Mittwoch, 15. Juli 2015

Es gibt keinen Ersatz für Hebammen.


In einem Moment der Angst, der Panik und der Hilflosigkeit war sie für mich da.
In einem Moment, wo mir weder ein Arzt zur Verfügung stand, noch eine Krankenkasse meine Fragen beantworten konnte.
Sie nahm mir die Angst, gab mir Zuversicht und ebnete somit meinen Weg eine selbstbestimmte, glückliche und gute Mutter zu sein, meine Hebamme.

Zur Zeit sieht es schwarz aus für Deutschland und die Hebammen, die hier praktizieren, ihnen wird es schwer bis unmöglich gemacht ihren Beruf auszuüben und somit wird es Schwangeren und jungen Müttern schwer gemacht, eine selbstbestimmte Schwangerschaft und Geburt zu erleben und eine kompetente Ansprechpartnerin in Sachen Schwangerschaft, Entbindung und Babypflege zu haben.
Wir brauchen unsere Hebammen!

Hier ein Brief einer Hebamme, die durch ihre erste Schwangerschaft, die Situation aus der Sicht einer Schwangeren und einer Hebamme sieht und ihre Gedanken gerne teilen mag:

-Es vergeht für mich als Hebamme kein Tag, an dem ich nicht gefragt werde, ab wann ich denn arbeitslos bin oder „wie das ist mit der Versicherung". Oder mal so Kommentaren wie „haben wir früher auch nicht gebraucht".

Wie geht man damit um?

Eigentlich geht's mir gut. Ich arbeite nur zu einem sehr kleinen Teil freiberuflich und bin über eine Versicherung versichert, die bis jetzt noch nicht hat verlauten lassen, dass sie aussteigt. Das heißt für mich, dass ich weiterhin Schwangere betreuen kann, Frauen im Wochenbett besuche und weiterhin Kurse gebe.

Allerdings kommt eine Besonderheit dazu: ich bin schwanger. Natürlich plant man, als Hebamme, also ich zumindest, seine Schwangerschaft und Geburt mindestens genauso traumhaft wie seine eigene Hochzeit. Damit stehe ich jetzt vor denselben Problemen wie 1000 andere Schwangere im Deutschland. Für mich steht seit dem positiven Test fest, wo das Kind geboren werden soll: zu Hause - in meiner Vertrauten Umgebung, bestens begleitet durch meinen Mann und ZWEI HEBAMMEN (Wo gibt's das schon?) in der 7.SSW habe ich dafür die letzte Hebamme im Main-Kinzig-Kreis angerufen die noch Hausgeburten betreut - und Glück gehabt. Der Termin fällt in den November, der Oktober ist schon voll sagt sie.

Mit der Zusage für eine Hausgeburt, habe ich dasselbe ominöse tolle Gefühl, wie wenn dein Schwarm dich mit zum Schulball nehmen würde. Ein kleiner Wehmutstropfen schwingt natürlich mit. Der GKV Spitzenverband möchte gerne einen Risikokatalog einführen indem bestimmte Kriterien für die „Zulassung" einer Hausgeburt geregelt sind: Blutungen, Überschreitung des errechneten Termins, etc... in Absprache mit dem niedergelassenen Frauenarzt und der Hebamme... da fehlt mir irgendwie was? Wo bleibt eigentlich die Frau? Die sollte wegen des Sicherheitsrisikos nicht mit in die Entscheidung miteinbezogen werden, zumal sie ja eigentlich nix kann und nix weiß, außer schwanger sein und sich führen lassen... Sollte dieser Katalog eingeführt werden, hängt meine Hebamme augenblicklich alles an den Haken, bedeutet für mich, dass ich mir eine „nette" Klinik suche und dort versuche in Ruhe, mit einer netten Kollegin, mein Kind zu bekommen.

DAS macht mir im Moment mehr Sorgen, als meine eigene Zukunft. Ich glaube nicht an unsere Abschaffung. Warum? Kann ich nicht in Worte fassen. Vielleicht denke ich immer noch, dass Deutschland doch nicht so doof sein kann.

Beflügelt von dieser Zusage zur Hausgeburt bin ich also weiter schwanger. WOW.

Jetzt mache ich mir Gedanken um die Schwangerenbetreuung. Ich treffe mich regelmäßig mit meiner Frauenärztin. Am Anfang ist das doch ganz nett. Wenn man noch keine Kindsbewegungen spürt, tut es gut das kleine „Strampelchen" in schwarz-weiß auf einem Ultraschall zu sehen. Auch mit Untersuchungen lässt sie mich vorerst in Ruhe. Ohnehin sehe ich sie pro Termin ca. 10 min wenn's hochkommt. U - Stixe und Blutruck messen, sowie das Wiegen übernehmen die netten, freundlichen Arzthelferinnen. Etwas was ich im Zuge meiner Schwangerenbetreuung übrigens zu Hause mache, nur ohne Ultraschall, der ist nämlich nur dreimal vorgesehen.

Ab der 16. SSW spüre ich mein Kind ziemlich deutlich. Keine „Blähgefühle" oder „Schmetterlingsflügelschläge" nein. Mein Kind verpasst mir eines Montagabends beim Fernsehen einen deutlichen Tritt. Wahnsinn. Seitdem muss ich lediglich meine Hände auf den Bauch legen oder mit meinem Kind sprechen und bekomme gleich eine „eurithmische" Antwort. Ich mache mir keine Sorgen um Beruf und Politik. Es geht mir blendend.

Ich arbeite zur Zeit nicht mehr, da ich ein Berufsverbot ausgesprochen bekommen habe. Also bin ich schwanger und genieße das in vollen Zügen. Ich hab Zeit für Geburtsvorbereitung und Gymnastik, gehe regelmäßig schwimmen und spazieren.

Dann kommt gestern. Der große 20 Wochen Ultraschalltermin, BabyTÜV, wie mein Mann sagt. Wie mir mein Bauchgefühl schon verraten hat, geht's meinem Baby prima. Liegt schon mit dem Köpfchen nach unten und wehrt sich energisch gegen den Schallkopf. Alles zeitgerecht entwickelt und auf der mittleren Perzentile.

Nachdem Ultraschall geht's um die weitere Terminabsprache. Meine Frauenärztin möchte mich in vier Wochen sehen, zum Zuckertest. Ich habe mich vorher eingehend damit beschäftigt und beschlossen den Zuckertest nicht zu machen. Außerdem möchte ich ab jetzt meine Hebamme sehen, bis zur Geburt.

Da reagiert meine Frauenärztin aufgebracht und beleidigend. Sie wirft mir vor, verantwortungslos zu handeln und meine Kind für den Rest seines Lebens Risiken wie Herzinfarkt und Schlaganfall auszusetzen. Ich bin zwar perplex über die Reaktion, aber ich bleibe standhaft. Argumente möchte sie von mir hören. Die liefere ich ihr nicht, erstens sind sie mir wegen der unerwarteten Abfuhr entfallen und zweitens muss ich das nicht.

Sie gibt mir einen Termin und eine Uhrzeit in 4 Wochen, missachtet damit meinen Wunsch, ab jetzt meine Hebamme zu sehen und wir verlassen die Praxis.

Ich ärgere mich, den ganzen Tag und mache mir Gedanken um mein Handeln. Bis um 9 Uhr war ich nämlich der festen Überzeugung zu 100% das Richtige zu tun. Gegen Nachmittag habe ich mich gefangen, ich beschließe nicht weiter zu meiner Frauenärztin zu gehen. Ich hole mir den Zuspruch von meiner Hebamme, die wie geplant jetzt die restliche Schwangerenbetreuung übernimmt.

Jetzt mache ich mir Gedanken um die Zukunft. Sie sind nicht immer gut. Ich bin Hebamme. Ich bin kompetent. Ich bin aber auch schwanger und werdende Mutter. Fachfrau für meine Schwangerschaft.

Wie soll das denn in Zukunft weitergehen, wenn den Frauen ab positivem Test die Mündigkeit abgesprochen wird? Was für Alternativen hält Deutschland für uns bereit? Wird jede Frau die sich gegen die eine oder andere Untersuchung ausspricht, als verantwortungslos dargestellt?

Muss ich mir weiter anhören, wie mutig ich bin, weil ich mein Kind zu Hause bekommen möchte? Wer steht uns bei solchen Entscheidungen ab nächsten Juli bei, wenn es uns Hebammen nicht mehr außerhalb der Klinik geben soll? Ich glaube immer noch nicht an ein „AUS" ich habe eine gute Hebamme, die genau weiß wie sie mit mir spricht. Sie nimmt mir meine Ängste.

Was passiert wenn wir irgendwann das was, mir passiert ist, als normal ansehen, nur weil es keiner anders kennt oder dir einen Denkanstoß gibt?

Deutschland wach auf. Lass dir Deine Hebammen nicht nehmen!-



Ich möchte mir meine Hebamme selbst wählen, ich möchte den Geburtsort meines Kindes selbst bestimmen, ich möchte den Geburtsverlauf selbst beeinflussen, dafür brauchen wir Hebammen. Sie helfen uns, unsere Wünsche umzusetzen, nun brauchen sie unsere Hilfe.


Und ich möchte meiner Hebamme sagen, wie dankbar ich bin, ihre Unterstützung gehabt zu haben.


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