Samstag, 9. Mai 2015

Von den letzten ersten Malen...

Wenn die Familie komplett ist und man keine weiteren Kinder geplant hat, dann kommt eine Zeit in der man alle Entwicklungen der eigenen Kinder aufsaugen und ganz fest einprägen will. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge, denn man wird sich bewusst, dass dies die letzten ersten Male sind, die man im Bezug auf die kindliche Entwickung erleben darf.
Das erste Lachen, das erste Drehen, Krabbel, Laufen, die ersten Worte, alles will man nicht verpassen und fiebert darauf hin. Und wenn es passiert ist, dann fühlt man das Endgültige, denn nochmal wird man so ein erstes Mal nicht haben.
Zumindest bei mir bestimmte dieses Gefühl die Anfangszeit meines letzten Kindes und somit auch meine Stimmung. Ich war traurig und konnte mich gar nicht freuen, wie bei den anderen beiden Kindern. Ständig traten mir Tränen in die Augen, wenn das Bündel voller Glück vor mir lag und ich diesen trübseligen Gedanken nachhing.
Bis es eines Tages Klick machte. Es gibt so viele erste Male und davon sogar zweite Male und mehr. Warum sich die Freude vermiesen indem man Ereignissen nachtrauert, statt sich darüber zu freuen?
Eigentlich fing es schon in der Schwangerschaft an, bzw. am Ende der Schwangerschaft.
In den vorherigen Schwangerschaften war alles anders. Ich wollte nur schnell den Entbindungstermin erreichen und das Baby zur Welt bringen. Ich war nie gerne schwanger. Übelkeit und andere Schwangerschaftsgebrechen schränkten mich stark ein und ich war weder mit dem sogenannten Schwangerschaftsglow gesegnet, noch konnte ich sorgenfrei die Schwangerschaften genießen. Kaum war die Geburt vorüber, blühte ich in meiner Mutterrolle auf und fühlte mich wohl. Ich verstand nicht warum manche Mütter sagten, dass sie ihre Babykugel vermissen würden. Ich dachte mir dann immer, dass die doch total bekloppt sein müssen. Mehr gewicht, Rückenschmerzen und Unbeweglichkeit. Wer will das denn schon freiwillig?
Heute weiß ich was sie meinen. Diese Nähe zum Baby, man nährt es, streichelt den Bauch, spricht mit dem Baby und spürt die Bewegungen. Es geht nicht um das Physische, sondern um den Zauber der Schwangerschaft. Am Anfang das Ungewisse, das Geheimnis, eine neue Welt entdecken, dann kommen die Ultraschallbilder. Das Baby ist zu sehen und man verliebt sich. Man wird umsorgt und pflegt sich ganz anders, denn man trägt nun für ein Ungeborenes die Verantwortung. Anschließend die Namenssuche, die Ungeduld und Vorfreude auf das süße Wesen und die Tritte. Erst ist es ein zartes Flattern und ein schüchternes Hallo. Doch mit der Zeit werden die Bewegungen definierter und man spürt, ob ein Arm oder Bein gerade drückt. Alles wird begreiflicher, realistischer und so wunderschön.
Und dann die erste Begegnung.
Lange hat man darauf hingearbeitet, ja richtig gefiebert und die Ungeduld hat einen oftmals ziemlich fies auf die Probe gestellt. Aber dann schaut man in dieses kleine, perfekte Gesicht und in die Augen, die einen ruhend anblicken, als würden sie das Universum verstehen. Und doch all unsere Liebe und Fürsorge brauchen, um in dieser Welt sein zu können. Wir wollen es lieben, beschützen und unser Alles geben.
Es ist Liebe, dieser eine kostbare Moment.
Vergessen sind Schmerz, Angst und Ungewissheit, bis die Umwelt wieder in unser Bewusstsein tritt, mit all seinen Fragen und Sorgen. Es ist der perfekte Moment, so schnell vergangen, jedoch im Herzen immer präsent.
Diesen Moment werde ich wirklich nie wieder erleben, aber das ist gut so. Nun gibt es andere Momente. Andere, aber dennoch wunderschöne. Man muss nur die Augen dafür öffnen und sie genießen. Es sind keine letzten ersten Male. Es sind Momente, wunderbare Geschehnisse, die sich tief im Herzen verankern und für immer bleiben. Und ich freu mich auf jedes Einzelne.

Und damit Hallo, ich heiße Nix, bin 32 Jahre, gesegnet mit drei wunderbaren Töchtern und möchte auf diesem Wege Gedanken und Gefühle festhalten.