Montag, 9. November 2015

Ein halbes Leben...


...so lange bin ich schon Mutter.
Mit 33 sagen das wohl eher wenige Frauen, aber ich kann das sagen, denn als ich den positiven Schwangerschaftstest damals in der Hand hielt, war ich genauso alt wie meine Tochter heute,  naja einige Monate älter, sie ist schließlich erst gestern 16 geworden und ich war schon fast 17.

Oft werde ich gefragt, ob ich die Entscheidung, für das Kind und somit dem sehr jungen Muttersein, bereue. Nein, ich bereue es nicht, ich liebe mein Kind, sie war nicht geplant, aber von ganzem Herzen willkommen, von Anfang an.
Natürlich hatte ich eine große Angst vor dem, was an Verantwortung da in mir heranwuchs und auch die Tatsache, dass ich es alleine schaffen musste machte es mir nicht einfacher, mich so zu freuen, wie es Frauen können, die mit beiden Beinen im Leben stehen. Heute weiß ich, dass auch diese Frauen Ängste haben, halt andere.
Aber ich wußte von Anfang an, dieses Kind ist mein Schicksal und gut gemeinte Ratschläge es abzutreiben und mich um die Schule zu kümmern habe ich lächelnd ignoriert. Noch heute stehe ich zu dieser Entscheidung und würde es nicht anders machen wollen. Ich habe viel im Leben verpasst, sei es die Jugend zu genießen oder mal eine Reise zu machen, aber ich bin ja noch jung, ich kann das alles noch nachholen, zumindest das Reisen.
Die Natur meinte es aber gut mit mir, ich hatte eine einfache und gute Schwangerschaft und mein Baby war ein absolutes Anfängerbaby, sie schlief toll, trank super aus dem Fläschchen und war nie krank, selbst Erkältungen gab es keine, die kamen erst als sie ein Teenager wurde und meinte warme Kleidung sei überbewertet und selbst die kann man an einer Hand abzählen. Ich hatte wahnsinniges Glück.

Nicht in allen Lebensbereichen. Ein Kind ist nunmal kein Gegenstand, den man einfach mal ablegen kann und sich anderen Dingen widmen, wenn einem gerade danach ist. Aus angepeiltem Abitur und Studium wurde ein Abgangszeugnis. Damit eine Lehre zu finden fast unmöglich, vorallem, wenn man auch noch zeitlich eingeschränkt ist.
Ich wollte nie den Vorurteilen einer Teeniemutter entsprechen und tat alles um eine Lehre zu finden, bekam auch eine, jedoch musste ich diese dann abbrechen, nicht aus eigener Schuld, aber das ist ein anderes Thema.
Ich machte ein FSJ und arbeitete auch nebenbei noch in einem Restaurant,  nur um nicht vom Amt abhängig zu sein. Dafür hatte ich kaum Zeit mit meinem Kind und neben dem Ganztagskindergarten musste auch noch eine Tagesmutter bezahlt werden.
Letztendlich kann ich sagen, ich habe immer versucht mein bestes zu geben, ihr alle Wünsche zu erfüllen, irgendwie Zeit mit ihr zu verbringen und aus dieser Teeniemutterschublade draußen zu bleiben.

An Weihnachten, als sie noch sehr klein war und ich deshalb noch nicht arbeiten konnte, war es besonders schlimm für uns. Wir saßen alleine in unserer kleinen Wohnung und schauten der Bilderbuchfamilie gegenüber, durch das große Fenster, bei ihrer Bescherung zu. Klar bekam meine Tochter auch Geschenke, doch fehlte es einfach an dem Drumherum. Und so saßen wir zusammengekuschelt im Dunkeln, am Fenster und schauten der perfekten Familie zu, ich wollte auch so gerne so eine Familie, den Tannenbaum, das warme Licht, den tollen Familienvater und die Großeltern, die sich so toll um ihre Enkel bemühten. Nicht für mich, sondern für mein Kind. Aber wir hatten einander, das war schon ein guter Anfang.

Das alles ist lange her, ich bin erwachsen geworden, mein Kind auch. Wir haben selber einen Tannenbaum, warmes Licht (ich meine damit nicht Zimmerlicht, sondern die warme Atmosphäre, die diese glücklichen Menschen umgeben hat) und den tollen Familienvater, mit den bemühten Großeltern. Nach zwölf langen Jahren Dasein eines Einzelkindes bekam sie sogar vor vier Jahren ihre erste Schwester und vor fast einem Jahr machte das Babymädchen unsere Familie komplett. Ich habe Zeit, mich um die Kinder zu kümmern,  muss nicht von einem Job zum anderen sprinten und die Teeniemutterschublade und die Menschen, die mich dort hineinstecken wollten sind verblasst, genau wie meine Angst davor.

Das erste Kind hat immer einen besonderen Stellenwert im Herzen einer Mutter, besonders, wenn es so eine Geschichte hat wie bei uns, ich liebe sie unendlich und gegen kein Studium oder Traumberuf würde ich sie eintauschen. Ich verzichte gerne, wenn ich sehe, was für ein tolles Mädchen bzw junge Frau aus ihr geworden ist. Und irgendwann ist auch das kleinste Mädchen groß und dann hab ich Zeit mich um mich zu kümmern, bin ja schließlich noch jung.

Samstag, 7. November 2015

Christkind oder Weihnachtsmann?


Weihnachten, ich liebe es.
Das war nicht immer so, nein ich war sogar mal ein richtiger Grinch* und habe jedem das gezeigt.
Das änderte sich aber, als ich anfing mich wegen Weihnachten nicht mehr so zu stressen, es nicht mehr jedem recht machen zu wollen und das Fest mit denen zu Feiern, um die es eigentlich geht, denen, die man liebt.
Ich möchte ein wenig über umser Weihnachtsfest erzählen und darüber, wie ich die Weihnachtsgeschichte ein wenig verändert habe.

Die Weihnachtsvorfreude fängt bei mir schon ziemlich früh an, nämlich sobald die ersten Dominosteine und Lebkuchen und Spekulatius im Laden zu finden sind. Dann fange ich an bei Pinterest nach Ideen zu suchen, während andere noch den Sommer genießen.  Ja ich bin da ein wenig verdreht, aber ich mag diese Zeit einfach so gerne.

Im November wird die Sache dann konkreter und ich fange an zu planen, wen wir wann besuchen oder wer zu uns kommt, die Geschenke für die Kinder, Dekorationsideen und ich fange an weihnachtliche Filme zu schauen. Man hört mich auch ziemlich oft ab November Weihnachtslieder singen, obwohl Jingle Bells singe ich ja das ganze Jahr, keine Ahnung warum, das war schon immer so.

Weihnachten bedeutet für mich Familienzeit, es ist die Zeit im Jahr, wenn der Mädchenpapa einige Tage am Stück frei hat und wir ganz viel Familienzeit genießen.
Das ist übers Jahr verteilt nicht so oft und deshalb für uns etwas ganz besonderes.
Ausserdem bedeutet es gutes Essen, in Beisammensein von Menschen die wir lieb haben und mit ihnen das vergangene Jahr nochmal passieren zu lassen.

Für Kinder ist Weihnachten etwas ganz besonderes, sie spüren den Zauber der Weihnachtszeit nochmal ganz anders als wir Erwachsenen, doch wenn man Kinder hat undsich dadafür offen zeigt, wird man nochmal von diesem kindlichen Zauber angesteckt und mitgerissen.
Als Kind hatte ich ein ganz besonderes Erlebnis, welches ich noch heute ganz wundervoll finde. Ich wurde in der Nacht zu Weihnachten wach und ging hinunter ins Wohnzimmer. Als ich dir Tür öffnete ergoss sich warmes Licht über mein Gesicht und ich sah für diesen kurzen Moment die Weihnachtswerkstatt mit ihren Helfern. Ja ich hatte viel Fantasie als Kind und ich weiß,  dass dort nur meine Eltern, Großeltern und Tanten die Geschenke für uns Kinder eingepackt haben, aber in dem ganz besonderen Moment sah ich es eben anders. Meine Fantasie fügte Weihnachtsmusik dazu und dass die Erwachsenen Wichtelanzüge trugen. Als ich entdeckt wurde und wieder hoch in mein Zimmer ging, hatte ich ein ganz tolles Gefühl im Bauch, als hätte ich etwas besonderes gesehen, was nicht jedem zuteil wird. Dieses Gefühl mag ich auch meinen Kindern ermöglichen.

Zu uns kommt das Christkind am Morgen des ersten Weihnachtstages, traditionell,  wie in meiner Heimat England. Den Heiligabend nutzen wir als Familienabend, mit gutem Essen und Weihnachtsfilmen, die wir jedes Jahr wieder schauen.
Da das kleine Mädchen wissen wollte, wer der bärtige Mann im roten Anzug ist und was dieser mit Weihnachten zu tun hat, musste ich mir etwas einfallen lassen, weshalb zu manchen das Christkind und zu anderen der Weihnachtsmann kommt. Die Antwort brachtemir das kleine Mädchen mit ihrer nächsten Frage, nämlich wieso das Christkind als Kind alleine ohne Mama draussen sein darf in der Nacht und wie es das denn schafft, jedes Kind auf der Welt aufzusuchen.
Unser Christkind kommt nicht alleine, es kommt in Begleitung vom bärtigen Mann im roten Anzug, dem Weihnachtsmann. Dieser hilft dem Christkind, damit alle auf der Welt die Geburt des Christkindes zusammen feiern können.
Jetzt denken bestimmt welche, dass ich spinne, so in der Weihnachtsgeschichte herumzupfuschen, aber hey, es geht an Weihnachten nicht um Geschenke oder WER die Geschenke bringt, es geht um Nächstenliebe, die Besinnung an das Wichtigste im Leben, die Liebe und  die Familie, da finde ich, kann man meine Veränderung der Weihnachtsgeschichte ein wenig verzeihen, für uns ist es perfekt so. Wir sind keine strengen Christen sondern weltoffen und möchten,  dass unsere Kinder zwar die christliche Bedeutung des Festes kennen, jedoch nicht durch den Weihnachtsmann verwirrt werden und das haben wir so gut lösen können.
Ich hoffe sogar, dass meine Kinder diese Geschichte so später auch für ihre Kinder verwenden und wir somit eine eigene kleine Tradition bzw Weihnachtsgeschichte begonnen haben.
Die eigentliche Weihnachtsgeschichte bleibt jedoch unverändert und wird dieses Jahr zum ersten Mal vorgelesen und ein Krippenspiel möchte ich mit den Mädchen besuchen, wenn es hier eins gibt.
Zudem möchte ich eine Krippe mit ihnen zusammen bauen, um die Weihnachtsgeschichte etwas bildlicher werden zu lassen.

Am Abend legen wir einen Teller Kekse und ein Glas Milch für den Weihnachtsmann auf den Esstisch, denn der alte Mann braucht eine Stärkung, wenn er das Christkind unterstützt, eine Karotte fürs Rentier ist auch dabei, dann geht es ab ins Bett.
Wenn die Kinder schlafen legen wir die Geschenke unter den Baum und schauen noch einen Weihnachtsfilm und ich lege eine kleine magische Spur vom Christkind.
Am Morgen des ersten Weihnachtstages, wenn wir wach sind und ins Wohnzimmer gehen entdeckt das kleine Mädchen diese Spur, es sind kleine, goldene Fußabdrücke von der Balkontür zum Weihnachtsbaum, daneben große, dunkle Stiefelspuren vom Weihnachtsmann, der auch seine Kekse und seine Milch zu sich genommen hat. Dies war letztes Jahr für sie sogar interessanter als die Geschenke, was mich sehr berührt hat.
Sie spürt den Zauber.

Ab dann geht es Verwandte und Freunde besuchen, wofür die Zeit sonst einfach immer fehlt und deshalb eher selten vorkommt. Oder sie kommen zu uns.
Ich genieße diese Zeit sehr und sobald sie vorbei ist also an Neujahr, kann ich es kaum erwarten, dass es wieder von vorne beginnt.

Das große Mädchen ist aus dem Alter raus, wo man an den Weihnachtsmann glaubt, aber unterstützt uns tatkräftig, es dem kleinen Mädchen und nun auch dem Babymädchen zu ermöglichen, an diesen Zauber zu glauben, was ich wirklich schön von ihr finde.

Wie feiert ihr Weihnachten und wer kommt zu euch? Erzählt mal!

Ich wünsche allen eine schöne Vorweihnachtszeit.
 



*Grinch, der grüne, pelzige Weihnachtshasser, der versucht Weihnachten zu zerstören.