Mittwoch, 30. Dezember 2015

Kaiserlich geboren

Ich muss sagen, mir gefällt die Wendung, die ich bei Frauen in meiner Umgebung und sozialen Netzwerken mitbekommen habe.
Sie beschäftigen sich mehr mit einer selbstbestimmten Geburt, wollen mehr Natürlichkeit in Schwangerschaft, Geburt und Erziehung bringen. Das Stillen wird mehr thematisiert, man bekommt einfacher Hilfe, wenn man sich dafür entscheidet, es aber alleine nicht problemlos schafft. Selbst Krankenhäuser bekommen Prädikat Stillfreundlich und geben sich Mühe den Müttern das Stillen ans Herz zu legen.
Wunderbar.
Andererseits wird die natürlichste Form der Geburtshilfe, die Hebamme, immer mehr aus dem Bereich herausgedrängt, man macht ihnen das Leben bzw. die Chance ihren Beruf auszuüben schwer.
Viele Frauen stehen für die Hebammen ein, es werden Petitionen und Aufrufe zur Demonstration gestartet. Finde ich toll, dass Frauen dies tun, Hebammen sind ein wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft und unverzichtbar für Frauen während der Schwangerschaft, der Geburt und darüber hinaus.
Die Kehrseite der Medaille ist, dass Ärzte oft verteufelt werden, die natürliche Geburt in den Himmel gehoben und eine Geburt, bei der ein Arzt das Kind mit Hilfe von Skalpell zur Welt bringt, immer negativ bewertet wird.
Die Zahlen steigen, wo Babys im OP geboren werden und dies möchte ich nicht schönreden, doch als Frau, die ihre Babys nur auf diese Weise zur Welt bringen konnte möchte ich einfach mal was dazu loswerden.
Ich schreibe vom Thema Kaiserschnitt, dem medizinisch notwendigen Kaiserschnitt.

Für viele Frauen bricht eine Welt zusammen, wenn sie in der Schwangerschaft erfahren, dass sie wohl per Kaiserschnitt ihr Kind zur Welt bringen müssen. Ist es doch eine schwere Operation und birgt viele Risiken für Mutter und Kind. Hier meine Erfahrungen.

Mein erster Kaiserschnitt-Mein Alptraum.
(Frauen, die vielleicht selbst gerade schwanger sind und sensibel reagieren, sollten diese Passage einfach auslassen und bei der nächten Passage weiterlesen.)
Als ich vor fast 17 Jahren erfuhr, dass meine Erstgeborene, wegen einem misstand meines Beckens (zu enges Becken) per Kaiserschnitt geboren werden sollte, konnte ich mir darunter erstmal nichts vorstellen. In meiner naiven Teeniewelt hieß das nur, dass ich keine Geburtsschmerzen erleiden würde. Was habe ich mich da getäuscht.
Als eines Nachts die Wehen losgingen und ich ins Krankenhaus gebracht wurde, an einen Wehenhemmer kam und mir offenbart wurde, dass ich die Nacht nun abwarten und am Folgetag operiert werden würde, war ich heillos überfordert. Ich weiß nicht, ob sie mich nicht über die Operation aufgeklärt haben, weil sie dachten, so ein junges Mädchen verstehe es sowieso nicht oder ob sie es nicht taten, weil sie einfach unmenschlich und gemein waren. Nach einer schlimmen Nacht in der ich durch den Wehenhemmer ziemlich aufgekratzt und hibbelig aus dem Bett fiel und mich mehrfach übergeben musste, bis ich im Badezimmer zusammenbrach und dort auf den kalten Fliesen lag, bis mich jemand fand und wieder ins Bett brachte, ohne Worte, als sei ich ein Stück Fleisch, hätte ich eigentlich wissen müssen,  dass es nicht besser werden würde.
Am morgen gabs ein OP Hemdchen, eine Haube und die Kompressionsstrümpfe, die wir ja alle aus dem Krankenhaus kennen. Sowas hatte ich noch nie angezogen, schon gar nicht mit dicken Bauch, jetzt musste ich es.
Ich wurde auf meinem Bett zum OP gefahren, dann nahm man mir die Decke weg, ich sollteauf eine Liege aus Metall rutschen und dort wartete ich dann, kalt, zitternd, ängstlich und allein. Ich bat um die Decke, denn es schien noch etwas zu dauern, aber wieder redete niemand mit mir, man beachtete mich einfach nicht. Panik stieg in mir auf und Tränen stiegen mir in die Augen. Nackt und kalt lag ich dort und dauernd liefen Pfleger und Schwestern und andere fremde Menschen an mir vorbei.
Endlich ging es weiter, ich wurde in das grelle Zimmer gefahren, wo mein Baby endlich kommen sollte. Schwupps hatte ich eine Nadel im Arm, eine Maske im Gesicht und alles wurde schwarz.
Aufgewacht bin ich in "meinem" Zimmer, lauter Menschen um mich herum, die auf mich einredeten, doch ich verstand nicht was sie wollten, ich hatte einfach nur Schmerzen.
Man hatte mir einen "Sandsack" auf den Bauch gelegt, der aber mit einer Spitze direkt in die Wunde bohrte und es war nicht auszuhalten, ich weinte, keiner kapierte warum. Mir wurde ein Baby präsentiert, komplett in Frottee gekleidet, nach Babyseife duftend, das sei mein Baby. Ich wollte es erst nicht glauben, der Bauch war ja noch da. Sie wurde mir zum Füttern gebracht und direkt wieder genommen, keine Zeit für Bonding, ich dachte das sei normal so.
14Tage lagen noch vor mir, bevor ich nach Hause durfte, die Wunde war schon gut am Heilen, die Seelischen jedoch klafften tief.
Zuhause sollten sie dann heilen, mit Hilfe des kleinen Mädchens,  welches ich ängstlich aber voller Liebe im Arm hielt. Und sie heilten, nach und nach. Kleine Narben spürt man jedoch bis heute. Länger als die Geburtsstation, die gibt es schon lange nicht mehr, sie wurde geschlossen.

Mein zweiter Kaiserschnitt- Die Versöhnung
Hier können auch sensible Mamas weiterlesen.
Zwölf Jahre nach der Geburt meines ersten Kindes sollte es wieder passieren, ich war schwanger und da das Baby quer lag wurde es auch wieder ein Kaiserschnitt.
Ich hatte ein wenig Angst, der letzte Kaiserschnitt hing mir noch in den Knochen, doch diesmal gab es ein Vorgespräch. In einem anderen Krankenhaus, denn im anderen Krankenhaus war wie schon geschrieben, die Geburtsstation geschlossen worden. Ich durfte alle meine Fragen stellen, was da genau passiert, mit mir, mit dem Baby.
Die Angst wurde weniger. Bis zum Tag X.
Ich musste früh in der Klinik sein, CTGs wurden geschrieben, mir wurde in die OP Kleidung geholfen, dann gings ab in den OP Saal, mit Decke, es war mir nicht einen Moment kalt.
Der Anästhesist ist mir bis heute als einer der liebsten Menschen in Erinnerung geblieben, er hielt mich fest während man die Spinalanäthesie setzte und streichelte mir über den Kopf und strich damit alle Angst davon. Ich war in guten Händen, da war ich mir sicher.
Und das war ich auch.
Der Heldenpapa war dann auch mit im Saal, direkt neben meinem Kopf. Ich sah ihm in die Augen und wusste, mir passiert nichts.
Die Ärzte erzählten lustige Geschichten, das kleine Mädchen wurde geboren und mir direkt gezeigt.
Das Gefühl als man sie aus mir heraushob war wie wenn einem eine riesen Last abgenommen wird, nur war nicht das Baby die Last, mit ihr verließen alle meine Ängste,  Wut und Verzweiflung des vorherigen Kaiserschnittes meinen Körper.
Ich war versöhnt, ich war geheilt.
Das kleine Mädchen durfte immer bei mir bleiben, ich durfte mit zu den Untersuchungen, ich ließ sie nicht aus den Augen, ich war so glücklich. Die Hebammen waren eine tolle Unterstützung und halfen mir die ersten Tage.
Das Stillen klappte und nach 5 Tagen durften wir nach Hause.

Mein dritter Kaiserschnitt- Die selbstbestimmte Geburt
Zweieinhalb Jahre nach der letzten Geburt wurde ich wieder schwanger.
Diesmal war alles anders. Das Babymädchen hatte es ziemlich eilig und wollte schon nach 32 Wochen ganz plötzlich raus. Eine Woche im Krankenhaus, Wehenhemmer und Lungenreife waren das Ergebnis, ich war verunsichert. Der Arzt sagte, so klein wie sie noch ist, wäre eine vaginale Geburt machbar, sollte sie aber nach der 38. Woche kommen, wäre wieder ein Kaiserschnitt nötig. Ich wollte ein gesundes Kind, welches so lange wie möglich in meinem Bauch brüten sollte. Durch absolute Ruhe, soweit man diese mit zwei weiteren Kindern überhaupt haben kann, haben wir es bis zum Geburtstermin geschafft. Meine Erstgeborene war eine riesen Unterstützung und hat viele Aufgaben erledigt, die ich nicht konnte und sich dabei erstklassig in der Schule gemacht, sowas macht eine Mama stolz.
Dann war der Tag gekommen, wir sollten unser Baby kennenlernen, wir haben bis zur letzten Sekunde geraten, was es denn werden könnte und es war wieder ein Mädchen, ein wunderschönes Babymädchen mit dunklen lockigen Haaren und strahlend blauen Augen.
Das Ärzteteam und die Anästhesisten waren wieder richtig toll, ich fühlte mich gut aufgehoben und hatte keine Angst. Ich hatte dank der letzten Geburt ein gutes Gefühl und wusste was auf mich zukommt, doch es sollte noch besser werden.
Der Kaiserschnitt war eine Kaisergeburt, ich durfte sehen, wie sie geboren wurde, es wurde dafür der OP Schutz weggezogen, ich durfte sehen, wie mein Baby auf die Welt kam, ein wunderbares Erlebnis, welches mir zuvor vergönnt war. Direkt darauf wurde sie mir auf die Brust gelegt, während man mich wieder zusammenflickte. Die ersten Momente mit ihr waren so unwirklich, zauberhaft, das, was ich mir immer gewünscht hatte.
Der Heldenpapa übernahm dann das Babymädchen, als es mir zu ruckelig wurde und ich lieber das Nähen ohne Baby auf der Brust haben wollte, doch direkt danach kam sie wieder zu mir und das Stillen klappte von ganz alleine, eine Hebamme beobachtete das erste Anlegen und lachte fröhlich, bei uns beiden müsse sie nicht dazwischenfunken, das klappe wie am Schnürchen.
Große Liebe. Nach 4 Tagen sind wir nach Hause.


Viele Frauen hören das Wort Kaiserschnitt und sofort kommt ihnen das Wort Versagen in den Kopf. Ich habe nicht versagt, ich habe drei wunderbare Mädchen auf die Welt gebracht, zwar nicht auf die, von der Gesellschaft bevorzugten Art, aber diese war mir einfach nicht möglich. Ich habe keine Gefühle des Versagens in mir, denn ich habe mein Bestes gegeben, wie jede andere Mutter auch, egal wie sie ihr Kind zur Welt gebracht hat.
Es ist gut, dass es Kaiserschnitte gibt, denn manchmal sind sie einfach notwenig.
In dem Moment, in der Situation ist der Kaiserschnitt die bessere Lösung, die einzige Lösung für Mutter und Kind gesund die Geburt zu überstehen. Und ist das nicht das Wichtigste?

Alle drei Kaiserschnitte gehören zu mir, vereint und auf mir verewigt als eine kleine, zarte Narbe, die niemand ausser mir wirklich sieht, genau wie die Geschichte dahinter, weshalb es zu einem Kaiserschnitt kommen musste.
Jedes Lebewesen auf der Welt bringt Kinder auf die Welt, aber im Tierreich verenden sie qualvoll, wenn es Komplikationen gibt. Selbst in manchen Teilen der Welt, müssen Frauen sterben, wenn etwas schief läuft bei der Geburt, weshalb ich dankbar bin, dass wir eine so gute medizinische Versorgung haben. Ich bin keine Zweite-Klasse-Mutter, ich bin so gut wie alle anderen Mütter und ich wünsche mir sehr, dass dies auch in den Köpfen vieler anderer Frauen endlich Platz findet.
Schwangerschaft, Geburt, Kindererziehung ist kein Wettstreit, es gibt bei solch einem Verhalten keinen Gewinner, nur Verlierer. Gewinnen kann man nur, wenn man offen bleibt für andere Meinungen, Geschichten und Erfahrungen, denn aus allem kann man lernen.


Samstag, 5. Dezember 2015

Wenn Mama sagt, "ich kann nicht mehr!"


Manche Tage sind anders als andere Tage, etwas geht schief und der ganze Tag verläuft wie in einer dieser Chaoskomödien, als Aussenstehender/Zuschauer kann man dann lachen, aber für die Beteiligten ist es ein Belastungstest.

Wenn der Tag schon mit Tränen beginnt, da das kleine Mädchen keine Schokolade zum Frühstück bekommt und der Kindergarten geschlossen hat, dann kann man durch Ablenkung die Situation meist retten. Gesellt sich aber zu dem Schokidrama ein Babymädchen, welches genau dann lautstark eine Stillmahlzeit einfordert, wird es schon ein wenig komplizierter, aber es ist machbar.
Leider an diesem Tag nicht. Das kleine Mädchen will nicht sitzen beim Essen, springt mit ihrem Brot durch das Zimmer und jagt den Kater. Das Babymädchen hört dies, will was sehen, dabei aber nicht mit dem Stillen pausieren, beisst fest zu und reisst den Kopf herum. Mama schreit vor Schmerz und ja es gibt Körperteile, da wird einem schlecht, wenn man sie bluten sieht, auch wenn es vergleichsweise nur wenig Blut ist. Babymädchen schreit vor Schreck mit.
Das kleine Mädchen war zu übermütig, der Kater wehrt sich, kratzt ihr in die Hand und so stimmt auch sie in unser Schreikonzert mit ein.
Was ein Morgen, es kann nur besser werden. Oder?

Haushalt muss erledigt werden, zuerst Wäsche waschen. Also das Babymädchen ins Tragetuch, Wäsche in die eine Hand kleines Mädchen an die andere und runter in den Keller. Während ich die Wäsche in die Maschine stecke hat das kleine Mädchen schon zwei Maschinen der Nachbarn eingeschaltet. Sie also packen, in den leeren Wäschekorb setzen und behaupten sie müsse auf ihr Boot aufpassen, bevor es davontreibt und schnell die Waschmaschinen der Nachbarn ausschalten. Verstohlen herumgucken, keiner hat was gesehen, man will ja nicht, dass es heißt, man habe seine Kinder nicht im Griff.
Kinder im Griff haben, das kann sowieso nur von Menschen kommen, die entweder keine Kinder haben oder deren Kinder keinen Bewegungs-oder Entdeckerdrang haben, Kinderzombies quasi.
Dann wird gestaubsaugt und geputzt. Da das Babymädchen im Tuch nichts anstellen kann muss ich nur auf das kleine Mädchen aufpassen, diese hat aber Angst vor dem Staubsauger und heult, sie will auf den Arm. Also ab mit ihr auf die Hüfte und weiter mit knapp 25kg Übergewicht.
Während ich den Staubsauger wegräume hat das kleine Mädchen den Inhalt iher Kinderküche auf dem Fußboden verteilt. Das muss wieder weg. Sie bockt, schmeisst sich auf den Boden, tut sich weh und schreit.  Dabei weckt sie das Babymädchen und diese schreit dann mit.
Wer Ohrstöpsel auf ceinem Metalkonzert braucht, würde sich in dieser Situation die Ohren zubetonieren.
Wir gehen raus, Spaziergang mit Umweg über Spielplatz und Supermarkt steht auf dem Programm, es nieselt. Babymädchen schreit, da sie im Wagen sitzen muss, aber der Wagen ist ein Muss, wo soll sonst der Einkauf hin? Kleines Mädchen ningelt, der Regen sei nass und färbe ihre Zöpfe dunkel. Auf dem Spielplatz schnell mal auf ein Schwingauto, aber vorher trockenputzen, sonst wird wegen nassem Popo geweint. Mist kein Taschentuch dabei, nehm ich den Ärmel.
Im Supermarkt läuft alles reibungslos, ich atme auf. Selbst das Babymädchen hat sich beruhigt und schläft. An der Kasse angelangt beginnt jedoch ein Drama, der jeden Oscargewinner vor Neid erblassen lassen würde und das weil sie am liebsten alle Süßigkeiten an den Kassen haben will. Warum tun Läden sowas?
Da läuft man schon im Zickzack durch den Laden, um allen Versuchungen aus dem Weg zu gehen und dann stehen an der Kasse Süßigkeiten, Kindermagazine mit Sammelsticker und körbeweise Kuscheltiere, wie soll man denn das schaffen?
Endlich draußen kommt eine Frau auf uns zu und versucht auf unsympathischer Art und Weise meine Erziehungsmethoden zu analysieren und Alternativen aufzudrücken.  Zum Beispiel dem schreienden Kind doch eine Süßigkeit erlauben, dann schreit es auch nicht. Hat die mal in meinen Wagen geschaut, meint sie etwa ich esse die Kinderriegel und das Überraschungsei?
Ich bedanke mich und denke an Betonstöpsel für meine Ohren, perfekt gegen ungefragte Lebensweisheiten. Wird ein Verkaufsschlager, besser als Süßigkeiten an der Kasse.
Zuhause ist auch schon das große Mädchen von der Schule zurück und beginnt sofort die neusten Neuigkeiten aus Schule und Co zu erzählen. Ich nicke, aber höre eigentlich nur ein breiiges Gebrummel, mein Hirn macht grad eine kleine Pause, während ich dem Babymädchen ein Fruchtbrei fütter.
Bis zum Abendessen blieb es recht ruhig, keine Verletzungen, keine großen Ausraster, nur ein paar kleine Auseinandersetzungen über Spielsachen oder warum man die Couch nicht giessen darf.
Papa ruft an, was er zu Abend kochen soll, er steht im Supermarkt. Meine Ohren summen, mein Gehirn spielt Jingle Bells und um mich herum fliegen Spielsachen vorbei, während Babymädchen versucht sich todesmutig aus dem Hochstuhl zu stürzen. Er wundert sich warum ich keine Idee habe und dazu so unfreundlich und gestresst antworte.
Nach einem kleinen Zwischenfall beim Abendessen, das kleine Mädchen mag keine orangenen Dinge essen und Babymädchen möchte die Tischplatte essen, was einen blutigen Schneidezahn mit sich bringt, geht es ins Bett.
Papa macht das Mädchen bettfertig, das große Mädchen räumt die Spülmaschine ein und ich geh mit dem Babymädchen ins Schlafzimmer und warte drauf, dass sich das kleine Mädchen ihre Gute Nacht Küsse abholt um dann mit Papa Zähne zu putzen mit dem Zahnputzlied. Danach gibts die Raupe Nimmersatt vorgelesen, unter die Decke gesteckt und Licht aus.
Ich leg mich ins Bett, total erledigt. Stille das Babymädchen in den Schlaf, im Hinterkopf, dass sie in spätestens einer Stunde wieder wach sein wird und das Bett auseinander nehmen wird. Kleines Mädchen brüllt sie möchte lieber ein anderes Hörspiel hören und auch noch was trinken, das Ganze macht sie noch einige Male, bissie entweder einschläft oder sich mit Spielsachen in ihrem Bett beschäftigt.
In der Nacht gehe ich nochmal rein um Tinkerbell und Co aus ihren Haaren zu holen. Warum schläft dieses Kind nur, wenn das halbe Kinderzimmer mit im Bett liegt?
Wie süß sie immer da liegt, in ihrem kleinen Bettchen, inmitten von Disneyprinzessinnen, Kuscheltieren, einem riesen Haifisch und ihrem besten Freund Isi, einem abgerockten, zu Tode geliebten Igel.
Nachts, wenn alles im Haus ruhig ist, sitze ich dann da und denke mir, was war das für ein furchtbar anstrengender Tag, manchmal rollt auch ein kleines Tränchen über die Wange, während ich das schlafende Babymädchen übers Haar streichel und mir aber denke, wie froh ich doch sein kann eine gesunde und glückliche Familie zu haben. Ich schaue auf die Uhr, nur noch wenige Stunden, bis der Wecker klingelt. Schnell schlafen.

Solche Tage sind nicht selten, aber auch nicht täglich.  Manchmal haben wir Tage, da weint niemand, es wird nicht gebockt und alles läuft wie am Schnürchen, wir haben aber auch Tage, die sogar noch anstrengender sind, wenn wirklich alles furchtbar schief läuft und wir am Ende des Tages leer und ausgelaugt dasitzen und uns fragen, wie wir den nächsten Tag überstehen sollen. Aber solche sind wirklich sehr selten.

Ich bin sehr dankbar eine so tolle Familie zu haben, die bis auf ein paar Erkältungen im Jahr, gesund und munter ist, ich möchte sich für nichts auf dieser Welt eintauschen und wenn ich mal zum Elternabend oder Beiratssitzungen muss, dann vermisse ich sie und den allabendlichen Chaos sogar.

Oft habe ich schon gehört oder gelesen, wie Leute sagen, dass Frauen, die "nur" Zuhause mit den Kindern sind gar nicht so ausgelaugt sein können, das Gefühl eines drohenden Burnouts nicht haben können, schließlich arbeiten sie nicht.
Solchen Leuten gegenüber empfinde ich nur Mitleid, denn sie wissen nicht was sie sagen. Muttersein ist ein Fulltimejob, unbezahlt, ohne Urlaub, selbst wenn man krank ist muss man 24 Stunden auf Abruf bereit stehen. Diesen Job kann man auch nicht einfach kündigen und will man auch gar nicht, denn man liebt diese Familie und macht es gern. Trotzdem sollten Frauen wissen, dass es kein Versagen ist, wenn sie mal zusammenbrechen und sagen, sie können nicht mehr, sie nach einer Auszeit dürsten und einfach nur mal was für sich machen wollen. Und der Umfeld sollte dies ernst nehmen und nicht belächeln. Frauen die sich eingestehen keine Maschinen zu sein und merken, dass sie an ihren Grenzen angekommen sind haben den ersten Schritt in die richtige Richtung gemacht, denn nur mit Einsicht kann man Wege suchen Alltag so zu gestalten, dass es einfacher wird oder sich Hilfe suchen. Mama sein und seinen Job gut machen ist harte Arbeit und sollte von den Menschen auch anerkannt werden, wir erziehen schließlich die nächste Generation und die soll ja was werden.

Das kleine Mädchen liegt schon still im Bett und das Babymädchen und ich werden jetzt auch ins Bett gehen, ich hoffe sie schläft schnell ein, denn Mama muss ein Bild zeichnen.
Gute Nacht.