eine Selbsthilfegruppe, wo es Menschen gibt, die euer Schicksal teilen. Erstickt nicht an diesen Gefühlen in eurem Inneren, packt sie in Worte und lasst sie raus. Haltet nicht fest an der Trauer, sie ist nicht das einzige, was euch von diesem Baby  geblieben ist. Neben dieser Trauer gibt es etwas viel Größeres und Schöneres, daran solltet ihr festhalten, nämlich die Liebe, die ihr für dieses Baby empfunden habt, als es unter eurem Herzen lag und noch immer empfindet, sie ist nur von der Trauer überdeckt.
Trauer ist aber auch etwas Gutes und man sollte sie nicht ignorieren, man sollte sie verarbeiten und wenn man das einfach nicht alleine schafft, ist das kein Versagen, dann sucht man sich Hilfe, die einem wieder den Weg in ein glückliches Leben zeigt.
Dabei ist es egal ob das Baby sieben Wochen unter dem Herzen gelegen hat oder 38 Wochen. Wenn es geliebt wurde zählt das nicht.

Ich wünsche mir für die Zukunft, dass dieses Thema nicht mehr hinter vorgehaltener Hand besprochen werden muss, dass Frauen offen damit umgehen können und ein offenes, verständnisvolles Ohr finden. Niemand sollte alleine mit seiner Trauer fertig werden müssen.

Donnerstag, 21. Januar 2016

Der schönste Job der Welt


Hier eine Stellenbeschreibung:

Es geht um eine lebenslange Festanstellung.
Du solltest bis zu 168 Stunden in der Woche einsatzbereit sein.
Damit klar kommen, das Pausen gestrichen werden können und du Nachtschichten einlegen musst.
Dein Tätigkeitsfeld wäre groß.
Psychologische und pädagogische Betreuung von Nachwuchskräften sollten zu deinen Stärken zählen, auch sollten medizinische Grundkenntnisse vorhanden sein.
Pflegerische Tätigkeiten werden auch gefordert, von Nahrung reichen, bis Windeln wechseln und Körperhygiene ist alles dabei.
Das Zubereiten von Speisen sollte kein Problem sein.
Organisationstalent ist ein Muss.
Du kannst mit Finanzen umgehen, besitzt Improvisationstalent und kannst als Schlichter fungieren?

Du bist Vieles, in nur einem Job:
Erzieher, Koch, Haushaltshilfe, Lehrer, Taxi, Pfleger, Krankenschwester, Geisterjäger, Spinnenfänger, Pausenclown, Nachtwächter, Schiedsrichter, Sporttrainer, Security, Finanzberater, Lebensberatung, Psychologe, Handwerker, Wissenschaftler, Chef, der leider nicht immer was zu sagen hat. tbc

Dieser Job wird nicht mit Geld bezahlt, auch Kranken- und Rentenversicherung wird nicht übernommen. Urlaubs- und Krankentage gibt es nicht.

Was dir dieser Job bringt?
Lebensfreude, Liebe, Erfahrung, viel Lachen und Tränen, Emotionen Overload, du wirst Mama/Papa.

Montag, 18. Januar 2016

...vom Schreien und Schlafen


Eigentlich hatte ich heute vor über ein ganz anderes Thema zu schreiben, da mir aber im Laufe des Tages mehrfach Berichte über das sogenannte Schlaftraining Ferbern ins Auge fielen, möchte ich gerne meine Gedanken zu Schlaftraining loswerden.

Als erstes, ich mag nicht direkt das Ferbern im Einzelnen erklären, denn ich verschwende sehr ungerne meine Gedanken an Foltermethoden die man einsetzt um Kindern das Urvertrauen zu zerstören und ihnen schon in so jungen Alter so zusetzt, dass sie resignieren und vor Erschöpfung einschlafen. Sowas sollte in keinem Alter passieren und wer glaubt, es sei gesund sich in den Schlaf zu schreien, der irrt sich. Aber genau darauf basiert diese Technik, das Kind geplant schreien zu lassen, bis es von alleine einschläft.
Wer mehr über das Ferbern erfahren will, wie und wann man sein Kind schreien lässt, der kann das ja gerne googlen.

Schreien.
In der Natur ist Schreien ein Zeichen dafür, dass etwas absolut nicht stimmt. In der Tierwelt schreien Tiere, wenn sie von ihrer Mutter getrennt sind und ihnen der Hungertod naht, dann machen sie sich durch Schreien bemerkbar, damit sie gefunden werden können. Schreien lockt Fressfeinde an, deshalb würde kein Tier schreien, wenn es nicht wirklich muss.

Mit diesem Wissen im Hinterkopf frage ich mich, warum Babys schreien sollten. Warum sollten sie aus Angst, schweißgebadet und erschöpft in einen unruhigen Schlaf fallen, wenn sie doch in Geborgenheit bei Mama und/oder Papa schlafen können.
Was ist daran falsch seinem Baby diese kurze Zeit, wenn man es mit einem ganzen Leben vergleicht, im Elternbett/Beistellbett schlafen zu lassen, es fördert die Bindung, stärkt das Urvertrauen, vorallem weiß das Baby dass Mama und Papa immer für einen da ist und es hat keine Angst.

Schreien ist ungesund. Babys Körper schüttet beim Schreien Stresshormone aus, die nachweislich toxisch wirken und die Spätfolgen können dabei wirklich schlimm sein.
Mit diesem Wissen im Hinterkopf sollte doch das Schreien lassen eigentlich keine Option mehr für Eltern sein, schliesslich wollen sie doch das Beste für ihr Kind. Leider wissen aber viele Eltern es nicht besser und bekommen diese gefährlichen Ratschläge, das Kind schreien zu lassen, von Familienmitgliedern, befreundeten Eltern oder Kinderärzten. Aus Verzweiflung, weil ihr Kind nicht durchschläft und/oder jeden Abend eine Einschlafbegleitung braucht, ziehen sie diese grausame Methode durch, auf Kosten ihres Kindes.
Es bedarf also viel mehr Aufklärung,  welche Folgen das Schreien lassen hat, damit solche Ratschläge keinen Nährboden mehr finden.

Ich habe in meiner letzten Schwangerschaft einen wundervollen Bericht einer jungen Mutter gelesen und mich davon inspirieren lassen, diese Methode für mich und mein Baby umzusetzen.
Es ist zwar in englisch geschrieben, aber ich denke das sollte kein Problem sein, wenn man die Basics der englischen Sprache drauf hat: Why african babies don't cry

Die Autorin beschreibt, wie sie von London wegzieht, um ihr Baby in Afrika bei ihrer Mutter und Großmutter aufzuziehen, da sie die Erfahrung gemacht hat, das afrikanische Babys nicht weinen.
Sie lernt die Bedürfnisse ihres Babys richtig zu deuten und dass es sich meist um ganz einfache Grundbedürfnisse handelt, nämlich, Nähe, Hunger und saubere Windel.
Ihr wird geraten das Baby anzulegen, noch bevor es richtig weint.
Da ich gestillt habe und es somit gut umsetzbar war, habe ich mein Babymädchen immer angelegt, wenn sie sich rührte.  Manche Tage bestanden fast ausschliesslich aus Stillen und Kuscheln, aber das war okay. Dank dem Wetter draußen war es in den ersten Monaten auch kein Problem für meine damals dreijährige Tochter. Wir hatten so viele Spiele und Spielsachen, auch mal etwas fernsehen was drin, so fühlte sie sich nicht, als wäre sie allein. Sie war immer dabei und das Stillen ließ sich prima mit dem Spielen kombinieren.
Meine Erfahrung mit dieser Methode, mein Babymädchen ist ein sehr entspanntes, ausgeglichenes Kind, sie weint sehr selten mal und lässt sich einfach trösten.
Selbst durch die Koliken kamen wir gut mit der Methode.
Müsste ich die Methode beschreiben würde ich schlichtweg sagen, es geht darum wieder auf seine Urinstinkte zu vertrauen und mit Liebe und Geborgenheit die Babyzeit zu genießen, statt sich mit Trainingsprogrammen und Planungen zu stressen.




Mittwoch, 13. Januar 2016

Was guckst du, ich stille!

Ich bin eine absolute Befürworterin des Stillens, sofern Mutter und Kind sich dabei wohlfühlen. Und habe ja schon oft über die Vorteile und meine Erfahrungen zum Thema Stillen hier berichtet.
Ich befürworte auch jede Kampagne, die das Stillen in der Öffentlichkeit unterstützt.
Ich stille selbst das Babymädchen jetzt knapp ein Jahr und mache dies auch manchmal unterwegs. Meist im Auto auf dem Beifahrersitz oder wenn das Auto nicht in greifbarer Nähe ist, eben auf einer Bank oder in einem Café.
Blöde Blicke gab es eigentlich keine die wirklich der Rede wert wären.
Was vielleicht daran liegt, dass es kaum auffällt,  wenn ich stille.
Und da kommen wir schon zum Thema. Ich stille in der Öffentlichkeit, aber ich stille nicht öffentlich.
Mit der Forderung, mehr Toleranz und Akzeptanz für stillende Mütter kam eine Bewegung dazu, die ich trotz, dass ich das Stillen in der Öffentlichkeit befürworte, einfach unglaublich ignorant finde und dem Thema eher schadet, als dass es hilft.
Man fordert, dass Passanten nicht hinschauen und zieht sich provokanterweise so aus, dass mehr zu sehen ist, als eigentlich nötig. Am besten wirft man sich umständlich in Pose und macht noch ein Foto, während das Baby eigentlich nur in Ruhe stillen mag und postet das in diverse sozialen Netzwerke, mit dem Titel, man stille in der Öffentlichkeit,  warum gucken alle, das ist doch normal.
Nun, das finde ich nicht.
Warum so provokativ? Warum das Thema noch zusätzlich negativ belasten?
Durch solch ein Verhalten wird es niemals akzeptiert werden.
Bevor jetzt schon die Moralkeulen der Hardcorestillverfechter gegen mich erhoben werden, ich verlange nicht, dass man sein Kind mit einer Decke abdecken soll, es soll sich wohlfühlen und Augenkontakt mit der Mutter haben dürfen, soweit diese nicht damit beschäftigt ist eine perfekte Pose für ihr Stillselfie zu finden, statt sich die paar Minuten nur auf ihr Kind zu konzentrieren. Klar dass geguckt wird und geredet wird, wenn man sowas beobachtet. Ich würde auch nie auf die Toilette gehen, um zu stillen, ich stille dort, wo ich gerade bin, sei es am Tisch im Café,  auf der Parkbank mitten unter Leute, egal wo und kein Mensch schaut mich irgendwie schief an.
Jede Frau kennt die Technik mit dem Top unter dem Oberteil, welches man dann zum Stillen runterschiebt und das Oberteil dann hochzieht. Somit liegt nicht die ganze Brust plus Dekolleté frei, sondern nur ein kleiner Teil. Geht mit großen und kleinen Oberweiten. Es gibt auch genügend stilltaugliche Oberteile mit seitlichen Schlitzen oder Wickelausschnitt. Es gibt schöne Schals, die auch einiges bedecken, ohne das Baby zu stören, damit es in Ruhe trinken kann, ohne dass es von fremden Blicken und der dazugehörigen Reaktion der Mutter gestört wird.
In erster Linie geht es doch genau darum, dass die Babys in Ruhe trinken können, ohne dabei begafft zu werden, das beinhaltet für mich aber auch, dass stillende Mütter keinen absichtlichen und provokanten Eiertanz aufführen, sobald sie mit dem Stillen anfangen und somit alle Blicke auf sich ziehen.

Stillende Frauen wollen in der Öffentlichkeit akzeptiert werden, das geht aber nur, wenn sie sich auch dementsprechend benehmen. Viele stillen diskret, so dass es meist nicht mal auffällt. Jedoch die, die daraus eine Show machen und man quasi gezwungen ist hinzuschauen, die sind daran Schuld, dass das Stillen nicht die Akzeptanz bekommt, die es eigentlich haben könnte. Ein Schritt vor, zwei zurück quasi. Ich finde es super, dass dafür gekämpft wird, aber einige schießen in ihrer Selbstprofilierung einfach übers Ziel hinaus und machen die zarten Keime, hart erkämpfter Erfolge zunichte.

Musste mal gesagt werden. Ich geh jetzt mein Kind stillen.

...von den ersten letzten Malen.

Der erste Geburtstag steht an, der letzte erste Geburtstag, da wir als Familie komplett sind und kein Baby mehr geplant ist.
Der erste Geburtstag, ein Meilenstein.
Klar es ist eigentlich nur ein Datum und auch wenn das Babymädchen am Tag nach ihrem Geburtstag noch immer das selbe Mädchen sein wird, ist sie rein entwicklungstechnisch kein Baby mehr, sondern ein Kleinkind.
So anstrengend die Babyzeit auch manchmal war, so wunderschön war sie auch. Ich möchte sie auf gar keinen Fall missen.
Ich schaue mit einem weinenden Auge zurück auf die Babyzeit, ein Jahr voller riesen Entwicklungssprünge, vom Minibaby zum Menschen mit starkem Charakter, die versucht die Welt selbstständig zu erforschen. Aber schaue auch mit einem lachenden Auge in die Zukunft, es stehen uns noch so viele tolle Momente bevor, die man nicht damit trüben sollte, dass man der Vergangenheit nachtrauert.
Und trotzdem wird es mir fehlen, ein kleines Baby, die wachen Nächte,  das viele Singen, damit sie in den Schlaf findet, das Kuscheln und auf meinem Bauch liegen einschlafen, das Tragen, das Stillen, die ersten Zähne,  die ersten Drehungen, die ersten Krabbelversuche und Schritte. Vielleicht ist es so intensiv, da ich weiß,  dass es das letzte Mal ist.
Gerade kommt sie auf mich zu und will auf meinen Arm, genieße diesen Moment,  irgendwann wird  es auch das letzte mal sein, dass sie auf meinen Arm will.

Dienstag, 5. Januar 2016

Die Sache mit den Vorsätzen...


Ich bin kein Freund von guten Vorsätzen fürs neue Jahr. Seien wir mal ehrlich, man macht sich eine Liste, ob nun eine echte oder einfach im Gedanken und nimmt sich dann diese Dinge für das Neue Jahr vor. Meist bricht man den ersten Vorsatz am Neujahrstag, einfach, weil man nicht daran gedacht hat. Die Zeit war also noch nicht reif, man selbst war nicht bereit dazu. Am Ende des Jahres denkt man an die gute Vorsätze zurück und plötzlich ist es da, dieses unschöne Gefühl, nichts oder nur wenig von seinen Vorsätzen umgesetzt zu haben. Nicht wirklich eine Motivation.

Wenn mir etwas auffällt, was ich an mir oder meinem Leben ändern mag, dann mache ich das nicht zu einem Vorsatz für das neue Jahr, ich setze es sofort um oder gehe die Sache an und genauso wenig sitze ich am Silvesterabend vor einem Blatt Papier und versuche unbedingt einen Vorsatz zu finden, den ich für das neue Jahr umsetzen kann.

Das letzte Jahr war tubulent. Direkt Anfang des Jahres kam das Babymädchen zur Welt und somit wuchsen wir zu einer fünfköpfigen Familie heran. Was das für mich bedeutet habe ich im Laufe des Jahres erst wirklich begriffen. Wieviel Arbeit es macht ein Kind im Teenagealter, ein Kleinkind und ein Baby zu haben. Jedes braucht Aufmerksamkeit, jedes hat andere Bedürfnisse und diese wollen irgendwie gestillt werden.
Ich habe es nicht sofort gemerkt, es ist ein schleichender Prozess, aber unter der Last, allen Kindern irgendwie gerecht zu werden, dem Haushalt und dem täglichen Wahnsinn, habe ich mich Stück für Stück selbst verloren. Immer ein bisschen mehr.
So sah ich in den Spiegel und sah nicht mehr mich, ich sah die Mama von den Mädchen,  die Frau vom Mann, die, die hier alles organisiert und macht. Aber bin ich nicht viel mehr als das? Wo ist das alles hin und wie bekomme ich es zurück?
Ich fühle mich ein wenig leer, ausgebrannt möchte ich nicht sagen, eher hab ich mich im Alltag selbst verloren und weiß nicht, wie ich mich wiederfinden kann. Aber dieses Ich ist noch da und will wieder zum Vorschein kommen, wir finden uns nur nicht.
Der Alltag ist anstrengend, an manchen Tagen mehr an manchen weniger und oft gehen meine eigenen Bedürfnisse verloren und ich sitze dann am Ende des Tages da und frage mich, ob das nun für immer so sein muss.
Nein muss es nicht, ich habe es ja selbst in der Hand, dies zu ändern.
Ich bin nicht unzufrieden mit meinem Leben, wir lachen viel, wir sind, bis auf die paar Erkältungen im Jahr, eine gesunde Familie und wir haben ganz tolle Freunde und Familie auf die wir zählen können.
Nein ich mag mein Leben sogar, nur kommt es mir so vor, als würde ich stehenbleiben, während alle an mir vorbeiziehen. Ich stehe da, den Kopf voller Ideen, die gerne raus wollen, finde aber einfach nicht die Zeit dazu und habe ich mal Zeit für mich, sitzt mir die Panik im Nacken, dass gleich was dazwischen kommt und dann wird alles halbherzig und schnell erledigt statt diese Ideen und die Zeit auszukosten und zu genießen.
Traurig zurückschauen hilft nichts, ich bin nicht mehr die Frau, die ich mal war und die werde ich nicht mehr sein, Menschen verändern sich einfach, wenn sich die Lebensumstände ändern. Also nach vorne schauen, im jetzt leben und dann?

Für dieses Jahr habe ich also einen Vorsatz, ich habe ihn, da ich wieder mehr ich sein mag, nicht nur Mama von Kindern und Frau von Mann. Ich will mich mehr um mich selbst kümmern, meine Seele pflegen. Ich will das kreative Chaos in meinem Kopf ordnen und es heraussprudeln lassen, malen, stricken, nähen, basteln. Mit den Kindern hinaus in die Welt und alles erkunden. Die Neugierde am Leben neu erwecken. Ich will mir Zeit für mich selbst geben. Mein Leben besser organisieren. Lernen nein zu sagen, wenn mir etwas zu viel wird, anstatt ja zu sagen, da ich niemanden enttäuschen möchte, denn am Ende enttäusche ich doch jemanden, nämlich mich selbst.
Nur wer mit sich selbst im Reinen ist kann sich und anderen Menschen Freude bringen. Nach einem Jahr des Zurücknehmens ist es Zeit wieder mehr für mich selbst zu tun, Dinge zu machen, die mir Spaß bereiten und mich somit wieder zu mir selbst finden lassen.

Ich freue mich auf dieses Jahr, ein Jahr voller neuer Tage, die darauf warten gefüllt zu werden, mit Erinnerungen, Lachen und Leben.

Und nun frohes neues Jahr euch allen.