Mittwoch, 30. Dezember 2015

Kaiserlich geboren

Ich muss sagen, mir gefällt die Wendung, die ich bei Frauen in meiner Umgebung und sozialen Netzwerken mitbekommen habe.
Sie beschäftigen sich mehr mit einer selbstbestimmten Geburt, wollen mehr Natürlichkeit in Schwangerschaft, Geburt und Erziehung bringen. Das Stillen wird mehr thematisiert, man bekommt einfacher Hilfe, wenn man sich dafür entscheidet, es aber alleine nicht problemlos schafft. Selbst Krankenhäuser bekommen Prädikat Stillfreundlich und geben sich Mühe den Müttern das Stillen ans Herz zu legen.
Wunderbar.
Andererseits wird die natürlichste Form der Geburtshilfe, die Hebamme, immer mehr aus dem Bereich herausgedrängt, man macht ihnen das Leben bzw. die Chance ihren Beruf auszuüben schwer.
Viele Frauen stehen für die Hebammen ein, es werden Petitionen und Aufrufe zur Demonstration gestartet. Finde ich toll, dass Frauen dies tun, Hebammen sind ein wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft und unverzichtbar für Frauen während der Schwangerschaft, der Geburt und darüber hinaus.
Die Kehrseite der Medaille ist, dass Ärzte oft verteufelt werden, die natürliche Geburt in den Himmel gehoben und eine Geburt, bei der ein Arzt das Kind mit Hilfe von Skalpell zur Welt bringt, immer negativ bewertet wird.
Die Zahlen steigen, wo Babys im OP geboren werden und dies möchte ich nicht schönreden, doch als Frau, die ihre Babys nur auf diese Weise zur Welt bringen konnte möchte ich einfach mal was dazu loswerden.
Ich schreibe vom Thema Kaiserschnitt, dem medizinisch notwendigen Kaiserschnitt.

Für viele Frauen bricht eine Welt zusammen, wenn sie in der Schwangerschaft erfahren, dass sie wohl per Kaiserschnitt ihr Kind zur Welt bringen müssen. Ist es doch eine schwere Operation und birgt viele Risiken für Mutter und Kind. Hier meine Erfahrungen.

Mein erster Kaiserschnitt-Mein Alptraum.
(Frauen, die vielleicht selbst gerade schwanger sind und sensibel reagieren, sollten diese Passage einfach auslassen und bei der nächten Passage weiterlesen.)
Als ich vor fast 17 Jahren erfuhr, dass meine Erstgeborene, wegen einem misstand meines Beckens (zu enges Becken) per Kaiserschnitt geboren werden sollte, konnte ich mir darunter erstmal nichts vorstellen. In meiner naiven Teeniewelt hieß das nur, dass ich keine Geburtsschmerzen erleiden würde. Was habe ich mich da getäuscht.
Als eines Nachts die Wehen losgingen und ich ins Krankenhaus gebracht wurde, an einen Wehenhemmer kam und mir offenbart wurde, dass ich die Nacht nun abwarten und am Folgetag operiert werden würde, war ich heillos überfordert. Ich weiß nicht, ob sie mich nicht über die Operation aufgeklärt haben, weil sie dachten, so ein junges Mädchen verstehe es sowieso nicht oder ob sie es nicht taten, weil sie einfach unmenschlich und gemein waren. Nach einer schlimmen Nacht in der ich durch den Wehenhemmer ziemlich aufgekratzt und hibbelig aus dem Bett fiel und mich mehrfach übergeben musste, bis ich im Badezimmer zusammenbrach und dort auf den kalten Fliesen lag, bis mich jemand fand und wieder ins Bett brachte, ohne Worte, als sei ich ein Stück Fleisch, hätte ich eigentlich wissen müssen,  dass es nicht besser werden würde.
Am morgen gabs ein OP Hemdchen, eine Haube und die Kompressionsstrümpfe, die wir ja alle aus dem Krankenhaus kennen. Sowas hatte ich noch nie angezogen, schon gar nicht mit dicken Bauch, jetzt musste ich es.
Ich wurde auf meinem Bett zum OP gefahren, dann nahm man mir die Decke weg, ich sollteauf eine Liege aus Metall rutschen und dort wartete ich dann, kalt, zitternd, ängstlich und allein. Ich bat um die Decke, denn es schien noch etwas zu dauern, aber wieder redete niemand mit mir, man beachtete mich einfach nicht. Panik stieg in mir auf und Tränen stiegen mir in die Augen. Nackt und kalt lag ich dort und dauernd liefen Pfleger und Schwestern und andere fremde Menschen an mir vorbei.
Endlich ging es weiter, ich wurde in das grelle Zimmer gefahren, wo mein Baby endlich kommen sollte. Schwupps hatte ich eine Nadel im Arm, eine Maske im Gesicht und alles wurde schwarz.
Aufgewacht bin ich in "meinem" Zimmer, lauter Menschen um mich herum, die auf mich einredeten, doch ich verstand nicht was sie wollten, ich hatte einfach nur Schmerzen.
Man hatte mir einen "Sandsack" auf den Bauch gelegt, der aber mit einer Spitze direkt in die Wunde bohrte und es war nicht auszuhalten, ich weinte, keiner kapierte warum. Mir wurde ein Baby präsentiert, komplett in Frottee gekleidet, nach Babyseife duftend, das sei mein Baby. Ich wollte es erst nicht glauben, der Bauch war ja noch da. Sie wurde mir zum Füttern gebracht und direkt wieder genommen, keine Zeit für Bonding, ich dachte das sei normal so.
14Tage lagen noch vor mir, bevor ich nach Hause durfte, die Wunde war schon gut am Heilen, die Seelischen jedoch klafften tief.
Zuhause sollten sie dann heilen, mit Hilfe des kleinen Mädchens,  welches ich ängstlich aber voller Liebe im Arm hielt. Und sie heilten, nach und nach. Kleine Narben spürt man jedoch bis heute. Länger als die Geburtsstation, die gibt es schon lange nicht mehr, sie wurde geschlossen.

Mein zweiter Kaiserschnitt- Die Versöhnung
Hier können auch sensible Mamas weiterlesen.
Zwölf Jahre nach der Geburt meines ersten Kindes sollte es wieder passieren, ich war schwanger und da das Baby quer lag wurde es auch wieder ein Kaiserschnitt.
Ich hatte ein wenig Angst, der letzte Kaiserschnitt hing mir noch in den Knochen, doch diesmal gab es ein Vorgespräch. In einem anderen Krankenhaus, denn im anderen Krankenhaus war wie schon geschrieben, die Geburtsstation geschlossen worden. Ich durfte alle meine Fragen stellen, was da genau passiert, mit mir, mit dem Baby.
Die Angst wurde weniger. Bis zum Tag X.
Ich musste früh in der Klinik sein, CTGs wurden geschrieben, mir wurde in die OP Kleidung geholfen, dann gings ab in den OP Saal, mit Decke, es war mir nicht einen Moment kalt.
Der Anästhesist ist mir bis heute als einer der liebsten Menschen in Erinnerung geblieben, er hielt mich fest während man die Spinalanäthesie setzte und streichelte mir über den Kopf und strich damit alle Angst davon. Ich war in guten Händen, da war ich mir sicher.
Und das war ich auch.
Der Heldenpapa war dann auch mit im Saal, direkt neben meinem Kopf. Ich sah ihm in die Augen und wusste, mir passiert nichts.
Die Ärzte erzählten lustige Geschichten, das kleine Mädchen wurde geboren und mir direkt gezeigt.
Das Gefühl als man sie aus mir heraushob war wie wenn einem eine riesen Last abgenommen wird, nur war nicht das Baby die Last, mit ihr verließen alle meine Ängste,  Wut und Verzweiflung des vorherigen Kaiserschnittes meinen Körper.
Ich war versöhnt, ich war geheilt.
Das kleine Mädchen durfte immer bei mir bleiben, ich durfte mit zu den Untersuchungen, ich ließ sie nicht aus den Augen, ich war so glücklich. Die Hebammen waren eine tolle Unterstützung und halfen mir die ersten Tage.
Das Stillen klappte und nach 5 Tagen durften wir nach Hause.

Mein dritter Kaiserschnitt- Die selbstbestimmte Geburt
Zweieinhalb Jahre nach der letzten Geburt wurde ich wieder schwanger.
Diesmal war alles anders. Das Babymädchen hatte es ziemlich eilig und wollte schon nach 32 Wochen ganz plötzlich raus. Eine Woche im Krankenhaus, Wehenhemmer und Lungenreife waren das Ergebnis, ich war verunsichert. Der Arzt sagte, so klein wie sie noch ist, wäre eine vaginale Geburt machbar, sollte sie aber nach der 38. Woche kommen, wäre wieder ein Kaiserschnitt nötig. Ich wollte ein gesundes Kind, welches so lange wie möglich in meinem Bauch brüten sollte. Durch absolute Ruhe, soweit man diese mit zwei weiteren Kindern überhaupt haben kann, haben wir es bis zum Geburtstermin geschafft. Meine Erstgeborene war eine riesen Unterstützung und hat viele Aufgaben erledigt, die ich nicht konnte und sich dabei erstklassig in der Schule gemacht, sowas macht eine Mama stolz.
Dann war der Tag gekommen, wir sollten unser Baby kennenlernen, wir haben bis zur letzten Sekunde geraten, was es denn werden könnte und es war wieder ein Mädchen, ein wunderschönes Babymädchen mit dunklen lockigen Haaren und strahlend blauen Augen.
Das Ärzteteam und die Anästhesisten waren wieder richtig toll, ich fühlte mich gut aufgehoben und hatte keine Angst. Ich hatte dank der letzten Geburt ein gutes Gefühl und wusste was auf mich zukommt, doch es sollte noch besser werden.
Der Kaiserschnitt war eine Kaisergeburt, ich durfte sehen, wie sie geboren wurde, es wurde dafür der OP Schutz weggezogen, ich durfte sehen, wie mein Baby auf die Welt kam, ein wunderbares Erlebnis, welches mir zuvor vergönnt war. Direkt darauf wurde sie mir auf die Brust gelegt, während man mich wieder zusammenflickte. Die ersten Momente mit ihr waren so unwirklich, zauberhaft, das, was ich mir immer gewünscht hatte.
Der Heldenpapa übernahm dann das Babymädchen, als es mir zu ruckelig wurde und ich lieber das Nähen ohne Baby auf der Brust haben wollte, doch direkt danach kam sie wieder zu mir und das Stillen klappte von ganz alleine, eine Hebamme beobachtete das erste Anlegen und lachte fröhlich, bei uns beiden müsse sie nicht dazwischenfunken, das klappe wie am Schnürchen.
Große Liebe. Nach 4 Tagen sind wir nach Hause.


Viele Frauen hören das Wort Kaiserschnitt und sofort kommt ihnen das Wort Versagen in den Kopf. Ich habe nicht versagt, ich habe drei wunderbare Mädchen auf die Welt gebracht, zwar nicht auf die, von der Gesellschaft bevorzugten Art, aber diese war mir einfach nicht möglich. Ich habe keine Gefühle des Versagens in mir, denn ich habe mein Bestes gegeben, wie jede andere Mutter auch, egal wie sie ihr Kind zur Welt gebracht hat.
Es ist gut, dass es Kaiserschnitte gibt, denn manchmal sind sie einfach notwenig.
In dem Moment, in der Situation ist der Kaiserschnitt die bessere Lösung, die einzige Lösung für Mutter und Kind gesund die Geburt zu überstehen. Und ist das nicht das Wichtigste?

Alle drei Kaiserschnitte gehören zu mir, vereint und auf mir verewigt als eine kleine, zarte Narbe, die niemand ausser mir wirklich sieht, genau wie die Geschichte dahinter, weshalb es zu einem Kaiserschnitt kommen musste.
Jedes Lebewesen auf der Welt bringt Kinder auf die Welt, aber im Tierreich verenden sie qualvoll, wenn es Komplikationen gibt. Selbst in manchen Teilen der Welt, müssen Frauen sterben, wenn etwas schief läuft bei der Geburt, weshalb ich dankbar bin, dass wir eine so gute medizinische Versorgung haben. Ich bin keine Zweite-Klasse-Mutter, ich bin so gut wie alle anderen Mütter und ich wünsche mir sehr, dass dies auch in den Köpfen vieler anderer Frauen endlich Platz findet.
Schwangerschaft, Geburt, Kindererziehung ist kein Wettstreit, es gibt bei solch einem Verhalten keinen Gewinner, nur Verlierer. Gewinnen kann man nur, wenn man offen bleibt für andere Meinungen, Geschichten und Erfahrungen, denn aus allem kann man lernen.


Samstag, 5. Dezember 2015

Wenn Mama sagt, "ich kann nicht mehr!"


Manche Tage sind anders als andere Tage, etwas geht schief und der ganze Tag verläuft wie in einer dieser Chaoskomödien, als Aussenstehender/Zuschauer kann man dann lachen, aber für die Beteiligten ist es ein Belastungstest.

Wenn der Tag schon mit Tränen beginnt, da das kleine Mädchen keine Schokolade zum Frühstück bekommt und der Kindergarten geschlossen hat, dann kann man durch Ablenkung die Situation meist retten. Gesellt sich aber zu dem Schokidrama ein Babymädchen, welches genau dann lautstark eine Stillmahlzeit einfordert, wird es schon ein wenig komplizierter, aber es ist machbar.
Leider an diesem Tag nicht. Das kleine Mädchen will nicht sitzen beim Essen, springt mit ihrem Brot durch das Zimmer und jagt den Kater. Das Babymädchen hört dies, will was sehen, dabei aber nicht mit dem Stillen pausieren, beisst fest zu und reisst den Kopf herum. Mama schreit vor Schmerz und ja es gibt Körperteile, da wird einem schlecht, wenn man sie bluten sieht, auch wenn es vergleichsweise nur wenig Blut ist. Babymädchen schreit vor Schreck mit.
Das kleine Mädchen war zu übermütig, der Kater wehrt sich, kratzt ihr in die Hand und so stimmt auch sie in unser Schreikonzert mit ein.
Was ein Morgen, es kann nur besser werden. Oder?

Haushalt muss erledigt werden, zuerst Wäsche waschen. Also das Babymädchen ins Tragetuch, Wäsche in die eine Hand kleines Mädchen an die andere und runter in den Keller. Während ich die Wäsche in die Maschine stecke hat das kleine Mädchen schon zwei Maschinen der Nachbarn eingeschaltet. Sie also packen, in den leeren Wäschekorb setzen und behaupten sie müsse auf ihr Boot aufpassen, bevor es davontreibt und schnell die Waschmaschinen der Nachbarn ausschalten. Verstohlen herumgucken, keiner hat was gesehen, man will ja nicht, dass es heißt, man habe seine Kinder nicht im Griff.
Kinder im Griff haben, das kann sowieso nur von Menschen kommen, die entweder keine Kinder haben oder deren Kinder keinen Bewegungs-oder Entdeckerdrang haben, Kinderzombies quasi.
Dann wird gestaubsaugt und geputzt. Da das Babymädchen im Tuch nichts anstellen kann muss ich nur auf das kleine Mädchen aufpassen, diese hat aber Angst vor dem Staubsauger und heult, sie will auf den Arm. Also ab mit ihr auf die Hüfte und weiter mit knapp 25kg Übergewicht.
Während ich den Staubsauger wegräume hat das kleine Mädchen den Inhalt iher Kinderküche auf dem Fußboden verteilt. Das muss wieder weg. Sie bockt, schmeisst sich auf den Boden, tut sich weh und schreit.  Dabei weckt sie das Babymädchen und diese schreit dann mit.
Wer Ohrstöpsel auf ceinem Metalkonzert braucht, würde sich in dieser Situation die Ohren zubetonieren.
Wir gehen raus, Spaziergang mit Umweg über Spielplatz und Supermarkt steht auf dem Programm, es nieselt. Babymädchen schreit, da sie im Wagen sitzen muss, aber der Wagen ist ein Muss, wo soll sonst der Einkauf hin? Kleines Mädchen ningelt, der Regen sei nass und färbe ihre Zöpfe dunkel. Auf dem Spielplatz schnell mal auf ein Schwingauto, aber vorher trockenputzen, sonst wird wegen nassem Popo geweint. Mist kein Taschentuch dabei, nehm ich den Ärmel.
Im Supermarkt läuft alles reibungslos, ich atme auf. Selbst das Babymädchen hat sich beruhigt und schläft. An der Kasse angelangt beginnt jedoch ein Drama, der jeden Oscargewinner vor Neid erblassen lassen würde und das weil sie am liebsten alle Süßigkeiten an den Kassen haben will. Warum tun Läden sowas?
Da läuft man schon im Zickzack durch den Laden, um allen Versuchungen aus dem Weg zu gehen und dann stehen an der Kasse Süßigkeiten, Kindermagazine mit Sammelsticker und körbeweise Kuscheltiere, wie soll man denn das schaffen?
Endlich draußen kommt eine Frau auf uns zu und versucht auf unsympathischer Art und Weise meine Erziehungsmethoden zu analysieren und Alternativen aufzudrücken.  Zum Beispiel dem schreienden Kind doch eine Süßigkeit erlauben, dann schreit es auch nicht. Hat die mal in meinen Wagen geschaut, meint sie etwa ich esse die Kinderriegel und das Überraschungsei?
Ich bedanke mich und denke an Betonstöpsel für meine Ohren, perfekt gegen ungefragte Lebensweisheiten. Wird ein Verkaufsschlager, besser als Süßigkeiten an der Kasse.
Zuhause ist auch schon das große Mädchen von der Schule zurück und beginnt sofort die neusten Neuigkeiten aus Schule und Co zu erzählen. Ich nicke, aber höre eigentlich nur ein breiiges Gebrummel, mein Hirn macht grad eine kleine Pause, während ich dem Babymädchen ein Fruchtbrei fütter.
Bis zum Abendessen blieb es recht ruhig, keine Verletzungen, keine großen Ausraster, nur ein paar kleine Auseinandersetzungen über Spielsachen oder warum man die Couch nicht giessen darf.
Papa ruft an, was er zu Abend kochen soll, er steht im Supermarkt. Meine Ohren summen, mein Gehirn spielt Jingle Bells und um mich herum fliegen Spielsachen vorbei, während Babymädchen versucht sich todesmutig aus dem Hochstuhl zu stürzen. Er wundert sich warum ich keine Idee habe und dazu so unfreundlich und gestresst antworte.
Nach einem kleinen Zwischenfall beim Abendessen, das kleine Mädchen mag keine orangenen Dinge essen und Babymädchen möchte die Tischplatte essen, was einen blutigen Schneidezahn mit sich bringt, geht es ins Bett.
Papa macht das Mädchen bettfertig, das große Mädchen räumt die Spülmaschine ein und ich geh mit dem Babymädchen ins Schlafzimmer und warte drauf, dass sich das kleine Mädchen ihre Gute Nacht Küsse abholt um dann mit Papa Zähne zu putzen mit dem Zahnputzlied. Danach gibts die Raupe Nimmersatt vorgelesen, unter die Decke gesteckt und Licht aus.
Ich leg mich ins Bett, total erledigt. Stille das Babymädchen in den Schlaf, im Hinterkopf, dass sie in spätestens einer Stunde wieder wach sein wird und das Bett auseinander nehmen wird. Kleines Mädchen brüllt sie möchte lieber ein anderes Hörspiel hören und auch noch was trinken, das Ganze macht sie noch einige Male, bissie entweder einschläft oder sich mit Spielsachen in ihrem Bett beschäftigt.
In der Nacht gehe ich nochmal rein um Tinkerbell und Co aus ihren Haaren zu holen. Warum schläft dieses Kind nur, wenn das halbe Kinderzimmer mit im Bett liegt?
Wie süß sie immer da liegt, in ihrem kleinen Bettchen, inmitten von Disneyprinzessinnen, Kuscheltieren, einem riesen Haifisch und ihrem besten Freund Isi, einem abgerockten, zu Tode geliebten Igel.
Nachts, wenn alles im Haus ruhig ist, sitze ich dann da und denke mir, was war das für ein furchtbar anstrengender Tag, manchmal rollt auch ein kleines Tränchen über die Wange, während ich das schlafende Babymädchen übers Haar streichel und mir aber denke, wie froh ich doch sein kann eine gesunde und glückliche Familie zu haben. Ich schaue auf die Uhr, nur noch wenige Stunden, bis der Wecker klingelt. Schnell schlafen.

Solche Tage sind nicht selten, aber auch nicht täglich.  Manchmal haben wir Tage, da weint niemand, es wird nicht gebockt und alles läuft wie am Schnürchen, wir haben aber auch Tage, die sogar noch anstrengender sind, wenn wirklich alles furchtbar schief läuft und wir am Ende des Tages leer und ausgelaugt dasitzen und uns fragen, wie wir den nächsten Tag überstehen sollen. Aber solche sind wirklich sehr selten.

Ich bin sehr dankbar eine so tolle Familie zu haben, die bis auf ein paar Erkältungen im Jahr, gesund und munter ist, ich möchte sich für nichts auf dieser Welt eintauschen und wenn ich mal zum Elternabend oder Beiratssitzungen muss, dann vermisse ich sie und den allabendlichen Chaos sogar.

Oft habe ich schon gehört oder gelesen, wie Leute sagen, dass Frauen, die "nur" Zuhause mit den Kindern sind gar nicht so ausgelaugt sein können, das Gefühl eines drohenden Burnouts nicht haben können, schließlich arbeiten sie nicht.
Solchen Leuten gegenüber empfinde ich nur Mitleid, denn sie wissen nicht was sie sagen. Muttersein ist ein Fulltimejob, unbezahlt, ohne Urlaub, selbst wenn man krank ist muss man 24 Stunden auf Abruf bereit stehen. Diesen Job kann man auch nicht einfach kündigen und will man auch gar nicht, denn man liebt diese Familie und macht es gern. Trotzdem sollten Frauen wissen, dass es kein Versagen ist, wenn sie mal zusammenbrechen und sagen, sie können nicht mehr, sie nach einer Auszeit dürsten und einfach nur mal was für sich machen wollen. Und der Umfeld sollte dies ernst nehmen und nicht belächeln. Frauen die sich eingestehen keine Maschinen zu sein und merken, dass sie an ihren Grenzen angekommen sind haben den ersten Schritt in die richtige Richtung gemacht, denn nur mit Einsicht kann man Wege suchen Alltag so zu gestalten, dass es einfacher wird oder sich Hilfe suchen. Mama sein und seinen Job gut machen ist harte Arbeit und sollte von den Menschen auch anerkannt werden, wir erziehen schließlich die nächste Generation und die soll ja was werden.

Das kleine Mädchen liegt schon still im Bett und das Babymädchen und ich werden jetzt auch ins Bett gehen, ich hoffe sie schläft schnell ein, denn Mama muss ein Bild zeichnen.
Gute Nacht.

Montag, 9. November 2015

Ein halbes Leben...


...so lange bin ich schon Mutter.
Mit 33 sagen das wohl eher wenige Frauen, aber ich kann das sagen, denn als ich den positiven Schwangerschaftstest damals in der Hand hielt, war ich genauso alt wie meine Tochter heute,  naja einige Monate älter, sie ist schließlich erst gestern 16 geworden und ich war schon fast 17.

Oft werde ich gefragt, ob ich die Entscheidung, für das Kind und somit dem sehr jungen Muttersein, bereue. Nein, ich bereue es nicht, ich liebe mein Kind, sie war nicht geplant, aber von ganzem Herzen willkommen, von Anfang an.
Natürlich hatte ich eine große Angst vor dem, was an Verantwortung da in mir heranwuchs und auch die Tatsache, dass ich es alleine schaffen musste machte es mir nicht einfacher, mich so zu freuen, wie es Frauen können, die mit beiden Beinen im Leben stehen. Heute weiß ich, dass auch diese Frauen Ängste haben, halt andere.
Aber ich wußte von Anfang an, dieses Kind ist mein Schicksal und gut gemeinte Ratschläge es abzutreiben und mich um die Schule zu kümmern habe ich lächelnd ignoriert. Noch heute stehe ich zu dieser Entscheidung und würde es nicht anders machen wollen. Ich habe viel im Leben verpasst, sei es die Jugend zu genießen oder mal eine Reise zu machen, aber ich bin ja noch jung, ich kann das alles noch nachholen, zumindest das Reisen.
Die Natur meinte es aber gut mit mir, ich hatte eine einfache und gute Schwangerschaft und mein Baby war ein absolutes Anfängerbaby, sie schlief toll, trank super aus dem Fläschchen und war nie krank, selbst Erkältungen gab es keine, die kamen erst als sie ein Teenager wurde und meinte warme Kleidung sei überbewertet und selbst die kann man an einer Hand abzählen. Ich hatte wahnsinniges Glück.

Nicht in allen Lebensbereichen. Ein Kind ist nunmal kein Gegenstand, den man einfach mal ablegen kann und sich anderen Dingen widmen, wenn einem gerade danach ist. Aus angepeiltem Abitur und Studium wurde ein Abgangszeugnis. Damit eine Lehre zu finden fast unmöglich, vorallem, wenn man auch noch zeitlich eingeschränkt ist.
Ich wollte nie den Vorurteilen einer Teeniemutter entsprechen und tat alles um eine Lehre zu finden, bekam auch eine, jedoch musste ich diese dann abbrechen, nicht aus eigener Schuld, aber das ist ein anderes Thema.
Ich machte ein FSJ und arbeitete auch nebenbei noch in einem Restaurant,  nur um nicht vom Amt abhängig zu sein. Dafür hatte ich kaum Zeit mit meinem Kind und neben dem Ganztagskindergarten musste auch noch eine Tagesmutter bezahlt werden.
Letztendlich kann ich sagen, ich habe immer versucht mein bestes zu geben, ihr alle Wünsche zu erfüllen, irgendwie Zeit mit ihr zu verbringen und aus dieser Teeniemutterschublade draußen zu bleiben.

An Weihnachten, als sie noch sehr klein war und ich deshalb noch nicht arbeiten konnte, war es besonders schlimm für uns. Wir saßen alleine in unserer kleinen Wohnung und schauten der Bilderbuchfamilie gegenüber, durch das große Fenster, bei ihrer Bescherung zu. Klar bekam meine Tochter auch Geschenke, doch fehlte es einfach an dem Drumherum. Und so saßen wir zusammengekuschelt im Dunkeln, am Fenster und schauten der perfekten Familie zu, ich wollte auch so gerne so eine Familie, den Tannenbaum, das warme Licht, den tollen Familienvater und die Großeltern, die sich so toll um ihre Enkel bemühten. Nicht für mich, sondern für mein Kind. Aber wir hatten einander, das war schon ein guter Anfang.

Das alles ist lange her, ich bin erwachsen geworden, mein Kind auch. Wir haben selber einen Tannenbaum, warmes Licht (ich meine damit nicht Zimmerlicht, sondern die warme Atmosphäre, die diese glücklichen Menschen umgeben hat) und den tollen Familienvater, mit den bemühten Großeltern. Nach zwölf langen Jahren Dasein eines Einzelkindes bekam sie sogar vor vier Jahren ihre erste Schwester und vor fast einem Jahr machte das Babymädchen unsere Familie komplett. Ich habe Zeit, mich um die Kinder zu kümmern,  muss nicht von einem Job zum anderen sprinten und die Teeniemutterschublade und die Menschen, die mich dort hineinstecken wollten sind verblasst, genau wie meine Angst davor.

Das erste Kind hat immer einen besonderen Stellenwert im Herzen einer Mutter, besonders, wenn es so eine Geschichte hat wie bei uns, ich liebe sie unendlich und gegen kein Studium oder Traumberuf würde ich sie eintauschen. Ich verzichte gerne, wenn ich sehe, was für ein tolles Mädchen bzw junge Frau aus ihr geworden ist. Und irgendwann ist auch das kleinste Mädchen groß und dann hab ich Zeit mich um mich zu kümmern, bin ja schließlich noch jung.

Samstag, 7. November 2015

Christkind oder Weihnachtsmann?


Weihnachten, ich liebe es.
Das war nicht immer so, nein ich war sogar mal ein richtiger Grinch* und habe jedem das gezeigt.
Das änderte sich aber, als ich anfing mich wegen Weihnachten nicht mehr so zu stressen, es nicht mehr jedem recht machen zu wollen und das Fest mit denen zu Feiern, um die es eigentlich geht, denen, die man liebt.
Ich möchte ein wenig über umser Weihnachtsfest erzählen und darüber, wie ich die Weihnachtsgeschichte ein wenig verändert habe.

Die Weihnachtsvorfreude fängt bei mir schon ziemlich früh an, nämlich sobald die ersten Dominosteine und Lebkuchen und Spekulatius im Laden zu finden sind. Dann fange ich an bei Pinterest nach Ideen zu suchen, während andere noch den Sommer genießen.  Ja ich bin da ein wenig verdreht, aber ich mag diese Zeit einfach so gerne.

Im November wird die Sache dann konkreter und ich fange an zu planen, wen wir wann besuchen oder wer zu uns kommt, die Geschenke für die Kinder, Dekorationsideen und ich fange an weihnachtliche Filme zu schauen. Man hört mich auch ziemlich oft ab November Weihnachtslieder singen, obwohl Jingle Bells singe ich ja das ganze Jahr, keine Ahnung warum, das war schon immer so.

Weihnachten bedeutet für mich Familienzeit, es ist die Zeit im Jahr, wenn der Mädchenpapa einige Tage am Stück frei hat und wir ganz viel Familienzeit genießen.
Das ist übers Jahr verteilt nicht so oft und deshalb für uns etwas ganz besonderes.
Ausserdem bedeutet es gutes Essen, in Beisammensein von Menschen die wir lieb haben und mit ihnen das vergangene Jahr nochmal passieren zu lassen.

Für Kinder ist Weihnachten etwas ganz besonderes, sie spüren den Zauber der Weihnachtszeit nochmal ganz anders als wir Erwachsenen, doch wenn man Kinder hat undsich dadafür offen zeigt, wird man nochmal von diesem kindlichen Zauber angesteckt und mitgerissen.
Als Kind hatte ich ein ganz besonderes Erlebnis, welches ich noch heute ganz wundervoll finde. Ich wurde in der Nacht zu Weihnachten wach und ging hinunter ins Wohnzimmer. Als ich dir Tür öffnete ergoss sich warmes Licht über mein Gesicht und ich sah für diesen kurzen Moment die Weihnachtswerkstatt mit ihren Helfern. Ja ich hatte viel Fantasie als Kind und ich weiß,  dass dort nur meine Eltern, Großeltern und Tanten die Geschenke für uns Kinder eingepackt haben, aber in dem ganz besonderen Moment sah ich es eben anders. Meine Fantasie fügte Weihnachtsmusik dazu und dass die Erwachsenen Wichtelanzüge trugen. Als ich entdeckt wurde und wieder hoch in mein Zimmer ging, hatte ich ein ganz tolles Gefühl im Bauch, als hätte ich etwas besonderes gesehen, was nicht jedem zuteil wird. Dieses Gefühl mag ich auch meinen Kindern ermöglichen.

Zu uns kommt das Christkind am Morgen des ersten Weihnachtstages, traditionell,  wie in meiner Heimat England. Den Heiligabend nutzen wir als Familienabend, mit gutem Essen und Weihnachtsfilmen, die wir jedes Jahr wieder schauen.
Da das kleine Mädchen wissen wollte, wer der bärtige Mann im roten Anzug ist und was dieser mit Weihnachten zu tun hat, musste ich mir etwas einfallen lassen, weshalb zu manchen das Christkind und zu anderen der Weihnachtsmann kommt. Die Antwort brachtemir das kleine Mädchen mit ihrer nächsten Frage, nämlich wieso das Christkind als Kind alleine ohne Mama draussen sein darf in der Nacht und wie es das denn schafft, jedes Kind auf der Welt aufzusuchen.
Unser Christkind kommt nicht alleine, es kommt in Begleitung vom bärtigen Mann im roten Anzug, dem Weihnachtsmann. Dieser hilft dem Christkind, damit alle auf der Welt die Geburt des Christkindes zusammen feiern können.
Jetzt denken bestimmt welche, dass ich spinne, so in der Weihnachtsgeschichte herumzupfuschen, aber hey, es geht an Weihnachten nicht um Geschenke oder WER die Geschenke bringt, es geht um Nächstenliebe, die Besinnung an das Wichtigste im Leben, die Liebe und  die Familie, da finde ich, kann man meine Veränderung der Weihnachtsgeschichte ein wenig verzeihen, für uns ist es perfekt so. Wir sind keine strengen Christen sondern weltoffen und möchten,  dass unsere Kinder zwar die christliche Bedeutung des Festes kennen, jedoch nicht durch den Weihnachtsmann verwirrt werden und das haben wir so gut lösen können.
Ich hoffe sogar, dass meine Kinder diese Geschichte so später auch für ihre Kinder verwenden und wir somit eine eigene kleine Tradition bzw Weihnachtsgeschichte begonnen haben.
Die eigentliche Weihnachtsgeschichte bleibt jedoch unverändert und wird dieses Jahr zum ersten Mal vorgelesen und ein Krippenspiel möchte ich mit den Mädchen besuchen, wenn es hier eins gibt.
Zudem möchte ich eine Krippe mit ihnen zusammen bauen, um die Weihnachtsgeschichte etwas bildlicher werden zu lassen.

Am Abend legen wir einen Teller Kekse und ein Glas Milch für den Weihnachtsmann auf den Esstisch, denn der alte Mann braucht eine Stärkung, wenn er das Christkind unterstützt, eine Karotte fürs Rentier ist auch dabei, dann geht es ab ins Bett.
Wenn die Kinder schlafen legen wir die Geschenke unter den Baum und schauen noch einen Weihnachtsfilm und ich lege eine kleine magische Spur vom Christkind.
Am Morgen des ersten Weihnachtstages, wenn wir wach sind und ins Wohnzimmer gehen entdeckt das kleine Mädchen diese Spur, es sind kleine, goldene Fußabdrücke von der Balkontür zum Weihnachtsbaum, daneben große, dunkle Stiefelspuren vom Weihnachtsmann, der auch seine Kekse und seine Milch zu sich genommen hat. Dies war letztes Jahr für sie sogar interessanter als die Geschenke, was mich sehr berührt hat.
Sie spürt den Zauber.

Ab dann geht es Verwandte und Freunde besuchen, wofür die Zeit sonst einfach immer fehlt und deshalb eher selten vorkommt. Oder sie kommen zu uns.
Ich genieße diese Zeit sehr und sobald sie vorbei ist also an Neujahr, kann ich es kaum erwarten, dass es wieder von vorne beginnt.

Das große Mädchen ist aus dem Alter raus, wo man an den Weihnachtsmann glaubt, aber unterstützt uns tatkräftig, es dem kleinen Mädchen und nun auch dem Babymädchen zu ermöglichen, an diesen Zauber zu glauben, was ich wirklich schön von ihr finde.

Wie feiert ihr Weihnachten und wer kommt zu euch? Erzählt mal!

Ich wünsche allen eine schöne Vorweihnachtszeit.
 



*Grinch, der grüne, pelzige Weihnachtshasser, der versucht Weihnachten zu zerstören.

Donnerstag, 22. Oktober 2015

Mach's gut Opa.


Es gibt nichts schlimmeres im Leben, als einen geliebten Menschen zu verlieren, schon als Erwachsene Person ist es nicht einfach die verschiedenen Phasen der Trauer zu durchlaufen, aber als Kind ist es noch viel schwieriger, auch wenn man es dem Kind nicht immer ansieht.

Dies ist ein sehr persönlicher Beitrag, der mir sehr am Herzen hängt,  genau wie die Menschen, um die es geht.

Ich kann mich noch so gut an den Tag erinnern, als ich von einem Kindergeburtstag, einer Mitschülerin aus meiner dritten Klasse, nach Hause kam und alles so anders und doch wie immer war. Oma lag im Krankenhaus, es wurde gut von uns Kindern ferngehalten, wir sollten uns keine Sorgen machen müssen.
Ich kam zur Tür herein und alles lief ab wie in Zeitlupe. Die kleineren Kinder tanzten in der großen Küche herum, während sie gewaschen und fürs Bett fertig gemacht wurden. Ich wurde sofort mit nach oben genommen und ich wusste, etwas stimmt nicht, aber was, das wusste ich nicht.
Ich erinnere mich an meinen Opa, wie er da auf der Couch saß, so verloren, so unvollständig, der selbe Mann, aber auch irgendwie anders.
Ich erinnere mich, wie zwei Frauen, meine Mutter und meine Tante auf mich einreden, zuviele Worte, ich höre sie kaum noch, nachdem der erschütternde Satz fällt. Alles war wie in Watte gepackt, nichts kam mehr bei mir an, beunruhigende, unruhige Ruhe, schwer wie Blei, erdrückend.  In meinem Bauch bildete sich ein Knoten, ein dicker Unwohlsein heraufbeschwördender Knoten, der bis heute dort lauert und immer mal wieder zeigt, dass er da ist.
Wie auch schon die Krankheit, wurde auch die Trauerfeier ohne uns bewältigt, sie wollten uns schützen, wir sollten sie so in Erinnerung behalten, wie wir sie zuletzt kannten, eine strenge, aber liebende Oma. Für mich mehr eine Mutterfigur, die mir zu früh genommen wurde.
Sie haben versucht uns zu schützen,  vor der Trauer, dem Tod, sie wollten uns glücklich sehen und nicht traurig. Aber wir hatten eine wichtige Person verloren und mussten das verarbeiten.
In meiner Trauer und Wut darüber, dass man mir einen meiner beiden Bezugspersonen genommen hatte und den anderen als leere Hülle zurückgelassen hat, schrieb ich an Gott einen Brief. Voller Vorwürfe, voller Hass, irgendwen musste ich schließlich hassen. Und der Bitte sie zurückzugeben. Antwort erhielt ich nie. Danach machte ich es mit mir selbst aus.

Jahre später, genau gesagt letztes Jahr, ich war selbst schon zweifache Mutter und schwanger mit dem Babymädchen, wurde der gesundheitliche Zustand meines Opas rapide schlechter. So schlecht, dass eines Tages klar war, er wird nicht mehr gesund und wenige Zeit später sollten wir Abschied nehmen. Das große Mädchen war auf Klassenfahrt, das kleine Mädchen war immer mit mir dabei. Beim Abschied nehmen, sie war fast drei Jahre alt, hat sie die Atmosphäre erträglicher gemacht, ihre kindliche Leichtigkeit gab mir Halt das alles durchzustehen. Ich war ehrlich zu ihr, habe ihre Fragen beantwortet, nie mehr erzählt, als sie erfragte. Ich habe ihr zugehört, ihre Versuche, ihre Gefühle in Worte zu fassen und sie getröstet, wenn sie versuchte meine Tränen zu trocknen. Wir haben zusammen gelernt wie man mit der Trauer umgeht.
An dem Tag sagte ich meinem Opa, es geht uns allen gut, er könne nun loslassen und zu seiner Frau gehen, sie waren lange genug getrennt. Ich hielt seine Hand.
Dann nahm ich mein kleines Mädchen in den Arm, küsste sie und brachte sie nach Hause ins Bettchen.
Am nächsten Tag verstarb mein Opa. Wir fuhren sofort hin und kümmerten uns um meine Tante, die ihn aufopfernd gepflegt hatte. Auch da war das kleine Mädchen dabei und wieder waren wir ein Halt füreinander.
Als das große Mädchen von ihrer Klassenfahrt heim kam musste ich es ihr sagen und ich sagte es ihr so, wie es war, mit kurzen Sätzen, wenigen Worten, damit sie Fragen stellen konnte, ich wollte sie nicht überfordern. Ließ sie fragen, fragte nach ihren Gefühlen.
Auf der Trauerfeier waren beide Kinder mit. Das große Mädchen hat Abschied genommen, ihm ein Abschiedsbrief geschrieben. Nicht jedem gefiel die Tatsache, dass ein kleines Kind unter den Trauernden war, aber dieses Kind ist das Urenkelchen des verstorbenen Mannes, sie hat das Recht Abschied zu nehmen, auf ihre eigene kindliche Art und Weise. Ich habe nicht das Recht ihr diesen Abschied zu verweigern, auch wenn sie den Tod noch nicht so verstanden hat, wie wir Erwachsene, ist eine Person, die sie mochte aus ihrem Leben gegangen.
Einige Male täglich wurde ich von ihr gefragt "Danda (Opa) weg?" Oder "Danda nicht kommt?" Dann habe ich zu ihr gesagt, dass unser Grandad uns so oft glücklich gemacht hat und er nun zur Oma gegangen ist, um sie auch glücklich zu machen, da sie ihn vermisst.
Das kleine Mädchen fand das gut, schließlich sollen alle glücklich sein.

Meine Kinder waren von Babyalter an auf Beerdigungen, leider, ich wünschte mir, diese Menschen wären nicht gestorben und würden stattdessen Feiertage und Wochenenden mit ihren Urenkeln verbringen odersie überhaupt kennengelernt haben. Aber genau wie Geburt, Liebe, Glück und Hoffnung, gehört auch der Tod, die Trauer und der Umgang damit zum Leben dazu und selbst Kinder müssen das erleben dürfen.
Viele Eltern haben Angst ihre Kinder mit auf Beerdigungen zu nehmen, sie könnten die Trauernden stören. Ich kann zwar nur von meinen Kindern reden, aber sie haben die ruhige Atmosphäre gespürt,  sich angepasst, waren selbst ruhig. Haben mit ihrem Dasein vielen Menschen ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Schließt sie nicht aus, nehmt sie mit, denn nur wenn man sie teilhaben lässt,  können sie lernen damit umzugehen.

Ich habe damals viel im Internet recherchiert, wie man Kindern hilft, mit dem Tod und der Trauer umzugehen und eine gute Zusammenstellung an Tipps für Erwachsene gefunden, wie sie den Kleinen unterstützen können:

Allgemein Hilfreiches, wenn Kinder nach Sterben und Tod fragen:

-dem Alter des Kindes angepasste Antworten
-offen sein für Fragen des Kindes
-einfühlsam und behutsam mit dem Kind umgehen
-Gelegenheiten zum Reden aufgreifen ( toter Vogel, Welkes Laub...)
-Ehrlichkeit und Echtheit ( nur das sagen, was ich selbst auch glaube)
-zugeben, dass ich selbst auch nicht alles weiß
-jeder Mensch darf und soll Gefühle zeigen
-Ausdrücke und Rituale rund um den Tod sind für Kinder oft schwer zu verstehen: z.B.: „das    Zeitliche gesegnet“, „dahingegangen“, „entschlafen“
-Aufpassen auch mit Ausdrücken wie „Ich bin fast gestorben vor Lachen“ oder „Du bringst mich noch ins Grab“. Kinder nehmen das wörtlich!
-Klar und unmissverständlich sagen, dass dieser Mensch gestorben ist., dass er nie wieder kommt,dass sein Körper GANZ aufgehört hat zu funktionieren, dass er nicht mehr laufen, atmen, fühlen kann (hilfreich für Kinder, die den Tod ja vom Fernsehen, von Comics usw. kennen, dort stehen Figuren immer wieder auf und sind fröhlich)
-Zeit lassen, Zeit geben, Zeit haben.Geduld (auch mit sich selbst)
-Nachfragen! Oft hat da Kind schon eine eigene Anwort parat und will nur eine Bestätigung
-ein Mensch stirbt normalerweise nur, wenn er sehr, sehr, sehr alt oder sehr, sehr, sehr krank ist oder einen sehr, sehr, sehr schweren Unfall hat. Wichtig: SEHR.
Gefunden auf: www.eltern-bildung.at

Es gibt auch gute Bücher zum Thema Tod, die für Kinder geschrieben wurden.
Zum Beispiel "Leb wohl, lieber Dachs" von Susan Varley
oder "Der Baum der Erinnerung" von Britta Teckentrup



Diesen Beitrag widme ich meiner Oma und meinem Opa und den beiden Schwiegeromas, für immer geliebt und nie vergessen.






Samstag, 17. Oktober 2015

Besuch von Tante Wut

Nein das ist kein Rechtschreibfehler, hier ist keine putzige Tante Ruth zu Besuch, sonst gebe es Kuchen und keinen Beitrag.
Hier ist gerade die Wut eingezogen und verwandelt mein, sonst so ausgeglichenes und fröhliches Babymädchen in einen unzufriedenen, meckrigen Wutbürger.
Diese Phase kam nicht schleichend, sondern traf und mit geballter Kraft, vor einigen Tagen beim Versuch ein Mittagsschläfchen zu machen.
Normalerweise klappt es, sobald die Anzeichen von Müdigkeit erkennbar sind, die kleine Maus in den Schlaf zu stillen und nach einer Stunde hat man ein ausgeschlafenes, fröhliches Baby wieder.
Diesmal war es aber anders.
Augen wurden gerieben, es wurde geknoddert und gegähnt, also ab aufs Bett und stillen.
Sie wollte nicht, sie war zappelig und auf eine Art, wie ich es von ihr nicht kannte aggressivund abweisend. Sie drückte sich weg, also wollte ich ihr Freiraum geben, aber diese war auch nicht erwünscht,  sie krabbelte total wackelig vor Müdigkeit wieder auf mich, nur um mich dann wieder von sich zu drücken. Dieses Spiel ging eine ganze Weile, bis sie vor Erschöpfung dann doch in meinem Arm einschlief.
Am nachsten Tag fing das ganze von vorne an, jedoch im ausgeschlafenen Zustand, irgendwas hat sie geärgert und sie schlug und trat um sich. Sie biss mir sogar vor lauter Unwissen, wohin mit sich selbst, in den Arm.
Entwicklungsphasen sind anstrengend, für alle Beteiligten, aber diese Phase (fängt zwischen der 42. und 47. Lebenswoche an) ist die für mich unangenehmste, denn man kann nich4 viel machen, wenn das Baby gerne etwas tun will und dies nicht schafft und zum ersten mal sich mit dem Gefühl Wut auseinandersetzen muss. Ich tröste und beruhige, aber manchmal ist es genau das, was das Baby nicht mag. Ist der Knoten geplatzt und die Phase neigt sich dem Ende, bekommt man sein geliebtes, ausgeglichenes Baby zurück,  es lernt mit Wut besser umzugehen und meist kommen tolle neue Fähigkeiten, die das Baby in der Zeit entwickelt hat zutage. Manche Babys fangen nun mit dem Krabbeln oder gar Laufen an.

Zeitgleich hat das größere Mädchen mit ihrer Gefühlswelt zu kämpfen. Mit vier Jahren ist das Leben aber auch schwer, man fühlt sich groß und stark und möchte alle Ideen, die einem im Kopf entstehen, möglichst schnell und ohne vorher darüber nachzudenken, umsetzen. Nicht immer sind diese Ideen gute Ideen. Manche sind sogar ziemlich schlecht und dann kommt meine Aufgabe, ihr Grenzen aufzuzeigen, Alternativen anzubieten, aber auch zu loben, wenn sie etwas tolles macht. Sie liebt es gelobt zu werden und denkt sich deshalb noch mehr Ideen aus, die sie umsetzen kann, um Mama und Papa staunen zu lassen, wenn diese Ideen dann aber statt Lob, eine erneute Grenze aufzeigen. Dann gibt es kein Halten mehr, Frust steigt auf, um sich sofort zu entladen. Manchmal ist es ein gemeines Wort, manchmal lautes Weinen und eine sehr sture Körperhaltung.
Zum Glück hält die Wut nicht lange an und wir können dann gemeinsam nach einer ausgiebigen Knuddelei, eine neue Beschäftigung suchen.

Für Babys und Kinder ist es schwieriger mit extremen Gefühlen umzugehen, als für uns Erwachsene. Es fehlt ihnen einfach die Erfahrung, wie man damit umgeht, wie man es in Worte fasst oder es verarbeitet.
Das Wichtigeste, ihnen dabei zu helfen, ist es ihre Gefühle ernst zu nehmen, denn für die Kinder sind sie es. Geduld und Einfühlungsvermögen ist wichtig, sie sollen wissen, dass sieernstgenommen und geliebt werden und dass sie in ihren Eltern einen sicheren Hafen haben, wenn die Welt zu stürmisch wird. Aber auch Konsequenz ist wichtig, denn Instabilität bei den Eltern überträgt sich auf die Kinderund der sichere Hafen verwandelt sich in einen Floß mitten auf der stürmischen See.

Dienstag, 13. Oktober 2015

Wirsing-Kartoffel-Cremesuppe

Wiedermal ein Suppenrezept für die kalten und grauen Tage, um uns von innen zu wärmen.


Was du brauchst:
Für 4 große Portionen
1/2 Wirsing
4 große Kartoffeln
3 Karotten
1/2 große Gemüsezwiebel
Pfeffer, Salz, Majoran
Wasser
200ml Sahne 
(ich verwende laktosefreie)

Alles kleinschnibbeln und (ohne Wirsing) in einem großen Topf mit etwas Öl anbraten
Dann mit Wasser bedecken, Salz dazu und den Wirsing draufpacken.
Deckel drauf und kochen lassen bis das Gemüse durch ist.
Dann mit Majoran und Pfeffer würzen, Sahne dazu und nochmal kurz aufkochen lassen.
Jetzt mit dem Pürierstab alles schön cremig pürieren.
Fertig.

Guten Appetit!

Wie bei der Kürbissuppe schmeckt auch diese am nächsten Tag nochmal besser.

Montag, 12. Oktober 2015

Mit Kinderaugen sehen...


Wie schrieb einst der französische Autor Antoine de Saint-Exupéry:
"Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar."

Wie recht er damit hat zeigte sich für uns an einem grauen Wochenende, den wir im Zoo verbrachten. Wir haben viele Tiere gesehen, einige wurden von unserer, da fast vierjährigen, Maus entweder mit Freude, Angst oder purer Neugierde angeschaut. Aber eine Reaktion werde ich nicht so schnell vergessen.
Wir liefen den Weg entlang und unterhielten uns, direkt vor uns die Maus, die einen Eisstand entdeckte. Wir hatten schon die nächste Diskussion zum Thema Eis vor dem richtigen Essen in unswren Köpfen hallen, da drehte sie den Kopf und rief voller Verzückung "Sieh mal Mama ein Einhorn!"
Sie rannte schnurstracks auf ein Gehege zu und freute sich über das Tier, welches darin auf und ab spazierte. Es hatte kein weißes Fell und regenbogenfarbene Wallemähne, es glitzerte nicht. Es war ein schlichtes, graues Nashorn, es schaute sogar ein wenig grummelig drein. Aber für unser Kind war es Magie, es war ein Einhorn, so wie sie sich eines vorstellt.
Dieses Erlebnis werde ich lange in Erinnerung halten, es war ein magischer Moment.




Die Milch macht's!

Zauberzeug diese Milch, ist sie doch das erste, was wir zu uns nehmen.

Ich stille gerne, jetzt beim dritten Kind stille ich sogar noch lieber als beim Zweiten, wo ich viele Probleme hatte und nach 8 Monaten hat sie sich abgestillt. Beim ersten Kind habe ich nur 6 Wochen gestillt.
Nun stille ich schon knapp neun Monate die kleinste Maus und bisher sieht es nicht nach Abstillen aus, denn bis auf eine Mahlzeit am Tag bevorzugt sie die gute Muttermilch.
Jetzt werden einige denken, warum isst das fast neun Monate alte Baby noch keine Beikostmahlzeiten, alt genug ist sie ja.
Ja ist sie, aber sie mag es nicht. Wir haben da einiges ausprobiert und bis auf eine halbe Portion Brei am Abend oder späten Nachmittag, verlangt sie lieber Muttermilch.
Es gibt viele Mythen und Märchen über Muttermilch und die Dauer des Stillens, man bekommt sie als Ratschläge immer mal mit auf den Weg gegeben und auf die möchte ich heute nochmal gezielt eingehen.

•Die Milch reicht dem Kind nicht mehr, sie ist nicht mehr nahrhaft genug.
Nein das stimmt nicht, die Milch bleibt, egal wie lange man stillt qualitativ gleichwertig, sie passt sich in der Zusammensetzung nur den Bedürfnissen des Babys an. Unser Körper wurde von der lieben Mutter Natur dafür ausgelegt lange zu stillen, das vergessen wir nur gerne.
Meine Milch ist also immer reich an Nährstoffen und macht mein Baby satt.

•Das Baby hat Zähne, es wird Zeit für feste Nahrung.
Es ist zwar selten, aber es kommt vor, dass Babys sogar mit Zähnchen geboren werden, wir kämen doch niemals auf die Idee dem Neugeborenen dann eine Stulle zu servieren.
Zähne sind kein Zeichen für Beikostreife (ich finde dieses Wort besser als Beikostalter, denn es kommt auf die Reife und nicht das Alter an). Umgekehrter Fall, ein Baby mit einem Jahr hat noch gar keine Zähne,  isst aber regulär am Tisch mit. Funktioniert prima.
Beikost schliesst Stillen auch nicht aus, Muttermilch kann einem Kind nicht schaden und jeder Tropfen ist ein positiver Zugewinn für den Körper.

•Gib dem Baby was richtiges zu essen.
Muttermilch ist etwas richtiges, ich lehne mich sogar aus dem Fenster und behaupte es ist das Beste was ein Baby zu sich nehmen kann. Es hat alle wichtigen Vitamine und Mineralstoffe, die ein Baby zum gesunden Heranwachsen benötigt,  was sollte also "richtiger" sein?

•Langes stillen verzieht Kinder
Ich verziehe meine Kinder nicht durch Nahrung. Ich tue ihnen was Gutes und wenn es ihnen gut tut, dann kann es nicht falsch sein.

Ich schreibe es immer wieder gerne, wenn es um die Entwicklung unserer Kinder geht, jedes Kind hat seine eigene innere Uhr und diese zu respektieren und zu achten ist das Beste, was man für sein Kind tun kann. Es zu etwas zu zwingen, zu viel fordern, es überfordern, nur weil die heutige Gesellschaft alles schneller, höher weiter mag, all das tut ihnen nicht gut. Genauso sehe ich das auch mit dem Stillen und deshalb höre ich auf mein Kind und seine Bedürfnisse und nicht darauf, was die Gesellschaft für aktuell richtig empfindet. Denn jeder einzelne ist diese Gesellschaft und nur wenn jeder einzelne Mensch auch glücklich ist, ist es die Gesellschaft.

Samstag, 10. Oktober 2015

...und dann kam alles anders als geplant.


Es gibt wohl nichts im Leben, was weniger planbar ist als das Thema Familienzuwachs.
Es fängt ja schon bei der Zeugung an, klar man kann ein wenig mit Zykluskalender und NFP* das Ganze überwachen, aber die Natur macht trotzdem das, was sie will und man muss darauf warten, dass die Natur ihre Arbeit macht. Es geht aber auch anders herum und man wird ungeplant schwanger, auch dies oder besonders dies ist eine Herausforderung, denn die Pläne waren vielleicht nicht auf ein Kind ausgelegt und nun muss ein Plan B her.

Ist es endlich geschafft und ein kleines Leben reift in der werdenden Mama heran, geht es sofort weiter, Untersuchungen mit oder ohne Ultraschall, Nackenfaltenmessung und Zuckertest ja oder nein, Hausgeburt, Geburtshaus, Krankenhaus, natürliche Geburt oder Kaiserschnitt und so weiter und so weiter.

Zwischen all diesen Fragen und den dazugehörigen Antworten entscheidet die Natur selbst, was für ein Geschlecht da heranwächst. Natürlich, hauptsache das Kind ist gesund, aber sag das mal einer sechsfachen Jungsmama, die von rosa Kleidchen träumt. Aber auch diese Mama verdrückt dann Freudentränchen, wenn ein gesunder Junge ihre Familie erweitert. Im Endeffekt ist das Geschlecht wirklich egal und das ist gut so, denn wir können und sollten dies nicht beeinflussen.

Errechneter Geburtstermin. Es gibt Kinder, die eine Punktlandung hinlegen und genau an diesem Tag zur Welt kommen, aber es gibt auch welche, die sich gerne viel Zeit lassen, nochmal ein wenigKraft tanken vor der Geburt und die ungeduldige Mama und den Papa warten lassen. Dann gibt es welche, die es einfach nicht erwarten können, sich der Welt zu präsentieren,  ihre Eltern unbedingt und ganz unerwartet in die Arme kuscheln wollen. So wie unsere kleinste Maus.
Medizinisch bedingt sollte sie als Kaiserschnitt zur Welt kommen, alles war gut geplant, Datum stand fest, berufliche Termine vom Papa konnten so gelegt werden, dass er Zuhause ist, wenn es soweit ist, Kinderbetreuung war gesichert. Doch es sollte anders kommen. In der 33. Schwangerschaftswoche bekam ich starke Wehen in sehr kurzen Abständen.  Im Krankenhaus wurde eine Gebärmutterhalsverkürzung diagnostiziert und dass zu viel Druck nach unten war. Ich kam an den Wehenhemmer und durfte nur noch liegen. Mir wurde die Frühchenintensivstation gezeigt und die Ärzte dort vorgestellt, um mich darauf vorzubereiten wo mein Bauchwürmchen liegen muss, wenn es jetzt kommen sollte. Ich war so verzweifelt.
Eine Woche Angst und keine Ahnung wie es weitergeht.  Doch das Liegen und die Wehenhemmer taten ein Wunder und das Mäuschen entschied sich noch ein wenig im Bauch zu bleiben.
Die Woche ging an keinem der Familie spurlos vorbei, berufliche Termine mussten verlegt werden, damit der Papa bei den Kindern sein kann, die kleine Tochter musste lernen ohne Mama zu schlafen, die große Tochter musste im Haushalt mehr machen, damit es nicht im Chaos versinkt.
Zurück zuhause durfte ich nur liegen, gar nicht so einfach mit Kleinkind und Haushalt, aber aus Angst, dass das Mäuslein vorher kommt blieb ich liegen und wurde sehr erfinderisch darin das Kind von der Couch aus zu beschäftigen.  So vergingen die Wochen und  trotz gelegentlich leichten Wehen blieb das Babymädchen bis zum geplanten Termin im Bauch, der 4 Tage vor dem errechneten Termin angesetzt war.
Ich bin so dankbar.

Die Geburt selbst ist auch nicht planbar, jede Geburt ist anders, genau wie jede Schwangerschaft und jede Frau anders ist. Klar am Ende kommt da ein Kind raus, aber der Weg dahin ist immer ein anderer. Leider hängt dies auch viel davon ab, wer die Geburt begleitet und wie diese abläuft. Für die werdende Mutter, vorallem für diese, ist es ein sehr prägendes Ereignis, welches nachhaltig ihre Gefühlswelt beeinflusst. Viele träumen von einer selbstbestimmten und wunderbaren Geburt und dann passiert es und sie müssen sich damit anfreunden einen Kaiserschnitt zu bekommen. Oder wollen einen Kaiserschnitt, aber das Baby macht ihnen ganz spontan umd schnell wie ein Flitzebogen einen Strich durch die Rechnung. Nein, ich schreibe jetzt nicht, dass es doch egal ist, wie das Baby zur Welt kommt, hauptsache Mama und Kind sind gesund, denn das ist nur ein kleiner Teil des Ganzen und es wäre unfair gegenüber jeder Mutter, die durch diese Achterbahn der Gefühle gehen muss und diese will ich ihr nicht absprechen. Was ich aber sagen möchte ist, dass man selbst diese Gefühle so nicht akzeptieren muss, man kann an ihnen arbeiten, mit professioneller Hilfe oder erstmal mit einer vertrauten Person. Denn so wie die Gesundheit nur ein Teil der Geburt ist und die Gefühle dazu, sind diese nur ein Teil des ganzen Lebens und dieses Leben sollte man nicht an einem Moment festhängen, es kommt so viel mehr.

Wichtig ist, diese Gefühle nicht in sich hineinzufressen, es gibt Menschen, denen man sich anvertrauen kann, Mann, Hebamme, Freundin, Eltern, egal wer, Hauptsache man spricht und lässt es raus. Denn nichts ist ungesunder für Körper und Geist, als ein großer Klumpen negative Gefühle,  die dann zu groß sind um einfach herauszukommen. Sie drücken und sind immer störend, sie trüben eine Zeit, die einem so nicht wiedergegeben wird.

Doch selbst nach der Geburt wird diese Unplanbarkeit nicht weniger, ganz im Gegenteil. Man will stillen, ob es klappt hängt von verschiedenen Faktoren ab, die meisten kann man beeinflussen,  aber nicht alle (über das Stillen habe ich schon berichtet, ziemlich ausführlich sogar, einfach mal nachlesen). Klappt es nicht, egal aus welchen Gründen oder man entscheidet sich dagegen, muss man sich mit der Frage welche Flaschennahrung man nehmen mag, man wird ja erschlagen von einem riesen Angebot, von einem bekommt Baby Blähungen vom anderen muss es spucken und welche Flasche ist die Beste?

Spätestens jetzt merkt man, das planen nicht mehr so einfach ist und freundet sich damit an, dass ein guter Plan A immer einen flexiblen und spontanen Plan B im Schlepptau hat und so zieht sich das durchs Baby-und Kleinkindalter, über das Schulalter bis hin zur Pubertät. "Was, du willst Weltenbummler werden, statt zu studieren? Oh Kind!"
 Ich denke selbst wenn die Sprösslinge erwachsen sind und vielleicht eigene Kinder haben, wird man immer wieder mit ihnen durch ungeplante Situationen müssen.

Ein gutes Bauchgefühl, kompetente Ansprechpartner und eine fette Portion Liebe machen diese unplanbare, chaotische Zeit wunderbar und zu tollen Erinnerungen für später, die man den Enkelkindern dann erzählen kann.

Wir Mamas sind Organisationstalente, Familienmanager, wir schaffen es sogar fünf Minuten in einer einzigen Minute unterzubringen, jedoch sind wir nicht perfekt und das müssen wir auch nicht sein. Sobald wir das verinnerlicht haben wird alles viel entspannter.

Und nun wünsche ich allen Mamas, werdenden Mamas und einer ganz bestimmten frisch gebackenen Mama ♥ alles alles Liebe für die Zukunft.



*Natürliche Methoden der Familienplanung. Vielleicht berichte ich auch mal darüber.

Freitag, 9. Oktober 2015

Herbstzeit - Erkältungszeit




Der Herbst ist toll, das Land schmückt sich in den schönsten Farben, die Menschen werden gemütlicher und finden wieder Interesse an heißen Schaumbädern, Tee und Kerzenschein.
Ausserdem sind die kalten Jahreszeiten kulinarisch super, endlich wieder Gemüseeintopf ohne Schwitzattacke essen. Und Weihnachten rückt näher.
Mit all diesen wunderbaren Eigenschaften kommt auch eine ziemlich negative Seite mit, auf die wir alle gerne verzichten könnten, die Erkältungszeit.



Ich bin kein Arzt und habe auch nicht vor jetzt aufzuzählen,  was man bei Husten, Schnupfen und Halsschmerzen einnehmen oder inhalieren sollte, ich mag viel lieber vorbeugen, denn besser als gesund zu werden, ist es doch gar nicht erst krank zu werden.

Deshalb hier die wichtigsten Regeln, einer Erkältung aus dem Weg zu gehen:

-Frische Luft.
Bewegung an der Luft ist gesund für Körper und Geist, ausserdem stärkt es das Immunsystem und befreit die Schleimhäute von ungebetenen Besuchern. Also tief durchatmen. Auch Zuhause sollte auf frische Luft geachtet werden und deshalb 2-3 mal täglich kurz gelüftet werden.

-Die richtige Kleidung.
Es ist kalt am Morgen und kann manchmal spätsommerliche Temperaturen am Mittag erreichen.  Um frieren oder schwitzen zu vermeiden empfiehlt sich ein "Zwiebellook" sprich mehrere Lagen übereinander. Gutes Schuhwerk, die den Regen nicht an die Füße lassen, eine Mütze bei kaltem Wind, um die Ohren zu schützen.  Eine dicke Daunenjacke, die nur bis zum Bauchnabel reicht, ist wenig sinnvoll, habe ich aber schon oft draußen gesehen. Gerade die Nierenregion sollte warm gehalten werden, denn dort kühlt man schnell aus und eine Nierenbeckenentzündung ist so spaßig wie sie klingt. Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung.

-Taschentücher.
Diese sollten nicht mehrfach benutzt werden, sondern nach der Benutzung ordentlich entsorgt werden. Ich bevorzuge weiche Taschentücher, denn eine wunde Nase mag man nicht putzen.

-Husten und Niesen aber richtig!
Ist grad kein Taschentuch bereit, sollte man nicht wild durch die Gegend husten oder niesen, das erwartet man ja schließlich auch von anderen Menschen.
Früher hörte man dann immer "Hand vor den Mund!" aber eigentlich ist das falsch, denn die Hände benutzt man immer und überall und verteilt somit fleißig die Krankheitserreger an allem, was man berührt und das ist ne Menge.
Besser ist es die Armbeuge vor den Mund/die Nase zu halten, wenn man kein Taschentuch hat.

-Hygiene.
Händewaschen ist das A und O im Kampf gegen Bazillen. Krankheitserreger überleben eine ganze Weile auf Oberflächen und gelangen durch Berühren an unsere Hände,  diese kann man nur durch regelmäßiges Händewaschen mit einer Seife, den Kampf ansagen und sie auf Nimmerwiedersehen im Abfluss versenken.

-Gesunde Ernährung.
Viele Vitamine, um die Abwehrkräfte stark zu machen und ausreichend trinken, damit die Schleimhäute gut feucht gehalten und somit keine Fläche bieten, wo sich Erreger festsetzen können.

Das sind so im Großen und Ganzen die besten Tipps um gesund durch die Schnodderzeit zu kommen.
Was ich zusätzlich zu den Tipps raten kann ist es, wenn man unterwegs war, danach eine Nasendusche zu machen. Es gibt in Apotheken und Drogeriemärkten Dosen mit Meerwasswrspray, die einen feinen Sprühnebel in der Nase verteilen und somit die Nase sehr erfolgreich von Erregern reinigen. Es ist so sanft, dass man es auch bei Kindern machen kann, was wirklich praktisch in der Kindergartenzeit ist, wenn mehrere Schnoddernasen in einem warmen Raum zusammenhocken, einfach zuhause dann kurz die Nase reinigen.


Kommt gesund durch die Erkältungszeit!


Mittwoch, 30. September 2015

Kürbis-Kokos-Currysuppe



Wärmend in der kalten Jahreszeit und bringt einen wunderbaren Farbtupfer auf den Suppenteller.



Was du brauchst:
Für ca. 6 Portionen

1 Hokkaido Kürbis 
(Butternut geht auch, muss aber geschält werden)
4-5 kleine Kartoffeln
1 Zwiebel
englischen Currypulver
Currywürzpaste
250ml Kokosmilch
Salz, Pfeffer, 
Wasser
etwas zum Anbraten
Pürierstab


Und so gehts:

Kürbis klein schneiden,
Kartoffeln Schälen und würfeln,
Zwiebel schälen und kleinschneiden.
Zwiebeln mit Butter oder Öl glasig anbraten,
Kürbis und Kartoffeln hinzufügen 
und unter ständigem Rühren anbraten.
Wasser hinzufügen, dass alles bedeckt ist 
und nach Geschmack Salz hinzufügen.
Das ganze mit geschlossenem Deckel auf mittlerer Hitze garen lassen.
1 Messerspitze Currypaste dazu 
(wer es scharf mag darf ruhig mehr nehmen)
Currypulver nach Geschmack hinzufügen
ich bevorzuge da etwa einen Teelöffel voll.
Kokosmilch dazu und nochmal gut aufkochen lassen.
Nach Geschmack Pfeffern.
Nun das ganze mit dem Pürierstab zu einer feinen Suppe pürieren.
Fertig.


Dann ab auf einen Suppenteller und guten Appetit.

Am nächsten Tag schmeckt es nochmal so lecker, einfach mit etwas Wasser verdünnen und aufwärmen.


Freitag, 18. September 2015

Mama einfach unverbesserlich


Sentimentalität, das Wort, was mir als erstes einfällt, wenn ich an die momentane Situation bei uns Zuhause denke.

Meine Erstgeborene macht in wenigen Monaten ihren Schulabschluss und in wenigen Tagen geht sie auf Abschlussklassenfahrt für fast eine Woche.
Fünf Tage um genau zu sein. So lange war sie in den fünfzehn Jahren und elf Monaten nie von Zuhause weg. Und dann sind da zig Kilometer zwischen uns, ich kann sie also nicht einfach abholen, wenn sie anruft und Heimweh hat.
Viele werden jetzt lachen und denken, was eine Glucke.
Ja ich bin ein wenig gluckig, was wohl daran liegt, dass mein Baby, welches jetzt kein Baby mehr ist, langsam aber sicher eine erwachsene junge Frau wird.

Auch mein Mädchen wird immer selbstständiger. Sie hat ihren eigenen Kopf, weiß was sie will und noch mehr, was sie nicht will. Sie geht jetzt ein halbes Jahr in den Kindergarten, man merkt, dass nicht mehr nur Mama und Papa die Vorbilder sind. Sie sagt Sätze,  die wir nie so formuliert hätten, manche sind so witzig, man könnte meinen sie hätte schon die ganze Welt gesehen. Das wird sie auch irgendwann, aber sie soll sich doch bitte noch ein wenig Zeit damit lassen, damit ich mich ganz langsam an den Gedanken gewöhnen kann und mit Langsam meine ich Schneckentempo.

Schneckentempo, ein Wort welches das Babymädchen wohl gar nicht kennt, nicht nur, dass sie unglaublich schnell eine Kleidergröße nach der anderen hinter sich lässt, nein der Kinderarzt erzählt fröhlich,  dass sie weit entwickelt ist für ihr Alter. Warum sie es so eilig hat weiß ich leider nicht, aber auch sie könnte sich ruhig etwas mehr Zeit lassen. Ich genieße die letzte Babyzeit, die mir gegeben ist, doch gerade so sehr.

Die Zeit vergeht so unfassbar schnell, man ist nur einen Moment unachtsam und schwupps sind sie ein ganzes Stück gewachsen. Wie Zauberei.
Ja ich bin einfach unverbesserlich und möchte daran auch nichts ändern.
Ich bin eine Mama und ich bin wirklich gerne Mama dieser bezaubernden, kleinen Damen.
Und ich freue mich auf jeden einzelnen Tag mit ihnen und möchte an ihrem Leben teilhaben, solange sie mich lassen. Irgendwie klingt das alles so egoistisch von mir, ich wünsche, dass sie sich nicht so schnell abnabeln, dass sie viel Zeit mit mir verbringen und am liebsten ewig bei mir bleiben. Ja es ist egoistisch aber ich glaube jede Mutter denkt so und solange man den Kindern ihre Freiheit gibt, sie die Welt für sich entdecken lässt darf man ein wenig egoistisch sein.


Man schenkt seinen Kindern Flügel, bringt ihnen das Fliegen bei und lässt sie ziehen und sie kommen immer wieder zurück zu ihren Wurzeln, wo sie geliebt und geborgen aufwachsen konnten.




Donnerstag, 17. September 2015

Gefahren in der Schwangerschaft


Ich habe heute einen Artikel über Alltagsdrogen in der Schwangerschaft gelesen und dachte, ich würde auch gerne ein paar Zeilen dazu schreiben.

Laut Berufsverband der Frauenärzte e.V. konsumieren 80% der deutschen Frauen gelegentlich Alkohol während der Schwangerschaft. Eine Ursache ist, dass die Frauen nicht wissen, dass sie schwanger sind. Eine andere Ursache ist, dass sie die damit verbundenen Risiken unterschätzen.
Pro Jahr kommen allein in Deutschland etwa 2600 Säuglinge mit Fetalem Alkoholsyndrom (FAS) zur Welt.
Wer mehr über die Wirkung von Alkohol auf Emryo und Fötus wissen mag und was FAS genau ist findet auf den Seite Frauenärzte im Netz und bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung viele Informationen darüber.

Alkohol geht direkt ins Blut der Mutter und somit auch dirkt ins Blut des Ungeborenen. Mittlerweile weiß jeder, was Alkohol mit Gehirnzellen macht und die unausgereiften Gehirnzellen von Föten werden noch schneller geschädigt. Geistige und körperliche Fehlbildungen sind die Folgen von Alkoholkonsum in der Schwangerschaft und dies ist eine häufige Ursache von Behinderungen bei Neugeborenen.
Deshalb sollte in der Schwangerschaft auf Alkohol verzichtet werden.

Auch das Rauchen in der Schwangerschaft ist ein gesundheitliches Risiko für das Ungeborene.
Statistiken beweisen, dass 13% aller Frauen zu Beginn ihrer Schwangerschaft rauchen und nur ein Viertel damit aufhören.
Nikotin ist ein Nervengift und die im Tabakrauch enthaltenen Giftstoffe gehen zu einem großen Teil über die Plazenta in den Blutkreislauf des Ungeborenen und richten Schaden an. Es genügt nicht die Menge der täglichen Zigaretten zu reduzieren, um das Baby ein gesundes Leben zu ermöglichen sollte man das Rauchen komplett einstellen.
Babys rauchender Schwangeren müssen nach der Geburt durch einen Entzug durch, das ist kein schöner Start ins Leben.
Informationen und Hilfe um rauchfrei zu werden findet man auf der Seite Rauchfrei.

Es ist schwer mit unliebsamen Angewohnheiten aufzuhören, besonders Zigaretten sind da ein hartnäckiges Laster, jedoch muss man da nicht alleine durch, es gibt Hilfe, man muss sie sich nur holen, beim Arzt oder Gesundheitszentren. Und es gibt keinen wichtigeren Grund mit dem Rauchen aufzuhören, als die Gesundheit des eigenen Kindes.

Ich weiß dieses Thema ist eigentlich jedem bekannt und spaltet die Meinungen, aber ich finde man kann bestimmte Themen einfach nicht oft genug wieder ins Gedächtnis der Menschen bringen. Das Baby hat ein Recht gesund und ohne Vorbelastungen auf die Welt zu kommen und das ist nunmal die größte Verantwortung der Mutter und ihrer Umgebung.




Montag, 7. September 2015

Eine tragende Sache...



Ich wurde oft schon auf mein Tragetuch oder meine Trage angesprochen.
Viele Komplimente und positive Reaktionen, ein paar negative Erfahrungen musste ich auch einstecken, aber meist sind das Menschen, die eigentlich gar keine Ahnung vom Tragen haben und ohne zu denken daherreden.

Aber oft werde ich gefragt, ob ich beim Binden helfen kann, ob ich es beibringen kann und dazu möchte ich jetzt mal ein paar Worte loswerden, die einigen trage-interessierten Menschen vielleicht helfen eine wichtige Entscheidung zu treffen.

Zuallererst nein ich helfe nicht beim Binden, hab ich nie und werde ich nie, denn ich sehe mich nicht als Profi.
Das ist ja so, als würde man mich fragen, ob ich eine Geburt begleiten kann, da ich schon drei Kinder habe oder ob ich jemandem Autofahren beibringen würde, weil ich einen Führerschein habe.
Nein für diese Tätigkeiten gibt es erfahrene, ausgebildete Profis. Klar, ich könnte es probieren, aber ob es für alle Beteiligten zufriedenstellend wäre bezweifle ich stark.
Ausserdem finde ich es nicht gut Hebammen oder Fahrlehrern die Jobs zu klauen.
Fürs Tragen gibt es auch Profis, Trageberaterinnen.
Sie bringen einem das Tragen bei, so dass man mit gutem Gefühl sein Kind am Körper tragen kann. Sie machen es einem vor, lassen einem dabei soviel Zeit wie nötig. Man übt erstmal mit einer Tragepuppe, somit ist es auch kein Stress für das Baby, denn das kommt erst ins Tuch, wenn man sicher im Umgang ist.
Meine Trageberaterin war super, ich habe unter ihrer Anleitung super schnell binden gelernt. Ausserdem hat sich mich beraten zum Thema Tuch und Tragehilfe, bei der riesen Auswahl, die es gibt hätte ich niemals alleine eine vernünftige Entscheidung treffen können
.
Ich habe schon vor der Trageberatung meine Kinder getragen, aber sie waren nie so gut gebunden wie sie es jetzt sind. Ich hatte Rückenschmerzen und ich denke für die Kinder war es auch nicht so bequem wie heute. Youtube ist eben kein Mensch, der einem auf die Finger schaut und Fehler sofort aufzeigt und hilft diese zu berichtigen.

Im Ernst, ihr wollt doch alle das Beste für eure Kinder, lest Rezensionen bei Produkten, schaut euch die Warentests an. Ist es denn da nicht selbstverständlich auch beim Thema Tragen das Beste für das Baby zu machen und sich das Binden von jemandem zeigen zu lassen, der es gelernt hat, weiß warum welche Stoffbahn wohin muss?

Vielleicht hab ich ja eure Neugierde geweckt, freuen würde es mich.


Falls ihr nun Interesse bekommen habt und wissen wollt, wo es in eurer Nähe Trageberaterinnen gibt, hier werdet ihr fündig:

Lillea.de (aus verschiedenen Trageschulen)
Trageschule Hamburg
Trageschule Dresden

Mittwoch, 2. September 2015

Stillen- (k)eine Wissenschaft für sich.

Stillen, das Beste für dein Baby, vorausgesetzt du und dein Baby fühlt euch dabei wohl.

Stillen mag ja das Natürlichste der Welt sein, doch macht es das nicht zum Einfachsten auf der Welt. Mutter und Kind kennen sich zu Beginn der Stillzeit noch gar nicht wirklich, müssen sich erstmal beschnuppern und kennenlernen und auch die Stilltechnik kommt nicht von alleine. Während Mama die richtige Haltung und das Anlegen lernen muss, muss Baby lernen, dass man nun arbeiten muss um etwas zu trinken zu bekommen, denn die Milch kommt da nicht von ganz alleine raus. Aber es ist ein Prozess, der sich lohnt durchlaufen zu werden, denn Stillen kann wunderbar sein und eine wunderbare Ruhepause im chaotischen Alltag einer Neumama.
Da ist es nun das Baby, ein kleines Bündelchen Leben, welches unbeholfen in unseren Armen liegt und rein gar nichts alleine macht, naja einige Grundfunktionen hat es ja schon.
Benebelt von den tollen Mamahormonen und ganz verliebt in das süße Baby will man dann mit dem Stillen beginnen und landet ganz schnell auf dem kalten Boden der Tatsachen, das geht ja gar nicht so einfach, wie es in der Werbung immer aussieht.
Das Baby weint, verdreht den Kopf, schnappt nach der Brust, kann aber nicht richtig andocken. Mama ist nervös, weiß nicht genau was sie tun soll und nun kommt die dritte Person ins Spiel, meist ist das eine Krankenschwester aus der Klinik, in der man entbunden hat. Danach gibt es zwei Optionen, die eine ist man hat Glück und nach ein wenig Hilfe hat man den Dreh raus und stillt, als hätte man nie etwas anderes getan oder (und das ist leider  nicht selten der Fall) erwischt man eine Schwester, die unter Zeitdruck steht oder zu routiniert "die Sache" erledigt und hat dann zwar das Baby an der Brust, hat aber gar nicht mitbekommen, wie das nun passiert ist.  Kaum dockt das Kind ab steht man dann wieder vor der gleichen Frage wie zuvor.
Da meist Personalmangel herrscht und es dank immer weniger Geburtsstationen immer voller wird auf denen, die noch offen sind, haben die Schwestern nicht die Zeit bei jeder Mama zu sitzen und ihr das Stillen ganz genau zu erklären und zu zeigen.
Aber genau da legt man das Fundament für eine gute Stillbeziehung.
Deshalb kann ich jeder jungen Mama nur raten, sich schon in der Schwangerschaft eine Stillberaterin in ihrer Nähe zu suchen, sei es eine Beraterin der La Leche Liga (kurz LLL) oder eine Beraterin der AFS. Zusätzlich bieten viele Orte Stilltreffen oder Stillcafès an, wo man sich mit anderen Müttern beraten kann und die von Stillberaterinnen geführt werden.
Aller Anfang ist schwer, jedoch nicht unmöglich, denn die Zahl der Frauen, die keine Milch bilden können ist wirklich gering, meist fehlt den Frauen einfach die Unterstützung und Hilfe, damit sie von Anfang an ein gutes und richtiges Gefühl zum Stillen entwickeln. Und genau diese schlechte Unterstützung beraubt Frauen ihre Chance stillen zu können.
Sind die ersten Wochen doch die Wichtigsten.

Wie schon geschrieben, Stillen ist auch eine wunderbare Möglichkeit, im hektischen und anstrengenden Alltag mit Baby, kleine Auszeiten zu genießen. Mit einem Tee, einem kleinen Snack und einem Stillkissen, damit man mehr Armfreiheit hat, kann man die Stillzeiten auch für sich nutzen, denn auch die Mama braucht kleine Pausen.
Diese braucht der Körper für die Milchbildung, denn Stress ist einer der Faktoren, die die Milchbildung hemmen. Ruhepausen sind also wichtig und nützlich. Als Mama bekommt man sowieso wenig Ruhe, da sollte man wirklich nehmen was geht, sei es beim Stillen oder wenn das Baby schläft, sich einfach dazulegen oder eine warme Dusche nehmen, ein Buch lesen, dösen oder oder oder, hauptsache es entspannt.
Was nicht entspannt ist Haushalt und dieser sollte auch in der Anfangszeit keine hohe Priorität haben. Wenn Besuch kommt können diese sich den Kaffee auch selber machen und einfach einen Kuchen mitbringen, Neumamas brauchen nicht backen. Toll auch wenn sie einem ein wenig im Haushalt helfen oder mal mit dem Hund rausgehen. Diese Hilfe sollte man annehmen, sie ist Gold wert und man sollte auch niemals zu stolz sein um Hilfe zu bitten, denn die Anfangszeit ist wichtig und sollte vor allen Dingen zur Bindung von Mama und Baby dienen.

Vorteile des Stillens:
●Du hast die Milch immer sofort bereit, immer verfügbar.
●Temperatur und Zusammensetzung stimmen immer, du musst nichts vorbereiten.
●Du musst weder mit Flaschen hantieren noch musst du diese einpacken, wenn du irgendwohin willst, alles was du zum Stillen brauchst trägst du an deinem Körper.
Das ist ein Zugewinn an Komfort und Unabhängigkeit.
●Zudem ist sie kostenlos.
●Stillen hilft bei der Rückbildung der Gebärmutter.
Dies geschieht durch die Oxytozinausschüttung während des Stillens. Das Hormon Oxytozin bewirkt Kontraktionen in der Gebärmutter, die zur Leerung der Gebärmutterinhalts und deren Verkleinerung führen.

Voraussetzungen für ein optimales Stillen:
Von nichts kommt nichts, deswegen müssen wir dem Körper etwas zuführen,  womit er arbeiten kann, um uns ein erstklassiges Produkt zu produzieren.
Oberstes Gebot ist ausreichend trinken. Mindestens drei Liter am Tag.
Diese sollten im Idealfall aus Wasser, Tee oder Saftschorlen bestehen, jedoch schaden zwei Tassen Kaffee nicht, wenn man diese braucht. Auch mal eine Limo ist keine Sünde.
Was nicht geht ist Alkohol. Diese geht in die Muttermilch über und das schadet dem Baby.

Ausgewogenes Essen ist auch wichtig, ausgewogen heißt gute Nahrungsmittel, viel Obst, Gemüse, Getreideprodukte da ich vegetarisch lebe empfehle ich kein Fisch oder Fleisch, wollt ihr dies essen sollte drUf geachtet werden, dass es gute Qualität hat), aber auch mal was Süßes sollte drin sein. Wer sich gesund ernährt beugt Mangelerscheinungen vor, denn durch das Stillen hat man einen Mehrbedarf. Sollte man diese nicht ausreichend zu sich nehmen ist es zwar nicht schädlich für das Baby, die Zusammensetzung der Milch bleibt immer gut, aber bei der Mutter wird es bemerkbar. Was nicht bedeutet, dass man Diäten halten darf, wenn die Ressourcen an Nährstoffen, Vitaminen und Mineralien im Körper aufgebraucht sind kann auch nichts mehr in die Milch befördert werden und das könnte dann dem Kind in seiner Entwicklung schaden.
Vegetarier und Veganer sollten vermehrt auf die Zufuhr von Eisen, Kalzium und Vitamin B12 achten. Am besten man bespricht das mit seinem Arzt oder der Stillberaterin, damit man keine Unterversorgung des Kindes riskiert.

Mythen und Märchen über das Stillen

"Wenn man stillt kann man nicht schwanger werden."
Wahr ist, dass während dermStillzeit oft die Regelblutung ausbleiben kann, meist liegt das am Vollstillen, das heißt mindestens 5x am Tag für mindestens zehn Minuten stillen. Dabei kann der Eisprung verhindert werden, ist aber kein Muss. Sich darauf verlassen sollte man sich jedoch nicht, ausser man hat nichts gegen einen geringen Altersabstand bei Geschwisterkindern, denn einen Eisprung kann man auch bei einem unregelmäßigen Zyklus haben. Deshalb sollte man auch in der Stillzeit verhüten.

"Man soll maximal vier bis sechs Monate stillen, danach braucht das Baby Brei"
Das ist Unsinn, man darf solange stillen, wie es für Mutter und Kind okay ist, also wenn sich beide wohlfühlen spricht nichts dagegen, weiterzustillen. Im Gegenteil, wenn man früh mit der Beikost startet und dazu noch stillt, bekommt das Baby viele gute Nährstoffe weiterhin über die Muttermilch, auch Antikörper, die Babys vor einigen Krankheiten schützen oder sieleichter verlaufen lassen bekommen sie uüber die Muttermilch.

"Vom Stillen bekommt man hängende, schlaffe Brüste."
Nein. Klar ist, der Körper verändert sich in der Schwangerschaft und Stillzeit. Um den Vorgang im Körper besser zu verstehen, erkläre ich mal was passiert. Die Brust besteht vor der Schwangerschaft aud Fettgewebe, Fett ist leichtgewichtig. Doch während einer Schwangerschaft baut der Körper das Fettgewebe ab, um Platz für Milchdrüsen für die Milchproduktion zu schaffen, diese sind etwas schwerer. Fängt der Körper dann nach der Geburt mit der Milchproduktion an und der Milcheinschuss kommt, sind die Brüste prall, warm u d super schwer, kein Wunder, die Milch wiegt ja auch was.
Nach einigen Tagen regelt sich das und die Produktion der Milch passt sich der Nachfrage an, die Brüste werden wieder weicher und fühlen sich durch die Milch trotzdem schwerer an, als vor der Schwangerschaft.
Nach der Stillzeit bilden sich die Milchdrüsen wieder zurück, dadurch wirkt der Busen dann ziemlich schlaff, aber ganz langsam baut der Körper wieder Fettdepots in der Brust auf, die sie dann wieder füllen. Es dauert einfach seine Zeit.
In der Schwangerschaft schüttet der Körper eine Menge Stoffe aus, die das Bindegewebe weicher werden lassen um die Geburt zu vereinfachen, diese setzt der Körper jedoch nicht lokal ein, sondern am ganzen Körper,  die Haut der Brust wird schlaffer, genau wie an den Oberschenkeln. Ob sich das wieder gibt ist abhängig von der Beschaffenheit des Bindegewebes jeder einzelnen Frau.

"Vom Stillen fallen die Haare aus."
Nein definitiv nicht, auch dies ist eine Folge der Schwangerschaft.
Ich kenne auch Flaschenmamas, die schlimmen Haarausfall hatten.
Der Körper stwllt in der Schwangerschaft unwichtige Funktionen, wie die Bildung und Abstoßung von Haarfolikeln ein, um sich besser um die Entwicklung eines Babys kümmern zu können. Dadurch fallen keine Haare aus und das Haar wirkt wunderbar voll, es bilden sich aber auch keine neuen Haare und da ist der Hund begraben. Kaum hat sich der Hormonhaushalt wieder auf nicht schwanger eingependelt wirft der Körper die Haare, die in der Schwangerschaft hätten ausfallen sollen alle von Bord. Beim Haarewaschen, Kämmen oder auf dem Kopfkissen findet man dann Strähnen von Haaren, die einen verzweifeln lassen, man hat Angst vor einer Glatze.Da der Körper keine neuen Haare gebildet hat in den10 Monaten wird das Haar erstmal ziemlich dünn.
Nach 2-3 Monaten pendelt sich aber auch das wieder ein und neue Haare sprießen auf dem Kopf. Leider siehtman durch die kurzen und langen Haare dann erstmal ein wenig gerupft aus, aber zumindest wachsen sie nach. Bei mir ist diese Phase gerade ganz aktuell und lustigerweise wachsen meine Haare in einer dunkleren Nuance nach, die Natur spinnt.
Abhängig davon, wieviel Haar man hat fällt diese Phase manchen Frauen gar nicht auf.
Sollte es extrem sein und sich länger als ein paar Monate hinziehen, sollte man sich mal beim Arzt durchchecken lassen, vielleicht hat man einen Mangel oder die Hormone spinnen.

"Wenn das Baby Zähne hat muss man abstillen."
Auch hier nein. Man darf auch ruhig weiterstillen, wenn das Baby Zähne hat, warum auch nicht. Jedes Baby bekommt zu einer anderen Zeit Zähne,  jedes Baby ist individuell und hat andere Bedürfnisse.  Solange man sich wohlfühlt ist es vollkommen in Ordnung sein Kind zu stillen, egal wie alt es ist oder wieviele Zähne es hat.

So das waren ein paar Fakten zum Thema Stillen, was ich aber noch anmerken mag, Stillen ist zwar das Beste für das Baby, was jedoch nicht bedeutet, dass Flaschenmilch schlecht ist. Unsere Forschung ist so weit, dass sie ein Produkt herstellen können, mit dem Babys auch ohne Muttermilch gesund und glücklich ernähren zu können. Flaschenmilch ist die zweitbeste Wahl, in manchen Fällen sogar die bessere Wahl.
Mamas, die die Flasche geben sind keine schlechteren Mamas, genau wie stillende Mütternicht die besseren Mamas sind. Leider wird da jedoch noch sehr viel diskutiert und viele Mütter meinen in Konkurrenz miteinander zu stehen. Wie immer kan  ich nur sagen bzw schreiben, das Konkurrenzdenken und Vergleiche vollkommen unproduktiv sind, sie haben weder einen Nutzen für die Mutter, noch für das Kind.
Am meisten profitieren Mütter von einem respektvollen Miteinander voller Toleranz und Akzeptanz.



Nochmal in Kurzfassung:

●Stillen ist das Beste für dein Baby, vorausgesetzt es klappt und man fühlt sich wohl dabei
●Stillen ist keine Wissenschaft, jedoch muss es erlernt werden, von Mutter und Kind.
●Eine Stillberatung ist eine super Sache und man sollte sich nicht scheuen Hilfe und
  Beratung zu suchen.
●Gesunde Ernährung und ausreichend Trinken sind das A und O
●Stillen ist super, abwr auch Flaschenmamas sind super


Viel Freude mit euren Babys ♡



Dienstag, 1. September 2015

Mamas und der Schlaf...


Das Baby liegt auf meinem Kopfkissen, leicht erhöht, damit es besser atmen kann, im Nebenzimmer höre ich mein kleines Mädchen husten und im Schlaf immer mal wieder wimmern.
Sie tun mir so unendlich leid. Sie sind erkältet.
Ich versuche mein Bestes, das Baby bei Laune zu halten, damit sie mit ihrer wirklich lauten Stimme nicht das ganze Haus weckt, vorallem nicht den Papa, er muss morgen arbeiten.
Eigentlich bin ich müde, hundemüde. Letzte Woche hatte ich drei schlaflose Nächte, dank dem ersten Zähnchen, jetzt ist es ein Schnupfen, der sein Unwesen hier treibt.

Ich mag es nicht, wenn meine Babys krank sind, da ich sie nicht leiden sehen kann und das tun sie, vorallem nachts.
Ich hab dann Mitleid mit dem kranken Kind bzw den kranken Kindern, sie stecken sich gern gegenseitig an. Ich versuche Rücksicht auf den Papa und die große Schwester zu nehmen, diese wird nie krank, hat sie ein Glück. Die Nachbarn spuken mir auch im Kopf rum, da das Babylein so laut meckern kann, das glaubt man gar nicht.
Manchmal frag ich mich, ob das Einbildung ist, aber andere Babys sind definitiv nicht so laut und in anderen Momenten rätsel ich, ob das von der Natur gegeben ist, dass die Geschwisterkinder immer lauter werden, damit sie im Alltagschaos bemerkt werden und nicht zu kurz kommen. Wer weiß.
Und während ich so meinen Gedanken nachhänge werden meine Augen schwerer und schwerer, neben mir das summende Baby, welches mit einem Schneewittchen PEZ-Spender spielt. Alleine deswegen sollte ich wach bleiben, es ist eigentlich kein Spielzeug für Babys, aber es war das einzig greifbare, was sie ruhigstellte.
Ich schaue immer wieder auf die Uhr, drei Uhr, halb vier...die Zeit verfliegt, die Nacht ist bald vorbei und die Kinder werden morgen verschnupft aber aufgedreht, das Haus auf den Kopf stellen, während ich mich fühle, als hätte man mich mehrfach wiedergekäut.
In solchen Momenten bereue ich es, dass ich kein Kaffee mag.

Nach einigen Tagen ist der Spuk meist vorbei, die Kinder sind wieder gesund und schlafen wieder gut, ich muss mir keine Gedanken um die anderen Familienmitglieder oder Hausnachbarn machen. Ich schlafe dann auch mal wieder länger als 2 oder 3 Stunden, aber auf meinem Schlafzettel bzw Wachzettel sind unglaublich viele Überstunden, die abgeschlafen werden müssen, aber wohl niemals werden.

Wir haben gleich vier Uhr, eine furchtbare Uhrzeit, viel zu nah schon am Morgen.
Ich schaue meinem Baby zu, wie sie glücklich und zufrieden mit dem PEZ-Spender über das Bett kullert und werde mit einem wunderbaren Lächeln belohnt.
Wie tut das gut, gibt einem nochmal so einen Schub, noch etwas wach zu bleiben...

Aber bitte nicht mehr lange. ♡

Montag, 31. August 2015

Mobbing-wenn die Schule Angst macht.



Es passiert schleichend, erst kaum wahrnehmbar, doch immer merklicher verändert sich das eigene Kind. Vorher vielleicht lebenslustig oder draufgängerisch und dann in sich zurückgezogen und teilnahmslos.
Kinder verändern sich alle im Laufe ihrer Kindheit, vorallem wenn große Sprünge gemacht werden, wie Schule oder Pubertät. Doch sollte man nicht jede Veränderung damit abtun, es kann auch mehr dahinter stecken.

Mobbing was ist das?
Mobbing bedeutet das jemand über längere Zeit systematisch durch negative Handlungen von einer oder mehreren Personen schikaniert und gedehmütigt wird.
Damit ist nicht nur körperliche Gewalt gemeint, auch verbale Gewalt in Form von Demütigungen, Beleidigungen, Hänseleien oder Lügen verbreiten gehören genauso dazu wie auch das Ausschließen aus einer Gruppe oder die Zerstörung von Eigentum.

Mobbing kann jeden treffen, es gibt keinen bestimmten Opfertyp. Früher glaubte man, dass stille, ängstliche und zurückhaltende Kinder oft betroffen seien, doch weiß man heute, dass wirklich jeder Typ zum Mobbingopfer werden kann.
In der Schule gibt es Mobbingopfer mit und ohne Brille, dick oder dünn, mit guten und schlechten Noten. Aussehen und Charakter spielen keine Rolle am Beginn des Mobbings, werden dann aber gerne benutzt, um gegen das Opfer zu benutzen. Eher ist es die Gruppensituation, die Dynamik in der Gruppe, einer der vielleicht neu ist oder bei dem erwartet wird, dass wenig Unterstützung von den anderen kommt.
Mobbing zerstört das Selbstvertrauen. Wenig Selbstwertgefühl ist häufig die Folge von Mobbing, nicht die Ursache.

Hilfe, mein Kind wird in der Schule gemobbt, was kann ich tun?

●Veränderungen am Kind wahrnehmen und beobachten. Schulangst, Niedergeschlagenheit, morgendliche Übelkeit, Bauch-oder Kopfschmerzen, um nicht zur Schule zu müssen, ernstnehmen und nicht abschmettern und zur Schule schicken.
●Sollte das Kind sich anvertrauen und über Mobbing sprechen, direkt Kontakt mit der Schule aufnehmen. Die Zusammenarbeit zwischen Eltern und Lehrer kann dem Kind am Besten helfen.
●Die Schuld nicht beim Kind suchen
●Dem Kind gut zusprechen, Selbstbewusstsein stärken
●Gemeinsam nach Lösungen suchen, mit Kind und Lehrer
●Gib deinem Kind Sicherheit, denn genau diese braucht es, es muss wissen, dass es dir vertrauen kann und ernstgenommen wird.

Leider ist es heutzutage so, dass fast jedes Kind mit Smartphone und Tablet ausgestattet ist und sich das Mobben nicht nur auf die Schulzeit beschränkt, sie werden auch Zuhause, zu jeder Zeit mit Demütigung und Hänseleien konfrontiert. Im Netz sinkt bei vielen die Hemmschwelle, sie gehen noch aggressiver vor, als sie es persönlich machen würden. Nichts ist ihnen fies genug, um ihr Opfer zu schikanieren. Beleidigungen, Fotos selbst Adresse und Vollnamen werden im Netz veröffentlicht.
Was viele Kinder und Jugendliche nicht wissen, Mobbing und Cybermobbing sind zwar kein Strafbestand, aber bestimmte Handlungen sind eine Straftat.

Wer mehr darüber lesen mag kann auf der Beratungsseite der Polizei nachlesen, dort sind auch viele weitere Tipps und Fakten zum Thema Mobbing und dessen Lösung oder Vorbeugung.
Auch auf den Seiten des staatlichen Schulamtes findet man Hilfestellen für Mobbingopfer in eurer Nähe.


Mobbing ist furchtbar, die Täter selbst haben meist keine Ahnung, was ihre Worte und Taten wirklich anrichten und die Opfer leiden meist mehr als sie zugeben.
Nehmt eure Kinder ernst, schützt sie, pflegt ihr Vertrauen in euch und helft ihnen, wenn ihr das Gefühl habt, dass etwas nicht stimmt.

Sonntag, 30. August 2015

...dann bin ich jetzt furchtbar traurig.


Selbstbestimmungsrecht. Jeder will für sich selbst bestimmen, sein Leben leben, will dass seine Gefühle respektiert werden. Leider vergessen viele Menschen schnell, dass dies auch für Kinder gilt.

●"Wenn ich keinen Kuss kriege muss ich weinen." Oder der Klassiker: "Komm mal auf mein Schoß oder willst du, dass ich traurig bin?"
●"Du bekommst ein Gummibärchen,  wenn du mir einen Kuss gibst." Oder "Ich werde nicht umarmt? Dann gibts auch kein Bonbon"
●"...aber sag das nicht deinen Eltern, dann schimpfen sie." Oder "...das bleibt unser kleines Geheimnis, sag es nicht der Mama, sonst bin ich traurig"
●"Wenn du mich lieb hast dann musst du..." Oder "...dann hast du mich nicht lieb."

Schreckliche Sätze, die leider sehr oft fallen, ob bewusst oder unbewusst. Sie schaden den Kindern, setzen sie unter Druck und nehmen ihnen die Chance auf ihr Selbstbestimmungsrecht.
Wir versuchen unsere Kinder zu verantwortungsvolle, selbstbewusste Menschen zu erziehen, die ehrlich ihre Meinung sagen sollen und sich in der Welt behaupten sollen.
Wo sollen sie das lernen, wenn nicht bei ihrer Familie, wo sie doch eigentlich keine Angst haben müssen? Wie sollen sie lernen sich vor sexuellen Übergriffen oder Mobbing zu schützen,  wenn sie schon innerhalb der Familie zu Opfern gemacht werden?
Das Kind will etwas nicht? Akzeptieren! Basta!

Zuneigung und Liebe kann man sich nicht erkaufen oder erpressen, man muss sie erarbeiten und sich verdienen. Nur wenn sie von sich aus und aus freien Stücken kommt, ist es aufrichtig und ehrlich. Alles andere ist doch für alle Beteiligten nicht angenehm.
Ein Kind durch körperliche Überlegenheit, durch Geschenke oder Süßkram, emotionale Erpressung oder durch unter Druck setzen zu Handlungen zwingen hat rein gar nichts mit Liebe zu tun und macht die Beziehung zum Kind nachhaltig kaputt. Noch schlimmer, das Kind lernt, dass man durch solche Handlungen seinen Willen bekommt und wendet dies später selbst auch an, anstatt es auf die richtige Weise zu machen und sich Aufmerksamkeit, Liebe und Zuneigung auf ehrliche Art zu verdienen.
Wir sind schliesslich die Vorbilder für unsere Kinder.

Ist es als Oma* ein gutes Gefühl, wenn man seinen Enkel mit Süßigkeiten erpressen muss, nur um eine Umarmung zu bekommen? Reicht es nicht zu wissen, dass es gerne zu Besuch kommt und einen lieb hat?
Muss der Opa* unbedingt seine Enkel auf dem Schoß sitzen haben, selbst wenn sie sich sträuben? Was hat er davon, ist es nicht viel schöner den Kindern beim Spielen zuzuschauen?
Ich kann mich an meinen Stiefopa erinnern, der bei jedem Besuch, mit seiner lauten Stimme rief, ich soll mal zu ihm kommen, sonst krieg ich den Popo geklopft. Aus Angst bin ich natürlich zu ihm gegangen hab ihn schnell umarmt und bin dann davon gestürmt und habe versucht unauffällig zu sein, nicht dass er nochmal so furchteinflößend ruft, oft fand man mich unter der Küchentheke im Hundekorb.

Aber es passiert nicht nur in der Familie, auch außerhalb muss so manches Kind viel über sich ergehen lassen, sei es der Backenkneifer der alten Dame im Kaufhaus, das Kopftätscheln der Fremden auf der Straße oder die einschüchternden Belehrungen des Mannes, der dem Kind erzählt, es müsse guten Tag sagen, wenn es an ihm vorbei geht.
Oder Babys, sie sind die gefundenen Opfer von Menschen, die gerne anfassen, begrabbeln und abknutschen, denn sie sagen ja noch nichts dagegen und ihr wehren in Form von Weinen wird dann auf Hunger oder Bauchweh geschoben und bekommt noch "wertvolle" Erziehungstipps gratis dazu. Wehrt man die Leute ab und schützt sein Kind ist man gleich ne doofe Glucke, die eine Generation von Weicheiern heranzieht.

Aber wir Eltern müssen in solchen Situationen für unsere Kinder einstehen, wir müssen das mulmige Gefühl in der Magengrube ignorieren und den Menschen sagen, dass sie unsere Kinder nicht einfach anzufassen haben, sie nicht einschüchtern oder erpressen dürfen.
Wir müssen ein lautes und klares Nein sagen, so dass die Kinder es hören und sehen, dass es okay und gut ist, wenn man nein sagt. Sie sollen wissen, dass wir sie schützen und sie dieses Nein auch gerne selbst sagen können,  da wir hinter ihnen stehen und auf sie achten.

Ich hatte mir mal vorgenommen das Verhalten anderer Menschen, gegenüber meinen Kindern, einfach zu imitieren und sie so auf ihr Fehlverhalten aufmerksam machen, aber die Überwindung, einem Fremden den Kopf zu streicheln oder in die Backe zu kneifen ist bei mir dann doch zu hoch. Ich habe es geschafft einer Dame den Kopf zurück zu tätscheln und ihr Gesichtsausdruck war zum Lachen, sie dachte wohl ich bin nicht ganz dicht, aber ich habe mich dabei so unwohl gefühlt, ich werde das nie wieder machen.

Mamas und Papas achtet auf die Signale eurer Kinder, schützt sie, gebt ihnen Selbstvertrauen und übt mit ihnen das Nein. Denn wir erziehen keine Weicheier, wir erziehen starke, selbstbestimmte Menschen, die sich nicht unterdrücken lassen und für ihr Recht einstehen.



*natürlich geht es hier nicht nur um Oma und Opa, man kann da auch alle anderen Familienmitglieder oder Familienfreunde einfügen, ich fand Oma und Opa wegen der Kürze grad so praktisch.


PS.: Falls hier ein Kopftätschler mitliest, habt ihr keine Angst vor Kopfläuse?^^