Dienstag, 28. Februar 2017

Wieviel Mutter bin ich?


Es ist traurig, wenn man in den sozialen Netzwerken mitbekommt, wie das Muttersein immer mehr zum Wettbewerb wird, sich extreme Gruppierungen bilden, die sich gegenseitig verbal zerfleischen. Muttersein war noch nie so hart und noch nie wurde die Kindererziehung untereinander so schwer bewertet.

Bin ich überhaupt Mutter?

Ich habe noch nie ein Kind selbst auf die Welt gebracht. Ich habe sie auf die Welt bringen lassen.
Kaiserschnitt. Ein Wort, welches so viele Reaktionen hervorbringt unter Müttern.
Viele Mütter fühlen sich wie Versagerinnen, ihr Körper hat das Natürlichste auf der Welt nicht hinbekommen. Sie schämen sich.
Aber warum? Weil andere Frauen es ohne Probleme geschafft haben, die Geburt als schönstes Erlebnis beschreiben?
Ich habe selbst keines meiner drei Kinder natürlich auf die Welt gebracht, aber ich habe nicht versagt. Ich habe mein Bestes gegeben und wenn mein Bestes ein Kaiserschnitt ist, welches mein Kind und mich gesund entbindet, dann ist das gut so.
Und dieser kleine Moment sagt doch eigentlich gar nichts aus, weder über meine Fähigkeiten als Mutter, noch über meine Liebe zu den Kindern.
Wenn überhaupt sagt der Kaiserschnitt nur eines, dass ich alles dafür gebe, meine Kinder gesund auf die Welt zu bekommen.

Anderes Thema, selbe Reaktion ist beim Stillen gegeben. Ich sehe dieses Thema von beiden Seiten, ich habe ein Kind nicht gestillt, das Zweite acht Monate und das Dritte über zwei Jahre. Jedes Kind wird von mir gleich geliebt, nicht wirklich gleich, schließlich sind sie unterschiedliche Persönlichkeiten, aber alle gleichwertig.
Mag eine Mutter nicht stillen, finde ich das vollkommen okay, sie muss sich nicht dafür rechtfertigen, vorallem nicht bei mir oder anderen fremden Müttern. Irgendwie fühlen sich Mütter aber gezwungen einen Grund zu finden, der andere Mütter zufriedenstellt. Einfach nur nicht stillen zu wollen ist dabei keine Option, deshalb sagen sie, sie haben keine Milch oder dass Ärzte es ihnen angeraten haben.
Es ist kein Verbrechen nicht zu stillen, es ist aber ein Verbrechen andere deshalb zu verurteilen, wenn sie nicht stillen möchten. Es ist eine mutige Entscheidung gegen den Strom zu schwimmen und zur Flasche zu greifen, weil man sich damit besser fühlt, eine schwere Entscheidung, wenn man von allen Seiten gesagt bekommt, dass man seinem Kind das Beste verwehrt. Ich halte sehr viel von bedürfnis- und bindungsorientierter Erziehung und finde das dabei nicht nur die Bedürfnisse des Kindes für eine innige Bindung wichtig sind, sondern auch die der Mutter. Wenn eine Mutter sich unwohl fühlt beim Stillen und das Stillen als zwingende Notwendigkeit über sich ergehen lässt, wird das Kind dies spüren. Wenn sie sich aber mit Flasche viel besser auf das Baby konzentrieren kann, auf das Baby eingehen kann und selbst dabei entspannt ist und sich wohlfühlt, gibt dies dem Baby viel mehr als Muttermilch. Vorwürfe und Beleidigungen sind einfach deplatziert und dreist. Nichts von all diesen Dingen sagt etwas über das Muttersein aus, es sind kleinste Gegebenheiten in einem großen Ganzen und dieses Ganze wird mit so vielen wichtigeren Dingen ausgefüllt und am Ende zählt doch nur, dass alle glücklich sind.

Bedürfnisorientiert von allen Seiten

Mutter zu sein in dieser Gesellschaft ist ein undankbarer und harter Job. 
Es wird so oft erwartet, dass Mütter alles aufgeben, sich aufgeben, um den Kindern alles recht zu machen. Aber ist das wirklich der richtige weg? 
Muss ein Kind wirklich immer seinen Willen bekommen? Dabei rede ich nicht von Neugeborenen, sondern von Kindern. Muss eine Mutter immer zurückstecken, zugunsten des Kindes, weil die Gesellschaft das so von einem erwartet? Muss sie alles geben, bis wirklich nichts mehr von ihr übrig bleibt, nur damit das Kind niemals Frustration erlebt? Was ist mit der Frustration oder besser was ist mit den Bedürfnissen der Mutter?
Bedürfnisorientiere Erziehung heißt für mich die Bedurfnisse aller in der Familie, vom Kind oder Kindern, von Vater und Mutter. Es müssen alle Gefühle und Bedürfnisse geachtet werden, Kompromisse und Lösungen gefunden werden, womit alle glücklich sind, nur so kann eine Familie auf Dauer bestehen. 
Eine Mutter muss sich nicht schlecht fühlen, wenn sie ihrem Kind nicht erlaubt den limitierten Lieblingslippenstift in die Couch einzumassieren. Auch sollte sie kein schlechtes Gewissen haben, wenn ihr Kind dann frustriert ist und dieses zeigt. Man sollte es dem Kind auch erlauben Frustration zu erleben. Ebenso wie man ihnen alle positiven Empfindungen erleben lassen möchte, sollte man ihnen die nicht so schönen Gefühle verwehren. Kinder von allem was sie aufregt oder traurig machen könnte fernzuhalten, hält sie auch davon fern, den Umgang mit diesen Gefühlen zu erlernen. Man beraubt sie somit eines wichtigen Lernprozesses, der es ihnen später schwerer maxhen wird, damit umzugehen. 
Natürlich fällt einem das schwer, wenn die halbe Welt es besser weiß und meint, man müsse Kinder in Watte packen und sich komplett aufgeben, schließlich ist man Mutter und somit kein Mensch mehr sondern eine Maschine.
Aber um ehrlich zu sein scheiß drauf, denn ist die Mutter nicht glücklich kann es das Kind auch nicht sein.
Früher, als das Internet noch nicht so populär war, man sich noch nicht mit der ganzen Welt über Erziehung und Co austauschen konnte, musste man sich lediglich mit Verwandtschaft und dem näheren Umfeld herumschlagen, was Erziehungsratschläge betrifft.
Nun ist jeder ein Erziehungsexperte und Beziehungsberater und weiß wo die Fehler bei jeder einzelnen Mutter und ihrer Familie liegen und damit halten sie auch nicht hinterm Berg. Am schlimmsten sind aber die Mütter unter sich, Jede meint die beste Erziehungsmethode zu kennen und diese sei auf jedes Kind, jede Familie übertragbar. Man urteilt über andere Mütter, macht sie schlecht, lässt sie sich schlecht fühlen und es wird ganz vergessen, dass jedes dieser Mütter eigentlich das Gleiche will, nämlich glückliche und gesunde Kinder. Das geht im Tragetuch oder Kinderwagen, mit Babykursen oder ohne, mit Flasche oder Brust, Stoffwindeln oder Einwegwindeln, alleinerziehend oder mit Partner, berufstätig oder als Hausfrau.

Zurück zur Intuition und zur Toleranz finden

Wir suchen immer Gleichgesinnte, die den selben Weg gehen wie wir, wir sehen nur diesen Weg nur dieser ist der richtige Weg, andere Wege, die andere Menschen gehen sind falsch und werden nicht in Erwägung gezogen und verlieren dabei oft das Ziel aus den Augen, das Ziel auf die alle zusteuern, nur über verschiedene Wege. Unser Ziel ist es, aus diesen kleinen und wunderbaren Kindern wunderbare Erwachsene zu machen, ihnen zeigen, dass sie toll sind, so wie sie sind, mit all ihren Facetten und dass sie alles erreichen können, wenn sie ihr Bestes geben. Dieses Ziel zu erreichen ist über mehrere Wege machbar und jedes dieser Wege kann richtig sein, wenn alle dabei glücklich sind. Das ich von gewaltfreier Erziehung dabei spreche muss ich nicht erwähnen oder? Davon gehe ich in diesem Fall aus.
Anstatt aufeinander herumzuhacken und anderen Müttern das Muttersein absprechen zu wollen, sollte man lernen andere Sichtweisen zu tolerieren. Man sollte einen Moment in sich gehen und überlegen ob der andere Weg wirklich so schlecht ist, wie man meint, bevor man vorschnell urteilt und verurteilt. Es von der anderen Seite betrachten, offen und ohne Wertung. Vielleicht kann man von anderen Sichtweisen sogar noch was für sich selbst lernen und über sich hinauswachsen. 
Wir sind alle Mütter, Frauen, Menschen und haben alle Bedürfnisse, Gefühle und ein Herz für unsere Kinder. Nun sollten wir ein kleines Plätzchen im Herzen freimachen für Akzeptanz und Toleranz gegenüber Müttern, die anders erziehen.






Mittwoch, 2. November 2016

All I want for christmas is you!


Der Winter naht mit großen Schritten und mit ihr die Vorfreude auf das Weihnachtsfest.
Wie jedes Jahr stellen sich unzählige Eltern die Frage, was sie ihren Sprösslingen schenken sollen.
Bei der großen Auswahl und den vielen Kinderwünschen fällt die Entscheidung auch wirklich nicht leicht.

Muss ich meinem Kind alle Wünsche erfüllen?

Kinder schreiben Wunschzettel, äussern ihre Wünsche, wenn sie etwas in der TV Werbung entdecken oder einem Katalog, Spielzeug ist momentan allgegenwärtig. Selbst ein großes

Onlineversandhaus hat uns dieses Jahr ein Spielzeugprospekt zugeschickt. Ich war da ziemlich überrascht über diese Werbestrategie. Naja eigentlich nicht.
Welches Geschenk soll es werden, unter all den Wünschen oder erfüllt man einfach alle?
Ich persönlich denke, es ist falsch einem Kind alle Wünsche zu erfüllen und ein Berg an Geschenken unterm Baum bereitstehen zu haben. Da halte ich es nach dem Motto, weniger ist mehr.
Ein tolles Geschenk, für das sich das Kind wirklich interessiert und das länger als es die Werbung sieht, sollte genügen. Es kommen ja auch noch Geschenke von Verwandten und Freunden. Dieses eine tolle Geschenk dann ohne Ablenkung zu benutzen, sich intensiv damit zu beschäftigen  ist so viel wertvoller als ein Berg Geschenke, bei dem das Kind dann von einem zum anderen hüpft und nicht weiß, mit welchen es zuerst spielen soll.
Auch finde ich Qualität statt Quantität sehr sinnvoll und Geschenke die man lange benutzen kann oder sogar erweitern.

Adventskalender nehmen neue Ausmaße an

Zu Weihnachten gehört natürlich auch ein Adventskalender. Früher gab es nicht so eine Auswahl wie heute, da gab es die Schokikalender, ein paar mit Spielzeug und natürlich die selbstgemachten Kalender, gefüllt mit Schokolade, Nüssen und anderen Leckereien. Heute wird eher weniger der Schokikalender gekauft oder nur als Zweitkalender. Die Tendenz geht zu teuren Spielzeugkalendern, die wie Pilze aus dem Boden sprießen oder selbstgemachten Kalendern, die mit kostspieligen Füllungen glänzen. Spielzeug, Bücher, täglich ein neues kleines Geschenk, vierundzwanzig Tage lang.
Die Eltern kommen auch nicht zu kurz,  gibt es doch speziell für sie teure Adventskalender gefüllt mit allem, was man sich vorstellen kann, von Kosmetik, Bieren, bis hin zu Gutscheinen für alles Mögliche und der Preis ist nach oben offen. Manche kriegen den Hals nicht voll und möchten am Liebsten mehrere Kalender. Ich finde dabei steht das hohe Konsumverhalten weit über den Sinn des Adventskalenders.
Bei uns gibt es entweder den Schokikalender, der hier super beliebt ist oder einen selbstgemachten Kalender, in dem für jedes Kind täglich ein Schokobonbon drinne liegt. Sie freuen sich sehr darüber.


Ist Nikolaus der neue Weihmachtsmann?

Am sechsten Dezember ist auch noch der Nikolaus zu Besuch.  Bei uns gibts da traditionell für jedes Kind ein Buch. Früher gab es einen Stiefel mit Schoki, Nüssen und Madarinen, aber da die Großeltern gerne prall gefüllte Nikolausteller verschenken und dazu noch Plätzchen mitbringen, haben wir uns eine Alternative gesucht. Die vielen Naschereien werden sonst nie ganz gegessen und das wäre doch schade. Deshalb schenken wir Bücher, für die Große eins zum Selberlesen und für die Kleinen zum Vorlesen. Somit schenken wir ihnen nicht nur ein Buch, sondern auch Zeit mit uns. Davon kann man nie genug haben.

Zurück zu den Wurzeln.

Früher dachte ich, das wichtigste sei für Kinder, viele tolle Päckchen unterm Baum zu finden, das lag daran, dass ich mich gerne an ein Erlebnis zurückerinnere, bei dem ich als kleines Mädchen nachts von Geräuschen wach wurde und hinunter ins Wohnzimmer tapste. Ich öffnete die Tür und sah meine Eltern, Großeltern und Tante umd Onkel vorm geschmückten Weihnachtsbaum sitzen und lauter Geschenke einpacken.  Sie sahen wie kleine Weihnachtselfen aus, was ich meiner regen Fantasie zuschreibe, auch das goldene Leuchten und die wunderbare Weihnachtsmusik es war magisch! Im Prinzip habe ich sie dabei erwischt wie sie die Geschenke verpackt haben, doch in meinem kindlichen, verschlafenen Kopf sah ich das Weihnachtswunderland. Mein Herz wurde warm und ich schlich zurück ins Bett und wartete auf den Weihnachtsmorgen. Im Endeffekt waren es aber nicht die vielen Geschenke, die mich glücklich gemacht haben, es war dieses tolle und verzaubernde Gefühl.
Nicht die Geschenke machen Weihnachten zu etwas besonderem, es ist der Zauber, der dieser Zeit innewohnt. Mehr als jedes Geschenk erfreuen sich meine Töchter an den Spuren, die das Christkind und der Weihnachtsmann  ( ja, bei uns kommen beide, wie man hier nachlesen kann) hier hinterlassen, die Traditionen, die wir als Familie haben, die Vorfreude, das viele Essen, aber vorallem das Beisammensein.  Zeit mit der ganzen Familie, ohne Zeitdruck und so gelassen, wie sonst nie im Jahr, weil sich letztendlich jeder vom Weihnachtszauber anstecken lässt (selbst der grummeligste Grinch). Wir müssen zurück zu unseren Wurzeln, zurückerinnern an unsere Kindheit, wie schön sich alles zur Weihnachtszeit anfühlt. Dann wissen wir, was sich unsere Kinder am meisten Wünschen, nämlich nicht Berge an Geschenken, sondern uns, die Menschen, die ihnen am Herzen liegen. Natürlich dürfen Geschenke nicht fehlen, aber ein besonderes, was von Herzen kommt ist so viel wertvoller als einen kompletten Wunschzettel abzuarbeiten.
Ich möchte niemandem das Schenken oder überhaupt das Weihnachtsfest vorschreiben, ich möchte nur meine Gedanken dazu teilen, denn am Ende geht es ja darum, das alle glücklich sind und das ist das Wichtigste.

Ich wünsche jetzt schon eine ganz tolle Vorweihnachtszeit.






Donnerstag, 6. Oktober 2016

5 Jahre mein Mädchen und 1 Jahr klein Bohne



Es ist wieder Oktober, vor fünf Jahren wurde ich im Oktober zum zweiten Mal Mutter.
Ich wurde nicht nur Mutter, ich wurde mit einer wunderbaren Geburt belohnt, die mich von der traumatisierenden ersten Entbindung befreit hat, mich versöhnt hat.
Auf dem Tag genau, vier Jahre später  wurde noch so ein kleines Wunder geboren, der Sohn meiner liebsten Hebamme. Das Datum schien ihm wohl genauso zu gefallen,wie meiner Maus, denn eigentlich hätte er noch Zeit gehabt zum Brüten. Aber manchmal können es die Mäuse es einfach nicht abwarten ihre Eltern kennenzulernen,  was ich in diesem Fall total verstehen kann.
Sie hat schon mal einen Brief hier veröffentlicht. 
Nun habe ich die Ehre ihren Geburtsbericht mit euch zu teilen.


"Von der Babyparty zum Bajewäsche in 7,5 Wochen

Es ist Montag der 05.10.2015. Ich mag Montage, sie strotzen immer vor Neubeginn, neuer Energie. Und offenen Geschäften. Eine lange Einkaufsliste, die abgearbeitet werden möchte liegt in der Küche.
Ich habe den gesamten gestrigen Tag auf dem Sofa verbracht. Eigentlich war ein Ausflug auf die Ronneburg geplant, aber eine bräunliche Schmierblutung sagt mir, dass ich mich lieber ans Sofa kette. Eine leichte bräunliche Blutung ist kein Grund für Panik und acht Wochen vor Termin mal normal.
Ich bin heute in der 32 plus 3 Schwangerschaftswoche, 28 Jahre alt, Hebamme und plane eine Geburt zu Hause.
Die Hälfte der Artikel auf meiner Einkaufsliste wollen aus dem Baumarkt besorgt werden und sind für meine kleine romantische Hausgeburt.
Montags ist die Blutung verschwunden, aber sie lässt mich nicht los. Das Telefon klingelt. Meine Hebamme ist dran, sie hat die ganze Nacht gearbeitet und will die Schwangerenvorsorgeuntersuchung verschieben, Kein Problem. Wir haben Zeit. Ich telefoniere mit einer befreundeten Ärztin, die heute keine Zeit hat nach mir zu sehen, aber morgen. Kein Problem. Wir haben ja Zeit, es geht mir gut.
Wir bringen unseren Haushalt in Ordnung und starten am Vormittag.
12:01 Uhr wir kaufen im Paradieschen Suppengewürz für Kürbissuppe und einen Kürbis.
Klein Bohne in mir strampelt, auch das Ungeborene mag heute unbedingt Kürbissuppe essen. Die Sonne scheint und das Wetter ist gut. Die Suppe wird auf der Terrasse gegessen.
Um 12:35 Uhr erstehen wir im Mediamarkt eine neue Mikrowelle, um die schönen Kirschkernsäckchen aufzuwärmen.
Auf dem Kassenbon von LIDL um wird die Uhrzeit 13:31 Uhr abgedruckt, als wir unseren Wocheneinkauf erledigen. Was besonderes kann ich gerade nicht entdecken, ich wollte wohl backen. Ich erinnere mich für diese Woche zwei Torten machen zu wollen.
Die Vorletzte Station ist bei Rossmann. Wir kaufen um 13:53 Uhr unsere Urlaubsfotos, die wir über das Fotolabor haben entwickeln lassen. Ein Nierenwärmer und eine Naturmoorkissen aus der Ideenwelt.
Vor dem Geschäft treffe ich eine von mir betreute Frau. Die treffe ich ständig und überall. Wir verquatschen uns.
Um 14:20 Uhr kaufen wir ein Päckchen Paracetamol in der Apotheke. Zum ersten Mal in der Schwangerschaft verspüre ich seit dem Besuch bei LIDL einen pulsierenden Kopfschmerz über dem rechten Auge. Eine beginnende Migräne?

Zu Hause beschließe ich ins Bett zu gehen. Mein Mann kümmert sich um die gekauften Sachen. Der Baumarktbesuch ist verschoben. Kein Problem. Wir haben Zeit.

Um 15:45 Uhr werde ich wach, der Kopfschmerz ist weg, mein Mann sitzt am Bett und fragt, ob es mir besser geht und ich etwas essen möchte.

Pitsch. Was war das? Ich laufe aus. Pinkel ich grad ein? Was los ist, möchte mein Mann wissen. Weiß ich nicht, antworte ich. Ich weiß es eigentlich genau. Meine Fruchtblase ist geplatzt. Ich gehe zur Toilette, gegenüber des Schlafzimmer. Es läuft. So fühlt sich das also an. Er folgt mir, alles in Ordnung, Schatz? Ja, meine Fruchtblase ist geplatzt.
Bist du dir sicher? Ja, ich bin mir sicher. Und was jetzt? Soll ich unsere Hebamme anrufen?
Du brauchst sie nicht anrufen, sie näht sie jetzt auch nicht wieder zu.
Alles läuft in einer Ruhe ab, dass man glauben könnte, man befände sich inmitten einer Loriot-Szene. Gleich wird jemand sagen, es ist noch Suppe da.
Aber keiner sagt, dass noch Suppe da ist. Ich bitte meinen Mann um ein Handtuch und um ein Telefon. Ich telefoniere mit einer befreundeten Hebamme. Ich versuche das nächstgelegene Krankenhaus anzurufen. Mein Wissen ist wie weggeblasen. Wie weit bin ich schwanger? Wo darf ich eigentlich hin? Fahren wir mit einem Krankenwagen?

Ich sammle mich. Danach ziehe ich mich um, wir schnappen Portemonnaie und Mutterpass, ich öffne unser Hoftor und wir fahren mit dem Privat-PKW ins nächstgelegen Krankenhaus. Ich habe von Beginn der Schwangerschaft eine ausgezeichnete Verbindung zu meinem Kind. Es geht ihm gut, das spüre ich.
Ich bin nicht aufgeregt. Ich bin auch nicht traurig, eine Frühgeburt, bedeutet eben keine Hausgeburt, damit kann ich leben. Et kütt, wie et kütt.

Angekommen im Krankenhaus gehen wir Hand in Hand in den Kreißsaal. Bekannte Gesichter schauen mich erstaunt an. Was ich hier mache? Ja, einen Blasensprung habe ich. Ich bin in der 32 plus 3 Schwangerschaftswoche. Ja, das ist ja jetzt doof. Wir lachen.
Und als ob Bohne abgewartet hätte, setzen jetzt Wehen ein.

In meinem HypnoBirthing Kurs habe ich gelernt Wehen als Wellen zu bezeichnen. Das kann ich gerade nicht mehr, sie tun verdammt weh. Ich muss veratmen.
Ich liege eine gefühlte Ewigkeit am CTG, es geht mir gut. Wir rufen niemanden an. Der Ultraschall ist gut. Man möchte probieren, die Geburt noch etwas aufzuhalten. Ich bekomme punkt 19:00 Uhr eine Tokolyse (Wehenhemmer) und Celestan (Lungenreife, die es dem Baby nach der Geburt erleichtern soll zu Atmen). Ich weiß innerlich, dass es nichts nützen wird. Ich lache. Es wird kommen.
Ich verbringe die gesamte Nacht im Kreißsaal. Nicht schlafend, Alle zehn Minuten habe ich Wehen. Alle zwei Stunden steht der Oberarzt am Bett und fragt mich nach meinem Befinden. Ich versuche alle zwei Stunden ihn davon zu überzeugen, dass das Kind kommt. Ohne Erfolg.

Am folgenden Mittag, Dienstag der 06.10.2015 ist es dann soweit. Die Geburt von Bohne lässt sich nicht aufhalten. Warum auch, Bohne wird schon wissen was es da tut. Der Wehenhemmer kommt weg, die zweite Lungenreife wird vorgezogen.

Die folgenden 2,5 Stunden behalte ich im Detail für mich. Ich konnte mein HypnoBirthing anwenden. 

Um 17:34 Uhr bin ich überwältigt. Ich lerne das beste Blind Date meines Lebens kennen. Linus. Er ist perfekt. 1830 g Geburtsgewicht, 46cm Länge und 32,5cm Kopfumfang. Man lässt mir Zeit zu bonden (nackiges Kuscheln direkt nach der Geburt, Haut an Haut). Dann übergebe ich Linus an den bereitstehenden Kinderarzt.
Um 17:40 Uhr verlässt der Kapitän, meine Plazenta, das Mutterschiff. Die Geburt ist vorbei. Ich bin Mama (das bin ich seit dem 15.03. aber heute endgültig).



Heute ist Linus 11 Monate und zwei Wochen alt, wir planen aktuell akribisch seinen ersten Geburtstag. Ich nehme mir seit seinem Geburtstag vor, die Geburt aufzuschreiben. Ich wurde gebeten, noch ein paar Details über das erste Jahr zu verraten.

Mein Junge ist gesund, wir konnten ihn nach schon dreieinhalb Wochen mit in sein Zu Hause nehmen. Er entwickelt sich prächtig und er bereitet uns jeden Tag sehr viel Freude. 

Ob es einschneidend war? Ja, sehr.
Ob ich noch ein Kind bekomme? Ja, ganz sicher. Nicht heute. Morgen nicht gleich.
Ob ich was anders mache? Vielleicht den Termin erreichen. 
Was ich genauso mache? Bedingungslos lieben. "

Danke, dass du diese wundervolle, wenn auch turbulente Erfahrung hier teilst.
Happy Birthday mein Mädchen und Happy first Birthday Klein Bohne. ❤

Samstag, 24. September 2016

Muddi, was soll der Stress?



Als ich vor fünf Jahren schwanger war, war es Trend, in so vielen Schwangerschafts- und Babykursen wie möglich angemeldet zu sein. Dort mitzumischen gehörte quasi zum guten Ton.
Wir lebten zu der Zeit in einem Dörfchen außerhalb und das Auto hat der Mann benutzt, also war mein Radius etwas eingeschränkt.  Ich ging zur Geburtsvorbereitung bei einer Hebamme und nach der Geburt zu einem Rückbildungskurs, aus der sich dann eine kleine Gruppe zur Krabbelgruppe zusammenschloss.
Babyschwimmen, Pekip und Co. habe ich nicht mitgemacht.
Jedenfalls scheint sich in den fünf Jahren einiges getan zu haben, Mütter profilieren sich im Netz damit, dass sie keine Kurse oder Gruppen besuchen wollen, da sie andere Mütter im Allgemeinen nicht leiden können.  Alle Mütter würden nur über volle Windeln, Babykotze und anderen unappetitlich klingenden Themen reden. Die profilierenden Mütter halten sich für die Aussenseiter, lachen über die Mütter, die sich in Cafés treffen und sich dort austauschen. Sie versuchen sich im Netz zu überbieten, wer mehr Außenseiter ist.
"Ich hatte nicht mal eine Hebamme." Eines der Sätze, die ich fand.
Natürlich ist es jedem selbst überlassen, wie er gebärt und sein Leben mit Kind gestaltet, aber nur um möglichst individuell zu sein auf eine Hebamme zu verzichten ist meiner Meinung nach eher ziemlich einfältig.  Ist eine Hebamme ein Trend? NEIN.
Eine Hebamme ist eine Bereicherung und nichts weshalb man sich schämen sollte. Vorallem für Mütter, die ihr erstes Kind erwarten oder bekommen haben und viele Fragen haben, ist eine Hebamme Gold wert. Genau wie Gruppen, in denen sie sich mit anderen Müttern austauschen können,  persönlich, statt anonym im Internet.
Ihnen diese Bereicherung madig zu machen finde ich unter aller sau.
Zwanghaft sich gegenseitig überbieten zu wollen, wer am wenigsten diese Dinge mitgemacht hat, ist genauso dämlich wie die Entwicklungsvergleiche, die sie den anderen Müttern unterstellen.
Im Prinzip das Gleiche.
Diese große Rivalität zwischen Müttern, das alle über einen Kamm scheren, das Vergleichen, konkurrieren und miesmachen ist einfach beschämend. Im Großen und Ganzen sind wir alle Mütter und was für eine Bereicherung es doch wäre,  wenn wir unseren Ego mal zurückstecken würden und tiefer schauen würden, als jetzt.
Wenn wir den Menschen hinter der Fassade sehen würden,  die Unsicherheiten, die Liebe zum Kind, Bedürfnis nach Austausch und der Hoffnung dies in diesem Café, bei dem Müttertreff zu finden. Was wenn dort ein Mensch sitzt, eine Mutter, die die perfekte Freundin wäre und diese Freundschaft nie entstehen wird, da man meint dass es besser ist solche Treffs zu meiden.
Man muss nicht zu jedem Treffen, Kurs oder Gruppe gehen, aber alle die dort hingehen in eine Schublade zu stecken ist auch falsch. Klar sind da auch Menschen, die einem super auf die Nerven gehen, vielleicht sogar viele, aber das weiß man erst wenn man mal mit jedem gesprochen hat.
Ich hoffe wirklich, dass das mal ein Ende hat und Mütter endlich anfangen Toleranz zu zeigen.
Mutterschaft ist kein Wettbewerb, auch wenn man das bei manchen Müttern denken könnte.
Neben dem oben schon beschriebenen Phänomen gibt es ja auch noch das andere Extrem und mindestens genauso extrem nervig.
 Diese Gruppierungen, in denen sich Mütter fast schon religiös identifizieren.
Ich schaue gerne auf sozialen Netzwerken verschiedene Profile an und wenn jemand in seiner Bio stehen hat, dass sie z.B. Stoffwindeln nutzt oder Bugaboofanatikerin oder andere Dinge, die nichts mit dem Charakter der Person zu tun haben, dann klicke ich schon weiter.Ich habe nichts gegen Stoffwindeln finde sie sogar klasse, auch hab ich nichts gegen Bugaboos, aber ich will Menschen sehen und nicht ein lebendes Sammelsurium an Klischees, nur um in einer bestimmten Gruppe anerkannt zu werden.
Manche Mütter sind eine wirklich merkwürdige Spezies. Die Frage ist, waren sie schon vor der Mutterschaft so oder haben Hormone die Schuld an diesem unsäglich nervigen Verhalten?
Es wird verglichen, ausgegrenzt, konkurriert, gelästert, angegeben und so weiter und so fort.
Aber warum?
Wozu dieser Konkurrenzkampf?
Ich stehe oft auf dem Beobachterposten und folge diesem Verhalten.  Alles ist so oberflächlich, nicht mehr der Mensch zählt, sondern nur was sie hat oder welchem "Erziehungsstil" sie verfolgt. Passt man nicht zu hundert Prozent in diese Klischees landet man schnell wiede außerhalb der Gruppe.
Ernsthaft, kann das denn wirklich erfüllend sein? Sich mit Menschen umgeben, deren Charakter vollkommen zweitrangig ist?
Ich finde ja, würde man all diese Gruppen durcheinandermischen, an einem großen Tisch und jede Mama würde mal zur Wort kommen, in einem respektvollen und offenen Gespräch,  alle könnten eine Menge voneinander lernen.
Aber dafür müsste man erstmal über den eigenen Schatten springen, eingestehen, dass die eigene Erziehung nicht die einzige Möglichkeit ist wunderbare Kinder heranzuziehen.

Am Ende ist es doch immer das Gleiche.  Mütter gehen gegeneinander vor, ob nun als Mutter, die einfach total anders sein will als alle anderen oder als Mama, die unbedingt und stur an bestimmten Dingen festhält, um zu einer gewünschten Gruppe zu gehören und schließen dabei andere aus.
Dabei wird vergessen, wie gut eine bunte Mischung sein kann.
Vergleichen wir es mal mit einem Salat, an einem puren Kopfsalatblatt zu knabbern ist nicht gerade die Erfüllung,  doch mit Tomaten, Zwiebeln, anderen Zutaten und einem tollen Dressing kann daraus was ganz gutes werden.

Dienstag, 20. September 2016

Dieser eine Moment...



Momente gibt es unendlich viele im Leben, fröhliche, traurige, spannende, manche sind einfach nur langweilig und bleiben nur kurz in der Erinnerung, bevor sie für immer verblassen. Doch dieser einzigartige Moment, wenn du dein Kind zum ersten mal auf den Arm nimmst, es anschaust, dieses starke, unglaubliche Gefühl, welches dein Herz zum Überlaufen bringt. All diese Emotionen, Glück, Angst, Freude, alles zugleich, ausgelöst durch dieses kleine, perfekte Wesen in deinem Arm. Dieses Gefühl verblasst niemals, staubt niemals ein, es brennt sich in Herz und Verstand gleichermaßen.
Viele Mutter bedauern, dass sie nicht sofort verliebt waren in ihr Baby, als sie es das erste mal sahen, sie sind traurig, da sie nicht von purem Glück überschüttet waren. Haben ein schlechtes Gewissen, da sie Angst hatten, Zweifel hegten und nicht ausschließlich durch die rosarote Brille geschaut haben. Aber auch das ist Liebe.
Denn Liebe ist mehr als Glück. Liebe ist auch Angst, Verzweiflung und Sorge. Liebe ist eine Kombination aus vielen Gefühlen, schönen und weniger schönen,  aber in dieser Kombination das stärkste Gefühl, das es gibt.
Und nie ist sie so stark wie in diesem einen Moment, wenn man sein Baby das erste Mal ansieht.



Süßkartoffel-Butternut-Parmigiano Suppe

Herbstzeit ist Suppenzeit, ich hab mal wieder experimentiert 
und diese leckere Suppe kam dabei raus.




Was man braucht:

1 Süßkartoffel
1 Butternutkürbis
1 Bund Lauchzwiebel
2 rote Zwiebeln
2 Karotten 
3 kleine Kartoffeln (mehlig am besten) 
(und wer mag eine kleine Zucchini)
3 gehäufte Teelöffel Pimenton mild
1-2 Teelöffel Kreuzkümmel 
Prise Salz
Wasser
125ml Sahne
3 gehäufte Esslöffel Parmigiano (Parmesan)


Wie es geht:
Alle Gemüse schälen und kleinschneiden, 
in einem Topf mit etwas Fett und den Gewürzen anbraten,
 wegen der guten Röstaromen. 
Mit Wasser aufgießen, dass alles leicht bedeckt ist und mit Deckel köcheln
 lassen, bis es schön gar ist.
Sahne dazu und Parmigiano unterrühren.
Kurz nochmal aufkochen lassen und dann mit dem Pürierstab cremig rühren.
Fertig.
Guten Appetit!


Samstag, 17. September 2016

Manege frei von Tierleid.


Donnerstag waren wir auf einer Protestaktion vor einem Zirkus.
Warum? Weil ich ein Tierfreund bin und ich es nicht gutheißen kann, dass Tiere zur Belustigung von Menschen, mit Gewalt dressiert werden und ihr Leben.lang unter unwürdigen Bedingungen leben müssen.

Warum ich das hier schreibe? Weil an dem Tag viele Eltern mit Kindern in den bunten Zirkus gegangen sind und ich wenige Minuten zuvor Zeuge wurde, wie ein Zirkusmitarbeiter einen Tiger mit einem Besenstiel mehrfach gestochen hat, um ihm seinen Willen aufzuzwingen.

Wollen wir unsere Kinder nicht zu guten Menschen erziehen? Wie können einige sie dann guten Gewissens dort hinbringen und ihnen somit zeigen, dass es okay ist, dass Tiere zur Unterhaltung der Menschen gequält werden.
"Ja ich weiß das, aber mein Kind möchte die Clowns sehen." Das war die Begründung einer Mutter, die danach in dem Zelt verschwand.

Es gibt viele Zirkusse (hoffe das ist die Mehrzahl) bei denen keine Tiere auftreten, die allein mit Menschen eine tolle Show bieten. Wäre das nicht eine Alternative?

Ich möchte nicht militant erscheinen, noch will ich Anderen etwas vorschreiben, nur zum Nachdenken anregen. Deshalb schreibe ich auch keine Geschichten, was mit den Tieren genau passiert, Interessierte finden genug bei Google.

Aber ich hoffe wenigstens einigen Menschen zum Nachdenken zu bringen.

💜